Weitere Suchergebnisse zu "Deutsche Bank":
 Indizes      Aktien      Fonds      Zertifikate      OS    


Kolumnist: Geldanlage-Report

Crash wegen "Carry-Trades"? Deutsche Bank warnt...




01.07.13 15:27
Geldanlage-Report

http://www.geldanlage-report.de


 


Lieber Geldanleger,


Carry-Trades... noch nie gehört? Sie müssen nicht gleich um ihre Allgemeinbildung besorgt sein. Selbst Börseninsider kommen ins Stocken, wenn man sie danach fragt.


Dabei ist eigentlich schnell erklärt, was sich hinter der Strategie verbirgt: Geld geht immer dahin, wo noch mehr Geld zu machen ist.


Eigentlich ein normaler Vorgang, der aber unter Umständen auch zu Verwerfungen an den Märkten führen kann.


Wenn Anleger einen Kredit in einer niedrig verzinsten Währung wie zum Beispiel dem Yen aufnehmen und es in Währungen mit einem höheren Zinsniveau wie den US-Dollar anlegen, spricht man gemeinhin von Carry-Trades. Eine solche Transaktion ist in der Regel so lange gewinnbringend, wie die Zinsgewinne nicht durch (jederzeit mögliche) Währungsverluste aufgefressen werden.


Muss ein Carry-Trader beispielsweise 1,25 Prozent Zinsen zahlen und bekommt auf sein geliehenes Bares 5 Prozent Zinsen bei 0,75 Prozent Gebühren, so ist sein rechnerischer Gewinn 3 Prozent (5 Prozent – 1,25 Prozent – 0,75 Prozent). Das bekannteste Beispiel in der Vergangenheit waren die Carry Trades, bei denen japanische Yen ausgeliehen wurden.


Bei einem Leitzins von 0 bis 0,50 Prozent war die japanische Währung mehr als günstig zu bekommen. In der gleichen Zeit kam es zu einem Aufschwung in den Schwellenländern, die mit hohen Zinsen versuchten, ihre Wirtschaft vor einer Blase zu bewahren. Dann kam die Finanzkrise, und diese Spekulationsstrategie lohnte sich kaum noch.


Doch vor zwei bis drei Jahren ging das Spiel von vorne los. Die lockere Geldpolitik vieler Staaten und die niedrigen Zinsen haben die lokalen Aktienmärkte seitdem stark angetrieben, aber auch entfernte Assetklassen wie Rohstoffe oder Aktien und Devisen von Schwellenländern. Die Situation für Carry-Trades wurde wieder günstiger. Viel spekulatives Kapital floss zuletzt u.a. in die chinesische Währung.


Jetzt sorgt die Aussicht auf ein Ende der lockeren Geldpolitik in den USA für Nervosität exakt wegen dieser „Spekulationsblase“. Der Chef-Währungsstratege der Deutschen Bank Bilal Hafeez (und nicht nur er!) geht bei einer plötzlichen Auflösung des Dollar/Renminbi-Carry-Trades davon aus, dass es in der Folge zur größten Kapitalentwertung aller Zeiten kommen könne. Und Hafeez ist nicht unbedingt als Panikmacher bekannt...


Tatsächlich belastet die Kombination aus besseren Wirtschaftsdaten in den USA und Wachstumsschwäche in China die Emerging Markets zunehmend. Das Wachstum in den Schwellenländern wurde in den letzten Jahren nämlich vor allem von der Nachfrage aus China angetrieben. Hinzu kamen die durch Carry-Trades bedingten Kapitalströme.


Wenn jetzt beide Wachstumsquellen unter steigendem Druck geraten – China, weil sich hier die Anzeichen für eine strukturelle Verlangsamung des konjunkturellen Wachstums mehren, und Carry-Trades wegen der wachsenden Nervosität der Märkte im Hinblick auf die amerikanische Zins-Politik, dann braut sich da etwas zusammen.


Ziemlich unruhig kann es werden, wenn beispielsweise die Anleiherenditen in den USA weiter anziehen bis auf etwa drei oder vier Prozent. Dann würde ein Dollar/Renminbi-Carry-Trade schlichtweg keinen Sinn mehr machen. Es ist aber auch möglich, dass die chinesischen Behörden meinen, eingreifen zu müssen und ihre Währung abwerten. Schließlich wird die Wettbewerbsfähigkeit Chinas, sprich der Export, durch den starken Renminbi geschwächt.


Was kann dann passieren? Käme es zu einer schnellen Auflösung des Dollar/Renminbi-Carry-Trades, würde das Geld zurück in den Dollar fließen und den Renminbi deutlich abwerten. Die Auswirkungen auf den Dollar-Index würden sich zwar vermutlich in Grenzen halten. Allerdings könnten die Aktienmärkte in Mitleidenschaft gezogen werden. Und zwar weltweit, wenn auch unterschiedlich stark. Das ist sogar sehr wahrscheinlich.


Auch die Gefahr, dass ein ähnlicher Weltfinanzcrash ausgelöst werden könnte wie während der Asienkrise 1997, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein Automatismus ist das aber nicht.


Ich halte allerdings kleinere bis mittlere „Verwerfungen“ vor allem in den Schwellenländern für realistischer. Welche Länder am stärksten betroffen sein werden, hängt von „strukturellen Negativfaktoren“ ab, also einem hohen Leistungsbilanzdefizit oder auch kontraproduktiven staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft.


Schwellenländer, denen es gelingt, ihr endogenes Wachstumspotenzial durch Bewältigung ihrer strukturellen Probleme zu steigern, sind gut aufgestellt bzw. gerüstet. Sie müssen sich kaum Sorgen machen. Mexiko wäre z.B. ein positives Beispiel. Brasilien dagegen, wo die makroökonomischen Ungleichgewichte sich für jedermann sichtbar (Groß-Demonstationen während des Confed-Cups) derzeit verschärfen, sollte von Investoren in naher Zukunft eher gemieden werden.


MEIN FAZIT:


- Solange Wechselkurse stabil sind oder, wie meist üblich, sich in schmalen Korridoren bewegen, sind Carry-Trades profitabel. Auf den Dollar/Renminbi-Carry-Trade trifft das jedoch nur noch bedingt zu. Sollte der Carry-Trade zurückgehandelt werden, könnte es sich dabei um einen Vorläufer einer größeren Korrektur handeln.


- Sorgen bereiten in diesem Zusammenhang die sehr hohen Volatilitäten auf Devisenmärkten sowie auf den Anleihen- und Rohstoffmärkten. Nur die Aktienmärkte können sich dem noch entziehen, aber wie lange noch?


- Was können Sie als Anleger tun? Beobachten Sie die Zinsentwicklung. Sollte in den USA an der Zinsschraube gedreht werden, könnte es zu einer Korrektur der Aktienmärkte kommen. Diese ist allerdings ohnehin überfällig und kein Grund, Katastrophenszenarien zu entwerfen.



powered by stock-world.de




 

Finanztrends Video zu Deutsche Bank


 
hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
6,721 € 6,782 € -0,061 € -0,90% 13.12./20:30
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0005140008 514000 8,32 € 5,78 €
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
6,715 € -1,15%  13.12.19
München 6,859 € +1,51%  13.12.19
Hannover 6,723 € +1,42%  13.12.19
Berlin 6,774 € +0,25%  13.12.19
Frankfurt 6,752 € -0,41%  13.12.19
Hamburg 6,752 € -0,50%  13.12.19
Düsseldorf 6,748 € -0,71%  13.12.19
Xetra 6,721 € -0,90%  13.12.19
AMEX 7,47 $ -0,93%  13.12.19
Stuttgart 6,712 € -1,18%  13.12.19
NYSE 7,48 $ -1,19%  00:30
Nasdaq 7,48 $ -1,32%  13.12.19
  = Realtime
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

Meistgelesene Artikel
Aktuelle Diskussionen
RSS Feeds




Bitte warten...