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Kolumnist: Klaus Stopp

Baader Bond Markets: "Schleppt sich Athen über die Ziellinie?




18.06.17 14:28
Klaus Stopp


Klaus Stopp blickt umfassend auf die Woche im Rentenhandel. MÜNCHEN(Baader Bank). Nachdem zum Ende der Vorwoche bereits der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos in Deutschland um mehr Verständnis für die besondere Situation seines Heimatlandes geworben hat, treffen sich heute die Euro-Finanzminister in Luxemburg und beraten zum wiederholten Mal über die weitere Vorgehensweise. Athen braucht die Auszahlung der nächsten Kreditrate, um zumindest etwas Bewegungsspielraum zu haben. Die griechische Regierung liebäugelt bereits seit vielen Wochen und Monaten mit einer Rückkehr an die Kapitalmärkte, aber die dafür notwendigen Voraussetzungen sind immer noch nicht erfüllt. So hat erst in dieser Woche die Europäische Zentralbank (EZB) bekanntgegeben, dass auch in den kommenden Monaten nicht mit einer Aufnahme griechischer Staatsanleihen in das Ankaufprogramm zu rechnen sein wird. Zumindest hierbei hat also der gebetsmühlenartig vorgebrachte Hinweis des griechischen Staatsoberhauptes, dass es hierbei um etwas Größeres geht, nämlich Europa, noch nichts Positives bewirken können. 

Wolfgang Schäuble hat in den vielen Dienstjahren als Finanzminister bewiesen, dass er gegen solche "Erpressungsversuche" immun ist, aber ob er sich noch lange gegen ein erneutes Entgegenkommen gegenüber Athen sperren kann, darf bezweifelt werden. Denn ein Zerfallen Europas in seine Einzelteile ist zum jetzigen Zeitpunkt keine sinnvolle Option und das weiß auch er. Um der Forderung der Schuldenerleichterung nochmals Nachdruck zu verleihen, hat das griechische Parlament am vergangenen Freitag in einem Eilverfahren ein weiteres Spar- und Reformpaket verabschiedet. Hierbei wurde die bereits beschlossene Absenkung des Einkommenssteuer-Grundfreibetrages von 8.636 Euro auf 5.700 Euro um ein Jahr auf Anfang 2019 vorgezogen und der Zeitraum der gedeckelten Renten um ein Jahr auf 2022 nach hinten verlängert. 

Ob sich die Mitglieder der Eurogruppe mit den jetzigen Maßnahmen zufrieden geben werden, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Denn es ist zu befürchten, dass auch heute das Papier des vorangegangenen Treffens der Eurogruppe vom 22. Mai des Jahres mit geringen Anpassungen wieder auf dem Tisch liegen wird. Und das wurde damals als unzureichend abgelehnt. Allerdings mehren sich die Hinweise, dass man sich auf den Vorschlag der IWF-Chefin Lagarde einigen könnte, um dadurch mal wieder das für Politiker so wichtige Gut - Zeit - zu gewinnen. Sollte dies nicht gelingen, so wäre bereits der erste Tagesordnungspunkt für das am 22. Juni stattfindende Treffen der Staats- und Regierungschefs gefunden. Die Frage wird also sein, schleppt sich Griechenland heute mit letzter Kraft über die Ziellinie oder wird es demnächst von den anderen Staaten darüber getragen. 

Theresa May, was nun?


So hatte sich Theresa May das nicht vorgestellt. Wollte sie doch nach den Parlamentswahlen gestärkt in die Brexit-Verhandlungen mit den anderen 27 EU-Staaten eintreten und eine harte Linie verfolgen. Doch mit dem Verlust der absoluten Mehrheit ist sie nun zuerst auf der Suche nach einer Mehrheit für ihre Politik im eigenen Land. Die Premierministerin ist durch diese Niederlage auch in ihrer Partei nicht mehr unumstritten und die Diskussion über ihre Nachfolge hat bereits begonnen. 

Darüber hinaus kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass es erneut zu Neuwahlen kommen wird oder ob sogar Labour eine Koalition schmieden kann, um den neuen Premierminister zu stellen. Theresa May scheint das alles allerdings nicht sonderlich zu interessieren, denn sie betreibt "Business as usual". Zumindest konnte man bisher nicht den Eindruck gewinnen, dass ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat. Trotz der ungeklärten Machtverhältnisse soll der britische Unterhändler David Davis am kommenden Montag die Brexit-Gespräche aufnehmen. Am gleichen Tag wird auch die traditionelle Parlamentseröffnung (State Opening) stattfinden.


"Noch macht sie Business as usual." 

Die Erwartungen ob es durch diese innenpolitischen Machtverhältnisse nun zu einem weicheren oder einem harten Brexit kommen wird, darüber streiten die sogenannten Fachleute. Beim Gesellschaftsspiel Monopoly würde in einem solchen Fall auf der Ereigniskarte stehen: "Gehe zurück auf Los". Somit ist alles möglich. Von Neuwahlen über ein zweites Referendum bis hin zum ungeordneten Brexit. Noch ist es zu früh, um eine seriöse Prognose zu erstellen. Doch sollte man auch bedenken, dass Theresa May nichts mehr zu verlieren hat und mit solchen Verhandlungspartnern ist nicht immer gut Kirschen essen! Für Spannung ist also gesorgt.


"May als angeschossener Tiger? " 

Strafzinsen für alle?


Schenkt man dem ehemaligen Bundesbank-Präsidenten Axel Weber Glauben, dann sollten sich die Sparer in Deutschland von den Zeiten hoher Zinsen verabschieden und sich daran gewöhnen, dass die Zinsen niedrig bleiben werden. Auch nach der Fed-Entscheidung zur Anhebung des Leitzinses auf eine Spanne von 1,00 Prozent bis 1,25 Prozent, wird nicht unweigerlich die Europäische Zentralbank ihre ultralockere Geldpolitik überdenken. Denn zu unterschiedlich sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den beiden Zuständigkeitsgebieten. 

Wie Mario Draghi die Lage einschätzt, hat er am vergangenen Donnerstag bei der EZB-Pressekonferenz mehrmals deutlich zum Ausdruck gebracht. Nach seinen Aussagen ist die EZB gewillt, das aktuelle Zinsniveau noch für lange Zeit beizubehalten und das zwingt natürlich alle Kreditinstitute, die Negativzinsen zukünftig auch an Privatkunden weitergeben zu müssen. Hatte man früher das Gefühl, dass Banken und Sparkassen um Kunden buhlten, so könnte man inzwischen den Eindruck gewinnen, dass man sie abschrecken möchte. Zumeist gilt das nur für größere Geldbeträge. Aber die Volksbank Reutlingen hat mit ihrem neuen Preisverzeichnis zumindest die Voraussetzungen geschaffen, um Kunden sogar bei auf Guthaben Basis geführten Girokonten bzw. bei Festgeldern von Privatpersonen ab 10.000 Euro einen Strafzins von 0,5 Prozent in Rechnung stellen zu können. Noch betonen die Verantwortlichen, dass es sich hierbei lediglich um einen Vorratsbeschluss handelt und man davon bisher nicht Gebrauch mache. Aber schon bald werden andere Banken diesem Beispiel folgen müssen, um finanziellen Schaden abzuwenden. 

Auch wenn der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, noch vor einigen Monaten Negativzinsen für Privatpersonen gänzlich von sich gewiesen hat, so hören sich seine heutigen Kommentare anders an. Heute spricht er nur noch davon, dass Sparkassen einen solchen Schritt nicht wollen und man sich mit der ganzen Kraft dagegen stemmt - auch zu Lasten der eigenen Ertragslage. So ändern sich die Zeiten!

Die Bären haben ihre Chancen nicht genutzt


Die von Mario Draghi nur sehr verhalten angedeutete Zinswende hat dazu geführt, dass die Bären kapitulierten und den Bullen fast kampflos das Feld überließen. War vor Monaten noch alles auf steigende Zinsen infolge der Fed-Geldpolitik ausgerichtet, so hat sich das Sentiment des Euro-Bund-Future gänzlich gedreht. Die Ankündigung, die Zinsen noch für lange Zeit auf diesem Niveau zu belassen und auch nur in ganz kleinen Schritten die Trendwende einzuleiten, hat die Investoren zum Umdenken veranlasst. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass sich mit Frankreich ein starker Bündnispartner proeuropäisch ausrichtet, hat wiederum viele Investoren veranlasst insbesondere französische, aber auch deutsche Staatsanleihen zu kaufen. Was nicht fallen will, muss steigen! Diese alte Börsenweisheit gilt also immer noch. 

Zugleich kann man die Tendenz am Rentenmarkt auch auf Basis der Rendite-Entwicklung für 10-jährige Bunds begründen. Nachdem es lange Zeit danach aussah, dass die 0,50 Prozentin Angriff genommen werde, hat sich die Rendite inzwischen wieder auf einem Niveau von ca. 0,25 Prozent eingependelt. Sollte es in naher Zukunft nicht wieder zu einem Renditeanstieg in Richtung 0,38 Prozent kommen, so ist mit einem erneuten Test des Bereichs um 0,15 Prozent zu rechnen. Aktuell rentiert die deutsche Benchmark-Anleihe in etwa der Mitte der angegebenen Tradingrange. 

Für das Rentenbarometer, das aktuell bei 165,38 Prozentnotiert, bedeutet dies eine Unterstützungslinie bei 164,10 Prozent und einem Widerstand bei 166,40 Prozent.

Über den Autor


Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.




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