Kolumnist: Timo Emden

Bitcoin steuert erneut auf 7.000 US- Dollar zu




15.11.17 12:58
Timo Emden

Die Talfahrt von Bitcoin scheint vorerst gestoppt. Zu Mitte der Woche steuert die Cyberwährung erneut auf 7.000 US- Dollar zu und kann bereits im heutigen Handel über 5 Prozent an Wert zulegen. Somit befindet sich der am Wochenende kränkelnde Taler auf dem Weg der Besserung. In der vergangenen Handelswoche brach der Kurs bis um 30 Prozent ein. Eine Woche ist es nun her, dass die eigentlich erwartete technische „Vitaminspritze“ namens „SegWit2x“ abgesagt wurde.




Diese hätte Bitcoin dringend nötig gehabt um sich technisch zu verbessern und sich resistent vor Skalierungsfragen zu zeigen. Aktuell kann es bis zu über 24 Stunden dauern, bis eine Transaktion tatsächlich verarbeitet worden ist. Die Transaktionskosten steigen zudem in exorbitante Höhen an und sorgen für großen Unmut bei Nutzern. Dies ist u.a. den sogenannten „Minern“ geschuldet, welche ihre Rechenleistung vermehrt dem Konkurrenten Bitcoin Cash zur Verfügung stellen und somit mittlerweile bis zu 137.000 Transaktionen auf ihre Bestätigung warten. Ein Grund liegt darin, dass sich schlichtweg mehr Kapital aus der Schürfung Bitcoin Cashs statt des Bitcoin- Talers generieren lässt – eine Folge des Preisanstiegs. Ein weiterer Grund der Preis- Turbulenzen könnte in der Enttäuschung über die Absage des geplatzten Upgrades liegen.




Ein Teil der Miner und Anleger zeigt sich enttäuscht über die Entwicklung Bitcoins und nehmen das geplatzte Upgrade zum Anlass, sich auf die Suche nach dem „echten Bitcoin“ zu begeben, welcher die Skalierungsproblematik aktuell eher bewältigen zu vermag. Die Unterstützer Bitcoin Cashs sehen in ihrem Taler das „Bitcoin- Original.“ Verwiesen wird dabei auf das am 1. August aktivierte Update „SegWit“, welches die Cash- Entwickler bewusst abgelehnt haben. Die Bitcoin- Core Entwickler sehen wiederum in ihrem Coin den „echten Taler“, stoßen aber aktuell aufgrund der Skalierungsproblematik an ihre Grenzen. Ein Machtkampf hinter den Kulissen zwischen beiden Bitcoin- Lagern lässt Außenstehende verzweifeln.




Am Ende des Tages mögen viele Gründe für den jüngsten Crash sprechen. Die heißeste Spur ist m.E. das schrumpfende Vertrauen in Bitcoin durch das geplatzte Upgrade, was Anleger zur Kapitalumschichtung verleitete. Nicht nur Bitcoin Cash kann seitdem profitieren. Eine Fülle an „Altcoins“ kann ebenfalls an Wert hinzugewinnen und suggeriert einmal mehr die Diversifikation der Anleger. Auch in den nächsten Wochen könnte es zu weiteren Berg- und Talfahrten bei beiden konkurrierenden Cyberwährungen kommen. Die Aussicht auf einen Bitcoin- Terminkontrakt durch die CME Group sollte dennoch der Leitdevise Bitcoin in die Karten spielen.


 


Der Kerngedanke Bitcoins der Dezentralität entwickelt sich somit immer mehr zum Fluch als zum Segen. Das Ergebnis der jahrelangen Skalierungsdebatten brachte Bitcoin Cash hervor, welche u.U. eines Tages als der „echte“ Taler angesehen werden könnte. Vor allem die Absage des geplanten Updates wirft berechtigte Fragen über die Zukunft Bitcoins auf. Anleger könnten sich vermehrt nach Alternativen (Altcoins) umsehen oder eben auf den sogenannten Hedge setzen und Bitcoin- und Cash Taler in gleicher Anzahl halten, bis ersichtlich ist, welcher Coin sich tatsächlich durchsetzt. Durch die erfolgte Hard- Fork am 1. August wurde die Anzahl an Cash- Äquivalenten Bitcoin- Haltern zugesichert.







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