Kolumnist: Feingold-Research

BMW, Daimler, VW und der Dieselskandal – deutscher Masochismus




09.08.17 13:08
Feingold-Research

Den Deutschen wird landläufig nachgesagt, dass sie gern hart mich sich selbst ins Gericht gehen. Beim Dieselskandal um BMW, VW und Daimler ist zu beobachten, dass dies mitunter sogar in gesellschaftlichen Masochismus münden kann. Denn bei Gut und Böse ist man im Vergleich zu hippen US-Konzernen naiv und dumm. Elon Musk mit Tesla oder Marc Zuckerberg mit Facebook vielfach zu promoten, mit Samthandschuhen anzufassen und gleichzeitig Daimler und VW an die Wand zu nageln – dieses Imageprogramm für US-Konzerne kann sich kaum einer besser ausdenken. 

Dabei ergibt sich der deutsche Masochismus ausdrücklich nicht aus dem Dieselgate und den Manipulationen deutscher Autobauer. Diese sind auch keine Mogeleien, sondern Gesetzesverstöße, Betrug am Kunden und vor allem am Bürger, der miese Luft einatmen muss, obgleich ihm vom Autozirkel von Zetsche, Dobrindt über Kretschmann bis Müller anderes weiß gemacht wurde. Zu recht führen Medien die unheilige Allianz von Politikern, Lobbyisten und Konzernchefs vor Augen, haut mancher in der Politik ordentlich drauf. So weit, so gut – so doppelmoralisch, naiv und  – aus deutscher Sicht – dumm. Denn der wichtige Unterschied ergibt sich im Behandlungsvergleich.


Wer antizyklisch in die Autobauer investieren möchte, schaut sich die Memorys SG9Y5K und SE00FL an.


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 Zweierlei Maß

Konjunktur_AutoDieselmanipulationen schädigen ohne Zweifel Bürger der Bundesrepublik, viele Experten hyperventilieren jedoch und schließen daraus, dass beispielsweise der US-Autobauer Tesla mit seinen Elektrofahrzeugen dann automatisch gut und eine Lösung sein muss. Dort beginnt das Problem. Die so gefeierten Firmenlenker aus den USA von Jeff Bezos von Google, Elon Musk von Tesla, Marc Zuckerberg von Facebook und auch der mitunter religiös verehrte verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs sind keinesfalls Heilige – im Gegenteil.


Auf BMW empfehlen wir Anlegern den Capped-Bonus CY7CNB oder etwas offensiver den Discount-Call PR1PEREin passender Bonus auf VW ist die PR05PT, bei Daimler DGP7CU.


Sie fügen den Bürgern Schäden zu, die moralisch nicht besser und wirtschaftlich mitunter größer sind. Gesellschaftliche Verantwortung funktioniert nicht nur am Stuttgarter Neckartor und lässt sich nicht durch cooles Auftreten und ein fancy Image ausgleichen. Einzig – manche Medien und ihre Leser in ihrem Masochismus feiern die Präsentation eines neuen iPhone mit Live-Tickern dankbar ab, während mal eben unter Arbeitern in Fernost  Tote zu beklagen sind. Macht nix – Steve Jobs war halt ein Visionär.


Elon Musk mutet seinen Arbeitern in den Tesla-Fabriken Bedingungen zu, die Betriebsräte bei Daimler, BMW oder VW schon in den 60er-Jahren auf die Barrikaden gebracht hätten. Ego – Elektro klingt halt so sauber. Watts App aus dem US-Imperium hat ein neues Feature – dann berichten wir mal fröhlich und selbstverständlich journalistisch, wo eigentlich „Werbeanzeige“ drüber stehen müsste. Die Vormachtstellung von Apple oder Facebook wird angeschoben und das mitunter sogar kostenfrei – wie nett von den Deutschen.


U-Bahnen, Straßen, Universitäten, Notarzt – ja, gern, aber doch nicht bezahlt von uns…

Konjunktur_ItalienWirtschaftlich und moralisch ist der volkswirtschaftliche Schaden, den Google, Facebook, Apple, Starbucks und wie die innovativen US-Marktführer alle heißen absurd hoch. Apple – zahlte von 2003 bis 2014 auf all seine Gewinne in Europa ein Prozent Steuern. Apple soll laut Schätzungen 74 Milliarden Euro in Europa durch Tarnfirmen vermieden haben. 74 Milliarden, mit denen man eine Menge Umweltpolitik machen könnte. Starbucks unterhält in Deutschland 150 Filialen – Ertragssteuern seit Auftreten in Deutschland gleich null. Marc Zuckerberg bringt mit Facebook Menschen zusammen, hat die Kommunikation neu erfunden und stiehlt sich wie viele seiner hippen Freunde asozial und egoistisch aus sozialer Verantwortung.


Steuervermeidungsstrategien – weniger schlimm als Abgase?

Notärzte, Straßen, U-Bahnen, Universitäten, Kindergärten und Krankenhäuser dürfen an ihren Standorten in Europa funktionieren, aber doch bitte nicht bezahlt von den US-Jungs. Weiteres Beispiel gefällig? Facebook setzt weltweit rund 15 Milliarden um, macht Gewinne von rund vier Milliarden Dollar. 2013 erzielte man schon 1,5 Milliarden Gewinn. Die deutsche Tochter wies in jenem Jahr 9,3 Millionen Umsatz aus, zahlte 220.000 Euro Steuern. Vielleicht ist Facebook in Deutschland extrem ineffizient, vielleicht tut man aber auch nur alles, um sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung zu entziehen.


Deutsche Autobauer – im Vergleich vielleicht doch nicht die schlimmen

BMW, Daimler und VW dagegen sind deutsche Firmen, auch sie nutzen steuerliche Schlupflöcher, ohne Zweifel. Sie beschäftigen hierzulande, Zulieferer eingerechnet, jedoch Millionen von Arbeitern. Diese zahlen Steuern auf ihr Einkommen. Dazu beschäftigt ein DAX-Unternehmen der Größe von Daimler im Schnitt ein Drittel seiner Leute im Inland. Der Umsatz findet durchschnittlich nur zu 11 Prozent im Inland statt, bei den Ertragssteuern fallen jedoch rund die Hälfte hier an.


Deutscher Masochismus mangels gleichem Maß

Mit einfachen Worten – BMW, VW oder Daimler sind keine Heiligen, sie haben betrogen, sie sollten weitaus härter angefasst werden als es ihre verlängerten Arme Alexander Dobrindt oder Winfried Kretschmann fordern. Deutscher Masochismus ist es dennoch, wenn man die eigene Industrie von Spiegel bis Zeit grillt, die US-Konzerne sich jedoch ins Fäustchen lachen. Nachfragen kann man dahingehend bei der Finanzindustrie, die in den USA für schmutzige Geschäfte Milliarden abladen durfte, während die Amerikaner in Europa fein raus waren. Würde man mit gleichem Maß messen, müsste das Geschäftsgebahren von Apple oder Facebook die Titelseiten der Magazine den gesamten Sommer über füllen.


Übrigens – die Umweltbilanz eines Tesla ist laut einer schwedischen Studie ein Desaster. Einen Tesla S muss man acht Jahre fahren, damit er in der CO2-Bilanz besser dasteht als ein Verbrennungsmotor. Das wird man vom coolen Typen Elon Musk aber niemals hören. Er ist schließlich kein Image-Masochist.



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