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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen: Sicherheitsbedürfnis wächst




23.05.20 08:21
Redaktion boerse-frankfurt.de

Bundesanleihen und US-Treasuries sind angesichts steigender geopolitischer Spannungen gefragt. Corporate Bonds bleiben auf dem Stabilisierungspfad.


 


22. Mai 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Mit der tendenziellen Entspannung rund um Corona rückt das Kräftemessen zwischen den USA und China wieder stärker in den Fokus. Neben dem Handelskonflikt scheinen Anleger ein vom US-Senat verabschiedetes Gesetz als potenziellen Störfaktor zu bewerten. Künftig können demnach an US-Börsen notierte Gesellschaften vom Listing ausgeschlossen werden, sofern sie von einer ausländischen Regierung gesteuert werden. Zur Feststellung des Sachverhalts sieht Washington die Zulassung von US-Wirtschaftsprüfern vor. Zudem mische sich Donald Trump verbal in ein chinesisches Gesetzesvorhaben für Hongkong ein.


"Die geopolitischen Spannungen sind im Rentenhandelt spürbar“, fasst Arthur Brunner von der ICF Bank zusammen. Investoren bevorzugten derzeit Staatsanleihen als sicher geltende Häfen. Seit vier Tagen in Folge stiegen die Kurse von US-Treasuries. Bundesanleihen kämen ebenfalls gut an. Der Euro-Bund-Future als Barometer für die künftigen Zinserwartungen legte seit Dienstag von 172,29 auf 173,43 Prozent zu.



"Die geopolitischen Spannungen sind im Rentenhandelt spürbar“



Viele US-Hochzinsanleihen gefährdet


Besitzer von US-High Yields müssen sich übrigens laut Fitch auf weiter steigende Ausfälle einstellen. Nach 4,2 Prozent im April rechnet die US-Ratingagentur für Mai mit Ausfällen von 5,0 bis 5,5 Prozent des insgesamt 1,31 Billionen US-Dollar schweren Markts für Hochzinsanleihen. Derart hohe Raten habe es zuletzt im Jahr 2010 gegeben. Allein im Energiesektor schätzt Fitch den Schaden für das Gesamtjahr auf 33 Milliarden US-Dollar.


Fresenius zapft Kapitalmarkt an


Neuemissionen – unter anderem von Ferrari, AT&T und Continental - gab es in dieser Woche einige. Über zwei neue Bonds, jeweils in Stückelungen von 1.000 Euro, sammelte auch Fresenius Medical insgesamt 1,25 Milliarden Euro erfolgreich von Anlegern ein, wie Brunner informiert. Für ein fünfjähriges Papier (WKN A289N2) im Volumen von 500 Millionen Euro zahlt der Konzern jährlich 1,0 Prozent Zinsen. Eine 750 Millionen Euro schwere Anleihe des Pharmakonzerns mit einer Laufzeit bis 2032 (WKN A254R5) ist mit einem Kupon von 1,5 Prozent ausgestattet.


ThyssenKrupp gesucht


Viel Kaufinteresse sieht Beate Mägerle an bestehenden Unternehmensanleihen. Zu den meist gehandelten Werten gehöre eine im Februar 2024 fällige ThyssenKrupp-Anleihe (WKN A2TEDB) mit einem Kupon von 2,875 Prozent. Der Bond erholte sich in den vergangenen Tagen von 84 auf 92,5 Prozent. „Anleger scheinen die grundsätzliche Bereitschaft zu einer Partnerschaft im Stahlgeschäft positiv zu bewerten.“


Nahende Lufthansa-Rettung spürbar


Die Erleichterung über die bevorstehende Entscheidung für das staatliche Lufthansa-Rettungspaket macht sich Mägerle zufolge bemerkbar. Untern anderem lande ein mit jährlich 0,25 Prozent verzinster Wert (WKN A2YNV6) der größten deutschen Fluggesellschaft sowie eine bis 2075 laufende Lufthansa-Hybridanleihe (WKN A161YP) mit einem Kupon von 5,125 Prozent in den Depots. „Die Werte legten gestern deutlich zu.“ Im Raum stehen Hilfen von bis zu neun Milliarden Euro in Form von Krediten und einer Kapitalerhöhung, über die sich die Bundesregierung an dem Konzern beteiligen werde. Die Emission einer Wandelanleihe in Höhe von 5 Prozent der Aktienanteile sei ebenfalls eine Option.


Zuspruch für Voestalpine, UBM, VW, Schäffler und Avis


Bonds von voestalpine (WKN A2R0KA), UBM Development (WKN A2RS14), VW (WKN A2LQ6C) und Schaeffler (WKN A2YB69) wurden allesamt überwiegend gekauft, wie Mägerle zusammenfasst.


Das gelte auch für eine im Mai 2025 fällige Avis-Anleihe (WKN A19EBS) mit einem Kupon von 4,5 Prozent, die im Wochenverlauf von 45 auf 58 Prozent stieg. Autovermieter steckten durch Corona besonders stark in der Krise, bekämen aber in der Regel keine Staatshilfen. Avis erwartet nach einem extrem schwachen April und Mai zum Sommer hin wieder höhere Vermietungsquoten. Die Liquidität des Unternehmens reicht eigenen Angaben zufolge noch bis Jahresende.


Optimistisch für Katjes und Jacob Stauder


Viele Unternehmensanleihen von mittelständischen Unternehmen stabilisieren sich Brunner zufolge nach den Verlusten wieder. Dazu gehöre eine im April 2024 fällige Katjes-Anleihe (WKN A2TST9) mit einem Kupon von 4,25 Prozent. Nach dem Tief von gut 80 Prozent im März kostet der Bond derzeit um 102 Prozent.



Arthur Brunner

Brunner


Von 85 rauf auf 102 Prozent ging es mit einer ebenfalls gern gekauften in 2022 fälligen Jacob Stauder-Anleihe (WKN A161L0) mit einem Kupon von 6,5 Prozent, wie Brunner skizziert.


 


von: Iris Merker


22. Mai 2020, © Deutsche Börse AG




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