Kolumnist: Klaus Stopp

Baader Bond Market: "Die britische Tragödie nimmt ihren Lauf"




03.03.19 08:50
Klaus Stopp


Klaus Stopp blickt umfassend auf die Woche am Rentenmarkt. 28. Februar 2019. MÜNCHEN (Baader Bank). Manchmal entpuppen sich die Finanzmärkte als Seismograph für das, was als vernünftig erscheint. So ist es in dieser Woche auch in Großbritannien geschehen. Dort hat Theresa May endlich die Tür für eine mögliche Verschiebung sowie eine Verhinderung einer No-Deal-Lösung in Sachen Brexit geöffnet und damit dem Pfund Sterling neues Leben eingehaucht. Die Premierministerin will jetzt am 12. März über ihren Deal mit der EU abstimmen lassen, wenn nötig am 13. über einen No-Deal-Brexit und schließlich am 14. März über eine Verlängerung der Deadline über den 29. März hinaus. Labour-Chef Jeremy Corbyn brachte zusätzlich die Möglichkeit eines zweiten Referendums ins Spiel. Vorher will Labour aber versuchen, die Regierung von den eigenen Brexit-Plänen zu überzeugen. Die Opposition setzt sich bekanntlich dafür ein, dass Großbritannien in einer Zollunion mit der EU verbleibt, was May kategorisch ablehnt. 

Rentenmärkte bleiben vorsichtig


Damit eröffnen sich zumindest Chancen auf vernünftigere Lösungen als der allseits befürchtete ungeordnete Brexit. Und das wiederum erhöhte den Außenwert der britischen Währung. Dennoch bleibt ein gehöriges Maß an Unsicherheit im Markt und das lässt sich an den Renditen für britische Anleihen ablesen, die im Zehnjahresbereich seit vergangenem Freitag von 1,16 Prozent auf ein Niveau von ca. 1,27 Prozent anzogen. Damit liegt der Risikospread britischer Government Bonds gegenüber deutschen "Bunds" bei ca. 113 BP. Die Rentenmärkte bleiben also vorsichtig. 

May will Aufschub kurz und begrenzt halten


May will einen eventuellen Aufschub des Austrittsdatums nur "kurz und begrenzt" halten - spätestens bis Ende Juni, wenn sich bis Mitte März im Unterhaus keine Mehrheit für eine andere Lösung findet. Eine weitere Verschiebung lehnt die Premierministerin ab. Damit will sie vermeiden, dass die Briten an der Europawahl Ende Mai teilnehmen müssen. Sie sollte sich aber auch der Tatsache bewusst sein, dass bereits vorher von Regierung und Parlament ein Positionspapier erarbeitet sein muss, das eine realistische Chance auf Zustimmung seitens der EU-Partner hat. Alles andere wäre Zeitverschwendung!

Bank of England sorgt vor


Ungeachtet des May‘schen U-Turns leitete die Bank of England (BoE) Vorsichtsmaßnahmen zum EU-Austritt ein. So beabsichtigt die BoE den Geschäftsbanken des Königreichs im Rahmen langfristiger Kreditgeschäfte zusätzliche Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Kreditgeschäfte sollen von Mitte März bis Ende April wöchentlich und nicht wie sonst üblich monatlich angeboten werden. 

Innerparteilicher Druck


Der Kurswechsel von Theresa May war aber nicht die Folge eines Geistesblitzes, sondern scheint lediglich den sich verschiebenden Machtverhältnissen geschuldet zu sein. Schließlich hatten mehrere Regierungsmitglieder damit gedroht, für einen Antrag zu stimmen, der May zum Verschieben des Austritts zwingen könnte. Und darüber hinaus signalisierten bis zu 15 Parlamentarische Staatssekretäre ihre Bereitschaft, zum Vermeiden eines ungeregelten Brexits, ihre Ämter niederzulegen. 

Deutsche Industrie warnt vor No-Deal-Brexit


Dies ist auch das Anliegen der deutschen Industrie, die mit milliardenschweren Belastungen rechnet. Ein scheibchenweises Verschieben wäre auch keine Alternative, da nur schwer vorstellbar ist, dass man in drei Monaten das schafft, was in über zwei Jahren nicht erreicht wurde, einen Deal. Im Falle eines No-Deal-Brexits rechnet der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sogar mit einem Rückschlag für die deutsche Wirtschaft in der Größenordnung von mindestens einem halben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dies entspricht bereits in diesem Jahr einer Minderung der Wirtschaftskraft um ca. 17 Milliarden Euro und wird Großbritannien, so die Erwartung des BDI, dann in eine Rezession stürzen. 

Wird die Verschuldung der Unternehmen zum Problem?


Die Europäische Zentralbank (EZB) hat über viele Jahre hinweg bei Unternehmensanleihen marktstützend eingegriffen und dadurch die Refinanzierungskosten der betroffenen Gesellschaften gesenkt. Jedoch hat die EZB nach dem QE-Ende nur noch ein Ziel, das APP-Portfolio bis auf weiteres konstant zu halten. Somit sind Neuinvestitionen auf Beträge aus Endfälligkeiten und Zinsen begrenzt. Das Volumen der angekauften Unternehmensanleihen beläuft sich nach den zum Wochenbeginn veröffentlichten Zahlen aktuell auf 178,133 Milliarden Euro. Diese Zahl für sich alleine ist schon Beweis genug für die Materialknappheit in diesem nicht nur für institutionelle Anleger so wichtigen Segment. Denn das von der EZB gehaltene Volumen ist nur ein Bruchteil des insgesamt von den Unternehmen refinanzierten Betrages. 

Ausstehendes Volumen von Corporate Bonds steigt stark an


So werden nach einer jüngst veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) momentan jährlich durchschnittlich Anleihen im Volumen von 1,7 Bill. USD aufgelegt, nach ca. 860 Milliarden USD in der Zeit vor 2008. Alleine das ausstehende Volumen von Corporate Bonds aus den entwickelten Volkswirtschaften soll demnach von 2008 auf 2018 um 70 Prozent von 5,97 Billionen US-Dollar auf 10,18 Billionen US-Dollar gestiegen sein. In den Schwellenländern - insbesondere wegen China - beträgt die Steigerungsrate sogar 395 Prozent und das Volumen wird auf 2,78 Billionen US-Dollar beziffert. Doch in dieser Studie wird auch noch auf andere Aspekte verwiesen. So soll der Anteil von Anleihen mit der niedrigsten Qualität des Investment-Grade-Spektrums sogar den historischen Höchststand von 54 Prozent erreicht haben. Diese Zahl lässt aufhorchen, zumal bei einem Verlust des Investment Grades Assetmanager gezwungen wären, sich von diesen Papieren zu trennen und so eine Verkaufswelle initiieren. 

Manches Unternehmen könnte Probleme bekommen


Doch auch die Tatsache, dass in den kommenden drei Jahren Anleihen im Volumen von ca. 4 Billionen US-Dollar zur Refinanzierung anstehen, lässt in dem aktuellen wirtschaftlichen Umfeld bei manchen Investoren die Alarmglocken schrillen. So können nach Einschätzung der OECD manche Unternehmen im Falle einer Rezession durchaus Schwierigkeiten bekommen, ihre Schulden zurückzuzahlen, denn die Gelder sind zumeist langfristig gebunden. Es ist also durchaus möglich, dass der in den vergangenen Jahren so beliebte Corporate-Bond-Markt zum Sorgenkind werden könnte. Das betrifft sicherlich nicht alle Emittenten, aber "Wackelkandidaten", die nur vom Hype in dieser Assetklasse profitiert haben, könnten zum Problem werden. 

Fitch gestattet Italien eine Verschnaufpause


Die Ratingagentur Fitch hat Italien noch einmal verschont. Nachdem an den Finanzmärkten ein Downgrade der Bonitätsnote des Landes befürchtet worden war, hat Fitch dessen Kreditwürdigkeit bei "BBB" belassen, aber die Zukunftsaussichten auf "negativ" herabgestuft. Damit blickt Italien weiterhin in den Abgrund. Wird es doch bei Fitch und Standard & Poor’s noch zwei Stufen über dem sogenannten Ramschniveau bewertet, so ist es bei Moody’s nur noch einen Notch vom Non-Investment-Grade entfernt. 

Gefahr ist nicht gebannt


Die Regierung in Rom sieht die Bewertung der aktuellen Kreditwürdigkeit als Bestätigung ihrer Politik an. Jedoch führt Fitch den negativen Ausblick auf eine Reihe von Schwachpunkten - politischer und wirtschaftlichere Art - zurück. Dazu zählen das extrem hohe Niveau der Staatsverschuldung sowie fehlende Reformen im Haushalt, politische Risiken, ein sehr schwaches Wirtschaftswachstum und ein unsicherer Bankensektor. Die Beibehaltung des aktuellen Ratings bedeutet daher für Rom nur eine Verschnaufpause, aber keineswegs Entwarnung. Vielleicht ist die Bewertung aber auch dem Umstand geschuldet, dass man nach der Abwertung von 2011 verklagt und erst 2017 freigesprochen wurde. 

Rentenmarkt bleibt vorsichtig


Weil am Rentenmarkt ein Downgrade durch die Ratingagentur Fitch befürchtet wurde, waren italienische Staatsanleihen zuvor unter Druck geraten. Doch auch nach der Bewertung durch Fitch bleibt der Rentenmarkt vorsichtig, da nach Einschätzung der EU-Kommission die italienische Wirtschaft massive Ungleichgewichte aufweist. Am Mittwoch rentierten zehnjährige italienische Staatsanleihen mit ca. 2,77 Prozent, um 0,07 PP höher als am vergangenen Freitag. Der Risikospread gegenüber deutschen "Bunds" beläuft sich aktuell auf ca. 262 BP. Bei einem Gesamtschuldenstand von 132 Prozent plant das Land ein Budgetdefizit von 2,04 Prozent des BIPs im laufenden Jahr. Aufgrund des schwachen Wirtschaftswachstums im Land ist zu befürchten, dass das Haushaltsdefizit höher ausfallen wird. Diese Angst ist nicht unbegründet, da die EU-Kommission die Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 1,2 Prozent auf 0,2 Prozent senkte. 

Türken bunkern Fremdwährungen


Die Türken hören nicht auf Recep Tayyip Erdogan, zumindest wenn’s ums Geld geht. Bekanntlich hat der Präsident mit autoritären Tendenzen 2018 seinen Landsleuten ans Herz gelegt, doch bitte keine türkische Lira gegen ausländische Währung zu tauschen. Doch die neuesten Zahlen der türkischen Zentralbank zeigen eine andere Entwicklung auf. Mit 46,6 Prozent erreicht der Anteil der Fremdwährungen an den türkischen Ersparnissen einen neuen Höhepunkt und verdeutlicht das mangelnde Vertrauen der Türken in die eigene Währung. 

Anhaltender Wertverfall der Lira


Diese Flucht aus der Lira ist die logische Konsequenz einer ungebrochenen Schwäche der türkischen Währung. Ein Euro ist aktuell für ca. 6,06 türkische Lira zu erhalten, vor Jahresfrist mussten hierfür lediglich ca. 4,75 türkische Lira aufgebracht werden. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. So wurden, trotz einer Inflation von zeitweise 25 Prozent, die Leitzinsen auf Druck von Erdogan zu lange nicht angehoben. Aber auch der heftige Streit zwischen Ankara und Washington war für die wirtschaftliche Situation der Türkei nicht förderlich und verstärkte den Wertverfall der türkischen Lira sogar noch. 

Fed hält die Füße still


Angesichts der niedrigen Inflation und der im Prinzip gut laufenden Wirtschaft in den USA gilt bei der amerikanischen Notenbank Fed derzeit das Motto "Abwarten und Tee trinken". Er sehe aber auch etwas Gegenwind für die US-Wirtschaft, hatte Fed-Chef Jerome Powell am Dienstag gesagt. Angesichts schwächerer Konjunkturdaten und gestiegener Unsicherheiten versprach er eine "geduldige Zinspolitik". Daher dürften die US-Leitzinsen, die seit Dezember 2018 auf einer Höhe von 2,25 Prozent bis 2,5 Prozent liegen, auf absehbare Zeit auch dort verharren. Noch im Dezember hatte Powell zwei Anhebungen für 2019 angedeutet, bevor er im Januar auf einen zurückhaltenden Kurs einschwenkte - was den Finanzmärkten nicht geschadet hat. Seitdem erscheint es nicht mehr ausgeschlossen, dass die Fed 2019 die Füße stillhält bzw. die Zinsen sogar schon 2020 senken könnte. 

Notenbank reduziert Bilanzsumme


Ein wichtiges Thema an den Kapitalmärkten ist der Umstand, dass die Fed ursprünglich eine deutliche Reduzierung ihrer Bilanzsumme plante. Seit Mitte 2018 ist die Bilanzsumme der Zentralbank um etwa 310 Milliarden USD geschrumpft und liegt heute knapp über 4 Billionen US-Dollar. Das Niveau vor der Finanzkrise von weniger als 1 Billionen US-Dollar wird man sicherlich nicht mehr erreichen können. Jedoch auch eine Halbierung der Bilanzsumme gilt inzwischen als utopisch, da sich bereits jetzt die Stimmen mehren, den Abbau im Laufe dieses Jahres zu beenden. Damit würde die Bilanz der Fed ungefähr 16 bis 17 Prozent des US-BIPs entsprechen. Einen Wert, den der Fed-Präsident für vertretbar hält. 

Zweite Runde für Weidmann


Diese Vertragsverlängerung des Bundeskabinetts war keine Überraschung. Jens Weidmann bekommt eine zweite Amtszeit und wird die Bundesbank weitere acht Jahre als deren Präsident führen. Sollte der 50-Jährige doch wider Erwarten 2020 als Nachfolger von Mario Draghi an die EZB-Spitze rücken, müsste er allerdings seinen Job bei der Bundesbank aufgeben. Für die deutsche Finanzwelt wäre dies aber sicherlich zu verkraften, gilt Weidmann doch als Wunschkandidat für die Draghi-Nachfolge unter den Kritikern der Null- und Minus-Zins-Politik der EZB. 

Nie hat Weidmann mit seiner Skepsis gegenüber den großangelegten Staatsanleihekäufen hinterm Berg gehalten, welche die EZB als zentrales Kriseninstrument eingesetzt hat. Damit erntete er in Ländern wie Deutschland, den Niederlanden oder auch in Skandinavien viel Applaus. Dagegen machte sich Weidmann mit dieser Haltung in den südlichen Euro-Ländern Griechenland oder Italien wenig Freunde. Die Kritiker der expansiven Geldpolitik können nun zumindest sicher sein, dass ihre Interessen im obersten EZB-Gremium durch Weidmann weiterhin kompetent vertreten sein werden. Und natürlich bleibt noch ein Fünkchen Hoffnung, dass der oberste Bundesbanker doch noch Draghi beerben könnte. 

Närrisches Treiben, Coca-Cola begibt gleich 4 neue Bonds


Die Jecken sind in diesem Jahr wieder munter und so schaut manch einer auch gern mal auf das bunte Treiben in den Karnevalshochburgen am Rhein. Im Süden der Republik wird erst in der kommenden Woche, am Faschingsdienstag, wieder einiges los sein. Am Primärmarkt für Bonds ging es bereits in dieser Woche hoch her. So emittierten Coca-Cola direkt vier Bonds, Colgate-Palmolive überzeugt mit einem Doppelpack und das schwedische Immobilienunternehmen Heimstaden Bostad brachte eine neue Anleihe. 

Der US-Getränkehersteller Coca-Cola sammelte mittels der neuen Anleihen insgesamt 3,5 Milliarden Euro ein. Darunter ein 2-jähriger, 750 Millionen Euro schwerer Floater (WKN A2RYN5), der am 08.03.2021 fällig wird. Der Zinssatz richtet sich nach dem vierteljährlichen Euribor +0,20 PP. Begeben wurde das Papier zu 100,222 Prozent. Die weiteren drei Tranchen (WKNs A2RYN6, A2RYN7, A2RYN8) haben Laufzeiten von drei, sieben und 12 Jahren. Die erste Tranche mit 1 Milliarden Euro ist am 22.09.2022 fällig und hat einen Zinssatz von jährlich 0,125 Prozent. Begeben wurde das Papier zu 99,873 Prozent, was einem Spread von +18 BP über Mid Swap gleichkam. Der zweite ebenfalls 1 Milliarden Euro schwere Bond mit Fälligkeit am 22.09.2026 zahlt den Investoren jährlich 0,75 Prozent Zinsen und wurde zu 99,68 Prozent (+40 BP über Mid Swap) begeben. Die letzte Anleihe im Bunde ist mit einem Kupon in Höhe von jährlich 1,25 Prozent ausgestattet und am 08.03.2031 fällig. Der Reoffer lag bei diesem Bond bei 99,36 Prozent, was +50 BP über Mid Swap entsprach. Das Emissionsvolumen des 12-jährigen Bonds beträgt 750 Millionen Euro. Bei allen Anleihen wählte Coca-Cola, wie auch Colgate-Palmolive und Heimstaden Bostad, eine Mindeststückelung von 100.000 Euro, die besonders bei institutionellen Investoren beliebt sein dürfte. Des Weiteren nahm der Konzern mit Ausnahme des Floaters jeweils eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen auf. 

Einen Doppelpack mit insgesamt 1 Milliarden Euro emittierte Colgate-Palmolive. Mit Fälligkeiten am 06.03.2026 und 06.03.2034 refinanzierte sich das Unternehmen mit Sitz in New York erfolgreich am Kapitalmarkt. Dabei ist der 7-jährige Bond (A2RYQA) mit einem Zins von jährlich 0,50 Prozent ausgestattet, was bei einem Spread von +25 BP über Mid Swap einen Emissionspreis von 99,419 Prozent ergab. Beide Tranchen sind je 500 Millionen Euro schwer. Das zweite Papier (WKN A2RYP9) zahlt den Investoren jährlich Zinsen in Höhe von 1,375 Prozent. Emittiert wurde zu 99,409 Prozent, was einem Spread von +42 BP über Mid Swap entsprach. Neben einer Make Whole Option sind der 7-jährige Bond zwei Monate vor Endfälligkeit und die 15-jährige Anleihe ab dem 06.12.2033 jederzeit zu 100 Prozent kündbar. 

Zuletzt begab das schwedische Immobilienunternehmen Heimstaden Bostad eine Anleihe mit einem Volumen von 700 Millionen Euro. Der Bond (A2RYNW) zahlt den Investoren bis zur Fälligkeit am 05.09.2023 einen festen jährlichen Zins in Höhe von 2,125 Prozent. Der Emissionspreis lag bei 99,607 Prozent, was einen Spread von +215 BP über Mid Swap bedeutete. Heimstaden Bostad nahm neben einer Make Whole Option ein zusätzliches Kündigungsdatum in die Emissionsbedingungen auf. So ist der Bond einen Monat vor Endfälligkeit (ab dem 05.08.2023) jederzeit zu pari kündbar. 

An Gewinnmitnahmen ist noch niemand gestorben


In der kommenden Woche ist es wieder soweit und die März-Kontrakte werden endfällig. Der bereits jetzt schon handelbare Juni-Kontrakte auf den Euro-Bund-Future notiert allerdings ca. 2,45 PP unter dem März-Niveau. Doch damit hängt es sicherlich nicht zusammen, dass das Rentenbarometer nach einem sehr langen Anstieg nun - zumindest vorübergehend - in den Sinkflug überging. 

Hatte es lange so ausgesehen, als würden die jüngsten Meldungen bezüglich Inflation und Konjunktur die niedrigen Renditen zementieren, so hat anscheinend zum Wochenstart bei verschiedenen Investoren ein Umdenken eingesetzt und den Euro-Bund-Future deutlich unter die psychologische Marke von 166 Prozent fallen lassen. Denn gemäß einer alten Börsenweisheit ist an Gewinnmitnahmen noch niemand gestorben. Die nächste Unterstützungslinie ist nun bei ca. 165 Prozent zu sehen und nach oben verläuft knapp unter der 166 Prozent-Marke eine erste Widerstandslinie. 

Aktuell - nach dem Scheitern des USA/Nordkorea-Gipfels - notiert der März-Kontrakt des Sorgenbarometers wieder bei ca. 165,80 Prozent, was einer Rendite bei der 10-jährigen Benchmark-Anleihe von ca. 0,148 Prozent entspricht. 

USA nimmt auf, was der Markt hergibt


In dieser Handelswoche wurden in den USA insgesamt 321 Milliarden USD refinanziert. Dazu konnten Investoren unter T-Bills mit Laufzeiten von vier, acht und 52 Wochen sowie drei und sechs Monaten wählen. Zusätzlich zu den darüber refinanzierten 208 Milliarden USD wurden auch noch T-Notes mit Endfälligkeiten in 2021, 2024 und 2026 offeriert. 

Mit solchen Emissionsvolumina kann die Eurozone nicht dienen, aber dennoch stellte Italien Material für ca. 7 Milliarden Euro zur Verfügung. Darüber hinaus bot die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland den interessierten Anlegern an, sich an den Auktionen der neuen 2-jährigen Bundesschatzanweisung (WKN 110475) und der 10-jährigen Benchmark-Anleihe (WKN 110246) zu beteiligen. Für die kurze Laufzeit wurden Gebote über 6,382 Milliarden Euro abgegeben und die Zuteilung von 4,004 Milliarden Euro erfolgte bei einer Durchschnittsrendite von -0,54 Prozent. Die restlichen 996 Millionen Euro der ausgeschriebenen 5 Milliarden Euro wurden in den Eigenbestand des Bundes umgebucht. Bei der 2029 endfälligen Anleihe wurden nominal 6,017 Milliarden Euro gezeichnet. Allerdings wurden lediglich 2,425 Milliarden Euro bei einer Durchschnittsrendite von 0,12 Prozent berücksichtigt und die Differenz zu den ausgeschriebenen 3 Milliarden Euro werden zur Marktpflege verwendet. 

Von solchen Konditionen kann allerdings die griechische Schuldenagentur PDMA nur träumen. Dennoch scheint man in Griechenland die Begebung einer 10-jährigen Anleihe vorzubereiten. Sollte diese Refinanzierung zu erträglichen Konditionen möglich sein, so wäre dies für den Premierminister Alexis Tsipras sicherlich als Erfolg zu werten und könnte für Rückenwind bei den noch anstehenden Parlamentswahlen sorgen. 

Wie man auch in Zeiten nahender Neuwahlen die Staatsfinanzen aufbessert, hat in dieser Woche Spanien unter Beweis gestellt. So wurde eine 2035 endfällige spanische Staatsanleihe im Volumen von 5 Milliarden Euro (A2RYQD) erfolgreich platziert. Für die Laufzeit von 16 Jahren erhalten die Investoren jährlich einen Zins in Höhe von 1,85 Prozent. 

Die spinnen die Briten, aber das Pfund profitiert


Rund vier Wochen vor dem angestrebten Austrittsdatum des Vereinigten Königreichs am 29. März ist nach wie vor alles offen. Eine ernsthafte Option ist jetzt nun eine "kurze" Verschiebung des Brexit, was wohl einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten entsprechen dürfte. 

Mit all diesen neuen Informationen zum aktuellen Stand der Austrittsverhandlungen konnte das britische Pfund kräftig zulegen. Denn die Wahrscheinlichkeit eines "No-Deal Brexit" ist durch die geplante stufenweise Abstimmung wesentlich geringer geworden. So fiel der Euro im Vergleich zum Pfund-Sterling zwischenzeitlich bis auf 0,8527 GBP und damit auf den niedrigsten Stand seit Mai 2017. Zur Stunde handelt das Währungspaar bei ca. 0,8570 GBP. 

Im Gegensatz hierzu bewegte sich die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback, trotz vieler unsicheren Marktgegebenheiten, in einem relativ ruhigen Fahrwasser. Oftmals ist die Stärke der eigenen Währung in der Schwäche der anderen begründet! Nachdem der Zinsvorteil zu US-Bonds vorerst nicht weiter anwachsen sollte, fehlt der Treiber für die US-Dollar Aufwertung und Investoren werden versuchen, nur noch Schwächephasen beim US-Dollar für sich zu nutzen. Somit ergab sich eine Tradingrange zwischen 1,1316 und 1,1403 US-Dollar. Zum Monatsende notiert der Euro heute Morgen auf dem Niveau der vergangenen Handelstage bei ca. 1,1385 USD. 

Das aktuelle Markgeschehen sorgt derzeit auch bei den Privatanlegern für eine gewisse zurückhaltende Handelsaktivität. Trotzdem konnten Umsätze in ausgesuchten Bonds lautend auf US-Dollar, russische Rubel, norwegische Kronen und australische Dollar registriert werden. 

von Klaus Stopp.

22. Februar 2019, © Baader Bank

Über den Autor


Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.



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