Kolumnist: Feingold-Research

Chinas Parteitag – Schuldenabbau im Fokus




10.10.17 15:20
Feingold-Research

Nach der Goldenen Woche, in der die Aktienmärkte im Reich der Mitte geschlossen blieben, starteten die chinesischen Märkte am Montag mit festeren Kursen wieder in den Handel. Nicht nur Anleger dürften nun gespannt auf den 19. Parteitag, der am 18. Oktober stattfindet, blicken. Im Mittelpunkt steht laut Präsident Xi Jinping eine “Gemeinsame Zukunft der Menschheit”. Auch die Privatisierung mehrerer staatlicher Unternehmen und der Schuldenabbau privater Haushalte werden im Fokus stehen. Für Anleger mit Interesse an chinesischen Unternehmen haben wir den Alibaba Call MF2QJP in unsere Produktauswahl aufgenommen.

Zum 19. chinesischen Parteitag stellen wir Ihnen die Einschätzungen und Erklärungen möglicher Rerforminitiativen der Kreditanalystin Lili Fan von Fidelity International vor:


Lili Fan, Kreditanalystin bei Fidelity International, sieht den Schuldenabbau als wichtigsten Treiber für die nächsten Reformen, die auf dem 19. Parteitag der Kommunistischen Partei in China beschlossen werden könnten. „Die gesamte Kapitalaufnahme in China inklusive der Schulden der Kommunen belaufen sich auf 224 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Das zeigt deutlich, dass ein Schuldenabbau ein wichtiger Punkt für China ist. Nur dann kann es seine ambitionierten Reformpläne und marktorientierten Veränderungen erfolgreich umsetzen. Dabei bleibt China nur wenig Zeit, um kontrolliert Druck aus der Kreditblase entweichen zu lassen“, so Fan. Die Kreditanalystin sieht folgende mögliche Reformansätze, die die chinesische Partei beschließen könnte:


 


1. Privatisierung von Unternehmen in Staatsbesitz

 


Asien_China_1State-owned Enterprises (SOE) sind riesige, etablierte Staatsbetriebe, die viele finanzielle Ressourcen verschlingen. Ihr Anteil an den ausgegebenen Bankkrediten beträgt 40 bis 45 Prozent. Sie produzieren jedoch nur rund ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des Landes – den Rest steuern private Unternehmen bei. Noch geringer ist ihr Beitrag zum ökonomischen Gewinn. Etliche SOE sind für ihre schwache Effizienz und mageren Margen bekannt. Eine Ausnahme bilden wenige strategisch wichtige Betriebe. Ein Plan könnte demnach sein, diverse Unternehmen in Staatsbesitz in marktrelevanten, d. h. nicht strategischen Bereichen, zumindest teilweise zu privatisieren, um sie effizienter zu machen.


 


2. Strengere Regulierung der von Provinzregierungen gegründeten Zweckgesellschaften und ihrer Kreditvergabe

 


Die Verbindlichkeiten der Local Government Financing Vehicles (LGFV) wurden 2013 auf insgesamt 14 bis 15 Billionen Renminbi geschätzt – Tendenz ansteigend. 2014 versuchte China, Licht in die undurchsichtige Verschuldung der Zweckgesellschaften zu bringen: Ein Teil ihrer Kredite wurde in den letzten zwei Jahren in Kommunalanleihen umgewandelt. Strengere Obergrenzen für die Verbindlichkeiten der LGFV dürften daher wieder in den Fokus rücken. An ihnen geht kein Weg vorbei, wenn Peking die enorme Schuldenlast der Provinzregierungen spürbar senken will.


 


3. Zügeln des Wachstums der Hypothekenkredite

 


Die Verschuldung der privaten Haushalte betrug 2006 lediglich 26 Prozent der Wirtschaftsleistung. 2015 und 2016 überstieg die Neuvergabe von Immobilienkrediten die besorgniserregende Marke von 30 Prozent. Inzwischen ist die private Verschuldung sogar auf 44 Prozent des BIP hochgeschnellt. Ein wichtiger Punkt der Reformagenda dürfte demnach sein, die Vergabe von Hypothekenkrediten zu reduzieren. So lässt sich die Schuldenlast der privaten Haushalte begrenzen..


 


 


Abb. 1: Chinas Schuldenlast: Gesamte Kapitalaufnahme der Gesellschaft in Prozent des BIP

Quelle: Fidelity International, eigene Recherche



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