Kolumnist: Feingold-Research

China, USA, Volatilität – schwieriges Marktumfeld




05.07.18 10:07
Feingold-Research

China hat in der Vergangenheit mehr als ein Mal gezeigt, dass das Land eine aufstrebende Macht ist. Konkurrenz führt zu Konflikten, wie man schön am Beispiel des Handelskonfliktes zwischen China und den USA sehen kann. Und auch wenn Trump vielleicht nur vorübergehend der Dorn im Auge der Chinesen sein wird, werden die USA ihre Position auf dem Weltmarkt schützen. Das kann in Zukunft zu einer erhöhten Unsicherheit führen und die Frage einer Rezession weiter aufleben lassen. Bei Pimco blickt man ausführlich auf das große Bild. Wir waren vor wenigen Wochen vor Ort beim Pimco-Forum und wollen ihnen auch den verschriftlichen Teil der Gedanken nicht vorenthalten. In unserem dritten Teil Rezession in drei bis fünf Jahren – oder früher? haben wir die Frage der Rezession bereits aufgeworfen.

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China, die USA und die Thukydides-Falle

Die Geopolitik könnte sich als eine weitere Quelle unangenehmer Überraschungen erweisen. Mit Unterstützung des Global Advisory Board erörterten die Experten die geopolitischen Auswirkungen eines durchsetzungskräftigen Chinas mit einem starken und autoritären Staatschef, der die klare langfristige Vision hat, bis 2035 das Einkommensniveau der Industrieländer zu erreichen und 2049, zum 100. Geburtstag der Volksrepublik, den Status eines „vollständig entwickelten“ Landes zu erlangen. Viele Beobachter sprechen von einer potenziellen „Thukydides-Falle“: diese hat die Entstehung eines Konflikts zur Folge, wenn eine aufstrebende Macht (wie etwa Athen am Ende des 5. Jahrhundert v. Chr., Deutschland am Ende des 19. Jahrhunderts und heute China) eine herrschende Macht (wie Sparta, Großbritannien und heute die USA) herausfordert.


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Die Thukydides-Falle ist allerdings nicht unvermeidlich. Die voraussichtlichen Spannungen durch den Aufstieg Chinas zu einer globalen wirtschaftlichen und militärischen Supermacht und den energischeren Versuch der USA, ihren Status in den Bereichen Handel, geistiges Eigentum und Verteidigung zu schützen, dürften allerdings für Unsicherheit sorgen und könnten über den langfristigen Horizont eine weitere Risikoquelle sein.


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In positiverer Hinsicht bestätigten die Experten, dass durch eine geeinte und starke chinesische Führung, die die zentrale Kontrolle über Staatsunternehmen zurückerlangt, sowie durch gedämpfte Kapitalströme die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass China in der restlichen Welt systemische Erschütterungen auslöst. Die chinesische Führung handelt zudem langfristig orientiert, während die Politik der Trump-Regierung aufgrund des Zyklus der Präsidentschaftswahlen eher kurzfristig ausgerichtet ist. Daher stehen die Chancen gut für einen „faireren und freieren Handelsvertrag“, der einerseits das geistige Eigentum besser schützt und den kurzfristigen Zielen der USA entspricht und andererseits China die Verfolgung seiner längerfristigen Ziele zugesteht. Allerdings ist die amerikanische Politik nach wie vor recht unvorhersehbar, und einem chinesischen Staatschef ohne innerparteiliche Konkurrenz sowie mit vollumfassender Kontrolle können unbeabsichtigte politische Fehler unterlaufen.


Marktfreundliche Zentralbanken sorgen für höhere Volatilität

Natürlich ist eine freundliche Entwicklung in den kommenden drei bis fünf Jahren nicht unmöglich. Allerdings würde es sich hierbei um ein schwieriges Umfeld handeln, das aufgrund der hohen Bewertungen und der zahlreichen möglichen Stolpersteine und Zwischenfälle nur wenig Handlungsspielraum böte. Die aktuelle Erholung hat, allen voran in den USA, einen Wechsel zu weniger Unterstützung durch die Zentralbanken und in einigen Fällen gar zu einer unumwundenen Straffung eingeleitet. Schlechter vorhersehbare und vielleicht weniger marktfreundliche Zentralbanken könnten langfristig für eine höhere Volatilität sorgen. Ein nach Jahrzehnten der Lohnzurückhaltung steigender Inflationsdruck würde die Herausforderungen nur weiter vergrößern.


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Seit der Krise im Jahr 2008 wurden schlechte Nachrichten für die Wirtschaft in der Regel als gute Nachrichten für Finanzanlagen interpretiert, da die Entscheidungsträger stets schnell reagierten. Diese „Schnäppchenjagd“- Mentalität könnte jedoch nicht von Dauer sein. Die Wertentwicklung von Finanzanlagen hat jene der Realwirtschaft in den vergangenen zehn Jahren deutlich übertroffen. Im kommenden Jahrzehnt kann sich diese Entwicklung jedoch zweifelsohne ins Gegenteil verkehren.


Gleichzeitig gehört eine Rezession in den USA zum Basisszenario der Experten für die kommenden drei bis fünf Jahre, und sie gehen für diesen Fall von erheblichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die globalen Märkte aus. Der Druck durch nationalistische und populistische Tendenzen auf die Wirtschaft könnte sich verstärken. Zwar dürften die Zentralbanken wieder unterstützend einschreiten, jedoch könnte es in solch einem Umfeld zu erneuten Angriffen auf die Unabhängigkeit der Zentralbanken kommen, was ungeahnte Folgen haben würde.Langfristig gesehen können gute und schlechte Nachrichten für die Wirtschaft die Märkte auf unvorhersehbare Weise beeinflussen. So besteht etwa ein Aufwärtsrisiko infolge eines Durchbruchs beim Produktivitätswachstum. Produktivitätssteigerungen in der Realwirtschaft könnten jedoch zu höheren Realzinsen führen, worunter viele Anleger in Anleihen sowie Aktien leiden würden.


Quelle: Pimco, eigene Recherche



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