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Kolumnist: BankM

China-Boom: Neues Level statt Game Over




20.07.17 13:13
BankM

Von Thomas Stewens Viele Milliarden Euro haben chinesische Unternehmen – oftmals unterstützt von der Regierung - in der jüngsten Vergangenheit für deutsche Firmen ausgegeben. Jetzt erweitert die Bundesregierung ihr Vetorecht bei Übernahmen durch Investoren mit Sitz außerhalb der Europäischen Union. Insbesondere für Käufer aus China soll es so schwieriger werden, bei als strategisch besonders wichtig angesehenen Firmen einzusteigen. Der Anfang vom Ende des China-Booms am M&A-Markt?

68 Übernahmen mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 12,6 Mrd. Euro – 2016 gingen chinesische Zukäufe und Beteiligungen in Deutschland durch die Decke. Der (Übernahme)Fantasie schienen keine Grenzen gesetzt. Im laufenden Jahr standen nach drei Monaten jedoch gerade einmal eine Handvoll Transaktionen zu Buche. Der China-Boom am deutschen M&A-Markt ist vorbei, wird deshalb vielerorts bereits geschlussfolgert. Dabei gingen im ersten Quartal auch im Rekordjahr 2016 nur neun Deals über die Bühne. Mit den nackten Zahlen lässt sich die 180-Grad-Wende also nicht erklären.


Richtig ist aber, dass sich das Umfeld verändert hat. Steigende Kapitalverkehrskontrollen der chinesischen Regierung, die im verschärften Vetorecht zu Tage getretene Abwehrhaltung deutscher Politiker sowie der wachsende Reifegrad der chinesischen Wirtschaft sind die wesentlichen Risiken. Exemplarisch dafür steht der Ende 2016 geplatzte Verkauf des Maschinenbauers Aixtron an den chinesischen Investor Grand Chip Investment (siehe unser Momentum aus dem Dezember 2016).


Natürlich war Aixtron ein spezieller Fall, doch Veränderungen im Umfeld  lassen sich nicht wegdiskutieren. Und selbstverständlich werden Transaktionen dadurch nicht unbedingt leichter. Dennoch gehen gemäß einer aktuellen Roland-Berger-Umfrage immer noch 57% der Marktteilnehmer von einem steigenden Wettbewerb durch chinesische Investoren aus. Mit Blick auf den Mittelstand sind es sogar 63%. Das klingt nicht danach, dass wir kurz vor dem „Game over“ stehen. Vielmehr wurde mit den erfolgreichen Transaktionen der Vergangenheit und den damit einhergehenden Lerneffekten ein neues Level erreicht. Und mit jedem Level werden die Anforderungen an die Beteiligten höher, wie jeder Computerspieler weiß. So sind chinesische Käufer weltoffener und erfahrener geworden und kommen längst nicht mehr nur bei Insolvenzfällen zum Zuge, sondern gehen aktiv auf Technologie- und Marktführer zu. Das ist ganz im Interesse Pekings. Im Strategie-Konzept „Made in China 2025“ fordern die Planer, dass sich heimische Unternehmen durch Beteiligungen und Übernahmen Zugang zu fortgeschrittenen Technologien aus dem Ausland verschaffen, um in Schlüsseltechnologien wie Automatisierung, Medizintechnik oder High-end-Maschinenbau den Sprung an die Weltspitze zu schaffen.


Es kommt also auf den Branchenfokus an. In besonders geförderten Bereichen werden die verschärften Bestimmungen für Outbound-Investitionen sicherlich nicht ganz so strikt angewandt. Durch intelligente Strukturen lässt sich die Transaktionssicherheit weiter erhöhen. Beispielsweise wenn vereinbart wird, dass in Deutschland erwirtschaftete Gewinne in den Ausbau der Aktivitäten in China fließen. Dahinter steckt die Logik, dass die chinesischen Behörden einer Transaktion viel eher zustimmen werden, wenn sie davon ausgehen können, dass dem einmaligen Kapitalabfluss aus China nach Deutschland später regelmäßige Rückflüsse folgen. Nicht zum Nachteil der deutschen Unternehmen. Vielmehr können diese Mittel in die notwendige Produktentwicklung und den Ausbau der deutschen Marke in China investiert werden. Der chinesische Partner unterstützt diesen Prozess mit Marktkenntnis und oft genug auch mit weiteren Mitteln.


Das ist umso bedeutender, als sich in noch jungen Wachstumsbranchen wie beispielsweise dem Green-Tech-Sektor jetzt der Kampf um die Marktanteile entscheidet. Wollen deutsche Unternehmen ein gutes Stück vom chinesischen Milliardenmarkt abhaben, müssen sie vor Ort Präsenz zeigen. Ohne einen einheimischen Partner finden aber gerade Mittelständler nur schwer Zugang. Und das liegt nicht nur an der zugegeben mangelhaften Öffnung für ausländische Unternehmen in China, sondern vor allem an fehlenden Kapazitäten und fehlender Marktkenntnis der deutschen Firmen. Dieses enorme Synergiepotenzial wird auch durch verschärfte Regularien der chinesischen Behörden für Outbound-Investitionen nicht kleiner. Folglich werden wir auch 2017 noch zahlreiche Transaktionen sehen. Vielleicht nicht ganz so viele wie im Vorjahr, aber dafür auf einem noch höheren Level.



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