Kolumnist: Sebastian Hell

Bitcoin: trotz vieler Warnungen mit Rekordkurs über 3.200 US-Dollar




10.08.17 11:49
Sebastian Hell

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

vor einigen Wochen, hatten wir uns an dieser Stelle schon einmal mit dem Thema Kryptowährungen – genauer der Gegenüberstellung und Konkurrenz der digitalen Devisen Bitcoin und Ethereum – eingehender befasst. Beide Währungen wecken bei Anlegern nach wie vor Begehrlichkeiten. Und der Markt, liebe Leserinnen und Leser, gibt diesem Interesse auf Investorenseite durchaus Recht. Gerade in der momentanen Situation beim Modell Bitcoin. Obwohl die Kryptowährung außerhalb der virtuellen Welt nur in wirklichen Ausnahmefällen beispielsweise beim Bezahlen im Café oder im Einzelhandel Verwendung findet, steigt die Nachfrage.


Grund ist neben dem einfachen Zahlungsvorgang in Online-Shops und -Portalen die anonyme Abwicklung der Transaktionen. Und eben diese ist auch der Anlass für Warnungen von Seiten berufener Kritiker und staatlicher Einrichtungen.




Neuer Ableger eröffnet neue Debatten über die Perspektiven




Erst kürzlich entstand das Ablegeformat „Bitcoin Cash“. Die Versprechen der Branche lesen sich eindrucksvoll. Im direkten Vergleich zum Vorläufer Bitcoin sollen Nutzer der Währung in Zukunft sogar noch schneller zahlen und Geld empfangen können. Beim schnellen Geldtransfer stoßen solche Aussichten bei potentiellen Nutzern generell auf offene Ohren. Dass Bitcoin Cash entstehen konnte, erklären Experten damit, dass User beim „normalen“ Bitcoin wegen des steigenden Handelsvolumens im WWW zunehmend mit Problemen in puncto Ausführungsgeschwindigkeit zu kämpfen hatte.




Bitcoin Cash ermöglicht deutlich schnelleren Zahlungsverkehr




Das Echo in der Community war groß; hier wie dort kommt die klassische Blockchain-Technologie zum Einsatz. Der große Unterschied besteht darin, dass die zugrundeliegenden Blöcke beim Cash-Modell mit acht Megabyte achtmal so groß ausfallen wie beim klassischen Zahlungsangebot. Entsprechend können je Block wesentlich mehr Transaktionen parallel ausgeführt werden. In deutlich unter 24 Stunden (ein durchaus üblicher Zahlungsintervall bei Bitcoin-Zahlungen) sollen Vorgänge zukünftig abgewickelt werden können.




Risiken der Währung sollten nicht unterschätzt werden




Es ist nicht die erste Währungsabspaltung vom Ursprungsmodell. Dem Bitcoin selbst haben die aktuellen Meldungen eher nicht geschadet, wie ein Blick auf die Kurse seit Ende Juli 2017 erkennen lässt. Natürlich steigt das Interesse an Kryptowährungen seit Jahren stetig, doch der Höhenflug des Bitcoin sucht weiterhin seinesgleichen. Die besagte Währung Ethereum kann sich als eine der wenigen virtuellen Währungen mit dem Bitcoin messen. Die oft in der Kritik stehende fehlende Regulierung in diesem Bereich, verhindert indes klare Trends und sorgt regelmäßig für mehr oder minder deutliche Kursschwankungen. Anfällig sind die gängigen Kryptowährungen zudem für Angriffe von Hackern, was vielen Anlegern bis heute gar nicht hinreichend bekannt ist. An den teils enormen Gewinnmargen, die sich risikofreudige Anleger sichern können, ändern solche Risikowarnungen natürlich wenig.






Neues Rekordhoch von mehr als 3.200 USD sorgte bei Fans für Hochstimmung




Nachdem die Währung zuletzt Mitte Juni 2017 die Marke von 3.000 US-Dollar aufsteigend hinter sich lassen konnte, hat es der derzeitige Boom wahrlich in sich. Zwischenzeitlich kletterte der Preis auf deutlich mehr als 3.200 USD pro Bitcoin. Das ist ein absolutes Allzeithoch! Dass der Kurs später eine Korrektur um fast 100 USD erlebte, ändert nichts an den Turbulenzen bzw. bestärkt viele Analysten eher in der These, dass bei der Kryptowährung im Prinzip immer alles passieren kann. Neueste Daten weisen darauf hin, dass die momentane Bitcoin-Marktkapitalisierung bei über 52 Milliarden US-Dollar liegt. Ein mehr als beeindruckender Wert für eine Währung, der mancher Skeptiker schon seit längerem einem Einbruch vorhersagt.




Jetzt erst recht – Kursboom nach vielfältiger Kritik




Spannend ist diese aktuelle Entwicklung vor allem, weil dem Star unter den Kryptowährungen zeitweise Potenzial abgesprochen wurde. Von wegen, scheint die Währung trotzig zu sagen. Die erwähnte Marktkapitalisierung selbst ist übrigens ebenfalls ein Rekordwert, denn niemals zuvor erreichte sie einen Wert von mehr als 50 Mrd. USD, wie ein Blick auf den Bitcoin-Preis-Index (BPI) verdeutlicht. Doch gerade die Splittung in Bitcoin und Bitcoin Cash könnte nun abermals für Schwierigkeiten und Verwunderung bei den Anlegern sorgen. Bei unerfahrenen Interessenten könnten Unsicherheiten auftreten, die wiederum eine mehr oder minder große Verkaufswelle nach sich ziehen und den Kurs einbrechen lassen könnte.




Einmal mehr zeigt sich damit, dass Kryptowährungen nicht allein aus Regulierungsmangel ein heißes Eisen sind. Dass keine Börse, sondern ein Computerprogramm für die Wertsicherheit garantiert, macht einige Anleger in spe sicher weiterhin misstrauisch.




Internationale Finanzaufsichten haben ein Auge auf die Währung




Und dies ist nicht das einzige Dilemma rund um den Bitcoin. Zuletzt etwa waren aus dem Umfeld der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wieder kritische Worte zu vernehmen. Genauer: Dort sprach man gegen eine spanische Bitcoin-Plattform eine sogenannte „Verfügung zur Einstellung des Geschäfts“ aus, was zumindest bei deutschen Bitcoin-Fans für Aufmerksamkeit gesorgt haben dürfte. Ausgangspunkt war in diesem Fall aber nicht eine Kritik an der Währung im eigentlichen Sinne, sondern die Tatsache, dass das verantwortliche Unternehmen Cryp Trade Capital Ltd. nicht die Anforderungen erfüllt, die die BaFin für Finanzkommissionsgeschäfte als Teil des Bankgeschäfts am deutschen Markt ansetzt.




Das Verbot bezieht sich dementsprechend natürlich nur auf das Deutschlandgeschäft des Betreibers aus Spanien. Insgesamt aber steht die Währung durchaus weltweit von staatlicher Seite unter Beobachtung.




Niemand kann verlässlich in Zukunft des Bitcoin sehen




Relevanter sind in diesem Zusammenhang also schon eher die Einschätzungen verschiedener Branchenkenner, die zum Teil vor einer drohenden Bitcoin-Blase warnen. Selbst der Begriff des Schnellballsystems taucht in Berichten über die Währung Bitcoin zunehmend aus. Wohin die Reise beim Cybergeld gehen wird, darüber sind sich die Gelehrten also wieder einmal alles andere als einig. Modeerscheinung oder ernstzunehmende Währung mit langfristiger Perspektive? Es bleibt ein spannendes Experiment mit Risiken und Chancen …




Ihr Sebastian Hell


Geschäftsführer QTrade


www.qtrade.de





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