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Kolumnist: Stock-World Redaktion

Die Börse hat kein Gedächtnis




07.01.21 13:23
Stock-World Redaktion

Im Spielfilm „21“ wird die wahre Geschichte einiger US Studenten erzählt, die in den 90er Jahren in den Casinos von Las Vegas groß abgeräumt haben. Erfolgreich waren sie deswegen, weil sie mit Wahrscheinlichkeiten gearbeitet und Karten gezählt haben..

Sie waren also keine Zocker, sondern arbeiteten mit Mathematik und nutzen einen statistischen Vorteil zu ihren Gunsten. So schafften sie es, mit einer progressiven Anpassung der Einsätze ein System zu kreieren, das die Bank gesprengt hat.

Black Jack hat somit, wenn Sie so wollen, eine Vergangenheit, die aus den bisher gefallenen Karten besteht. Merkt man sich diese, weiß man, welche Karten noch im Deck sind. Wenn Sie hingegen „Mensch Ärgere dich nicht“ spielen, weiß der Würfel nicht, wie oft Sie schon in Folge eine „Sechs“ gewürfelt haben. Auch eine Münze merkt sich nicht, wie oft sie hintereinander auf Kopf gelandet ist. Kommt im Wurf 1 Kopf, steht die Chance für Wurf 2 wieder 50:50, ob nun Kopf oder Zahl kommt. Auch nach zweimal Kopf hintereinander steht es bei Wurf 3 wieder 50:50 und das geht so weiter bis in alle Ewigkeit. Betrachtet man jeden Münzwurf als Einzelereigniss, geschieht jedes Resultat rein zufällig, und dabei spielt es keine Rolle, was vorher passiert ist.

Leider gibt es immer wieder Spieler (und Trader), die sich bei diesen Serien in die Irre führen lassen. Kommt beim Roulette das dritte Mal Schwarz, denken viele, dass nun Rot wahrscheinlicher geworden ist. Haben sie dreimal auf Rot gesetzt und verloren (was 3 Fehltrades in Serie entspricht), setzen sie im nächsten Spiel das x – fache, um sich alles zurückzuholen, denn Rot ist vermeintlich überfällig (der nächste Trade muss ein Gewinner werden). Dann müssen sie mit ansehen, dass erneut Schwarz (Fehltrade 4) kommt und glauben an eine Verschwörung („der Markt hat es auf mich abgesehen“).

Im Gegensatz zu Black Jack haben die Kursverläufe kein Gedächtnis. Steigen Sie ohne Analyse, rein zufällig in einen Trade ein, stehen die Chancen 50:50, ob die Aktie um X % steigt oder fällt. Da die nächste Preisänderung nur nach oben oder unten ausfallen kann, muss diese Annahme stimmen. Keine Rolle spielt hingegen, wie die Kursverläufe vor dem Einstieg ausgesehen haben. Nach 100, 1000 oder mehr Trades müsste man daher immer pari aussteigen, egal welches (halbwegs sinnvolle) Regelwerk dahinter steht. Leider machen uns dabei die Gebühren und die Slippage einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem kann man die Märkte schlagen, wenn man wie im Black Jack, die Wahrscheinlichkeit auf seiner Seite hat und sich der Materie mit der richtigen, mentalen Einstellung nähert.

Das richtige Gedankengut braucht der Trader deswegen, weil auch Serien von 5 oder 10 Fehltrades etwas aus statistischer Sicht vollkommen normales sind. Probieren Sie es aus und schreiben Sie bei 100 Münzwürfen das Ergebnis mit. Sie werden über die teilweise langen Serien erstaunt sein. Im Trading muss man mit diesem kurzfristigen Ungleichgewicht richtig umgehen. Nach fünf Verlusten am Stück muss man Trade 6 genau so ausführen wie Trade 1. Man darf sich daher von den bisherigen Fehltrades nicht beeinflussen lassen. Viele Trader glauben hingegen, ein paar Verluste entfernen sie von ihrem Ziel, erfolgreich zu werden. Aus statistischer Sicht ist jedoch genau das Gegenteil wahr, was auch belegbar und logisch ist.

Was die zweite Komponente, die Wahrscheinlichkeiten, anbelangt, nützt es uns Tradern zwar nichts, Karten zu zählen, weil die Kurse kein Gedächtnis haben und daher nicht zu prognostizieren sind.     Text und Quelle: Thomas Vittner


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Der Autor stellt hier lediglich Informationen zur Verfügung, es erfolgt keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögensanlagen. Anlagegeschäfte beinhalten Risiken, so dass die Konsultierung professioneller Anlagenberater empfohlen wird. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass ein Engagement in Aktien (auch Hot Stocks oder Penny Stocks), Zertifikate, Fonds oder Optionsscheine zum Teil mit erheblichen Risiko verbunden. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden.





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