Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen: Wechselbäder der Gefühle




01.09.18 07:00
Redaktion boerse-frankfurt.de


Die Probleme einiger Schwellenländer sowie anstehende zusätzliche US-Zölle für aus China importierte Waren und ein überraschend gutes ifo Geschäftsklima sorgen beim Euro-Bund-Future für Bewegungen in beide Richtungen. 31. August 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Sorge über eine mögliche Ausweitung der Probleme einiger Schwellenländer macht sich laut Händler im Bond-Geschäft bemerkbar. "Es braut sich etwas zusammen", beschreibt Arthur Brunner von der ICF Bank die gegenwärtige Stimmung. Anleger seien tendenziell vorsichtiger geworden. Nach Ansicht von Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank müssen Investoren angesichts eines anhaltenden Zollstreits, der Türkeikrise und ähnlich gelagerter Probleme anderer Schwellenländer mit erhöhter Volatilität an den Kapitalmärkten rechnen.

Argentinische Bonds gerieten querbeet unter Druck, nachdem die Regierung den IWF um eine vorzeitige Auszahlung des bereits zugesagten Kredits in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar gebeten hatte, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank feststellt. Investoren verabschiedeten sich beispielsweise von einem mit 7,82 Prozent verzinsten Bond des Landes (WKN A0VTZV) mit einer Fälligkeit in 2033 ebenso wie von einer bis 2025 laufenden Anleihe (WKN A19GPQ) mit einem Kupon von 7,5 Prozent. Beide verloren in den vergangenen Tagen über 16 Prozent an Wert. Stark unter Druck geraten sei zudem ein Buenos Aires Province-Wert (WKN A1GLW5) mit einem Zins von 10,875 Prozent, der auf Wochensicht gut 7 Prozent einbüßte.

Eine am Donnerstag angekündigte Erhöhung der Leitzinsen von 45 auf 60 Prozent habe die argentinische Währung nicht stützen können, die zum US-Dollar seit Jahresbeginn über die Hälfte an Wert verlor. Finanzakteure zweifelten an der Fähigkeit der Regierung, gleichzeitig die Wirtschaft ankurbeln und Einsparungen durchzusetzen zu können. Parallel dazu müsse zudem die Teuerungsrate von derzeit über 30 Prozent gedämmt werden.
Zweifel an der Bonität türkischer Banken  

"Bonds in türkischer Währung wurden ebenfalls abgestoßen", berichtet Petz. Im Zuge einer schlechteren Bonitätsnote vonseiten Moody’s für 20 türkische Finanzkonzerne seien Investoren tendenziell aus Lira-Anleihen ausgestiegen. Die Währung verlor binnen wenigen Tagen zum Euro und US-Dollar etwa 7 Prozent an Wert.


PetzPetz   Die US-Ratingagentur begründet den Schritt mit der Abhängigkeit betroffener Banken von der Kreditaufnahme in Fremdwährungen, die Moody’s zufolge künftig erschwert werden könnte. In den kommenden zwölf Monaten stünden von türkischen Banken begebene Anleihen und Kredite über 77 Milliarden US-Dollar zur Rückzahlung an. Die Reserven der Banken beliefen sich aber auf lediglich 48 Milliarden US-Dollar.

Insgesamt beziffert JP Morgan allein die bis Mitte kommenden Jahres fällig werdenden Auslandsschulden der Türkei auf umgerechnet 153 Milliarden Euro. Ein Finanzierungsrisiko dieser Schulden sieht die US-Großbank in Höhe von etwa 93 Milliarden Euro.

Italien muss tiefer in die Tasche greifen  

Italien refinanzierte sich Arthur Brunner zufolge in dieser Woche erfolgreich über den Kapitalmarkt, habe Anleger dafür aber mit höheren Zinsen belohnen müssen. "Für zehnjährige Staatsanleihen sind 3,25 Prozent fällig", informiert der Händler der ICF Bank. Das liege 0,5 Prozent über dem Wert der letzten Auktion. Über zwei fest und zwei variabel verzinste Bonds habe Italien insgesamt 7,75 Milliarden Euro eingesammelt.


BrunnerBrunner   Mit Spannung erwarteten Marktteilnehmer die am Abend anstehende Beurteilung der Kreditwürdigkeit des Landes durch Fitch. Aktuell stufe die Ratingagentur Italien mit BBB und einem stabilen Ausblick ein. Im September muss die neue Regierung in Rom den Haushaltsentwurf für 2019 vorlegen, erinnert Sintje Boie. Für diesen würden anscheinend weitere Ausgabenerhöhungen ins Auge gefasst. "Anleger sehen diese Tendenz zu noch mehr Schulden in Italien zunehmend kritisch", urteilt die Analystin der HSH Nordbank.

Euro-Bund-Future hin- und hergerissen


Die teils hektischen Ausschläge beim hiesigen Rentenbarometer innerhalb einer Bandbreite von 162 und 163,28 Prozent sieht Brunner entlang eines zunächst positiven ifo Geschäftsklimaindex samt Verkäufen hiesiger Staatsanleihen. Im Laufe der Woche hätten etwa Entwicklungen in der Türkei und Argentinien sowie die Einführung neuer Strafzölle im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar für China die Anlegerstimmung gedrückt, was dem Euro-Bund-Future auf die Sprünge geholfen und die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen auf 0,343 Prozent gedrückt habe.

Otto-Bonds gefragt  

Im Handel mit Unternehmensanleihen registriert Daniel zwischenzeitliche Nachfrage nach einer mit jährlich 4 Prozent verzinsten nachrangigen Otto-Anleihe (WKN A169MH). Das gelte auch für einen mit 1,75 Prozent verzinsten Covestro Bond (WKN A2LQQ4) und ein in US-Dollar geführtes Nestle-Papier (WKN A1HL0X).


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Douglas bleibt hinter Erwartungen zurück


Starke Schwankungen macht Brunner bei einer Douglas-Anleihe (WKN A161MW) mit einem Kupon von 6,25 Prozent aus. "Nach Veröffentlichung enttäuschender Zahlen kam der Wert zunächst stark unter Druck, hat sich danach aber wieder erholt", beschreibt der Händler.

Profis vertrauen auf Siemens


Drei neue Siemens-Anleihen kämen trotz 1.000 Euro Stückelung aufgrund der niedrigen Rendite vor allem bei institutionellen Investoren gut an, wie Brunner meint. Ein bis 2023 laufender Wert (WKN A195BX) des Großkonzerns bringe jährlich 0,375 Prozent, für eine Anleihe (WKN A195BY) mit neunjähriger Laufzeit zahle Siemens 1,0 Prozent. Eine zwölfjährige Anleihe (WKN A195BZ) komme auf 1,375 Prozent.

von: Iris Merker
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