Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen: Politik steckt den Rahmen




01.09.17 16:08
Redaktion boerse-frankfurt.de

Im Zuge des Streits mit Nordkorea und anstehender Entscheidungen der Notenbanken setzen Anleger bevorzugt auf als sicher geltende Staatsanleihen.


 


Politische Entwicklungen etwa in Fernost bestimmen derzeit das Bild am Rentenmarkt. "Nordkoreas Raketenstart löste eine Fluchtbewegung in sichere Staatsanleihen aus", registriert Marius Schad von der HSH Nordbank. Zudem verunsicherten Donalds Trumps verbale Attacken nach der Provokation.


 


"Sicherheit steht gegenwärtig bei Anlegern im Vordergrund", fasst Arthur Brunner von der ICF Bank zusammen, der auf einen niedrigeren Ertrag von etwa 0,33 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen verweist. Zwar habe sich die Lage wieder etwas entspannt, der richtungsweisende Euro-Bund-Future notiere aber weiterhin oberhalb von 165 Prozent.


 


EZB in der Zwickmühle


 


Aktuell befassten sich Investoren einmal mehr mit der Frage nach den nächsten Schritten der Notenbanken. Einerseits käme eine mit 1,5 Prozent besser als erwartete Inflation im Euroraum dem gewünschten Wert von 2,0 Prozent schon recht nahe. Somit könne die Europäische Zentralbank prinzipiell die Reduzierung der Anleihe-Käufe angehen. Gleichzeitig spreche die starke Gemeinschaftswährung gegen einen derartigen Schritt zu diesem Zeitpunkt. "Eine Straffung der Geldpolitik könnte den Euro weiter verteuern, was Mario Draghi vermutlich nicht gefällt", meint Brunner. Deshalb stehe der bislang für eine Ankündigung dies bezüglich gehandelte 7. September wieder in Frage.


 


Marktteilnehmer rechnen Schad zufolge zum Ende Dezember mit einem Kurswechsel in der Währungsunion. Die HSH Nordbank erwarte eine Verlängerung der Ankaufprogramme mit reduzierten Volumina. "Erste Hinweise hierfür könnten am Donnerstag erfolgen." Ein endgültiger Beschluss folge womöglich im Oktober.


 


Das seit rund einem Jahr laufende 106 Milliarden Euro schwere Programm zum Kauf von Unternehmensanleihen guter Bonität scheint übrigens für die EZB eine kostspielige Angelegenheit. Laut Bloomberg liegt der Anteil der erworbenen Unternehmensanleihen mit negativen Renditen auf dem höchsten Stand seit sechs Monaten. Demnach zahlt die EZB bei fast einem Viertel der 994 Bonds in ihren Büchern dafür, Geld zu verleihen.


 


Government Shut-down kein Tabu mehr


 


Die Euro-Stärke ist nach Auffassung von Robert Halver von der Baader Bank auch eine US-Dollar-Schwäche. Zurzeit würden die Vereinigten Staaten nicht ordentlich regiert. Selbst innerhalb der US-amerikanischen Administration sei von politischem Gleichklang wenig zu spüren. Die Unterstützung der republikanischen Partei für ihren Präsidenten habe - nachdem sie ohnehin nie stark ausgeprägt war - weiter nachgelassen. In einem politisch derart unfreundlichen Klima sei es schwierig heiße Eisen wie Wirtschaftsreformen anzupacken.


 


Selbst ein grob vorsätzlicher Government Shutdown - das Einstellen der Arbeit von US-Regierungsbehörden bei Erreichen des US-Schuldenlimits - sei für Trump kein Tabu. Analystenberechnungen zufolge muss sich der Kongress bis Ende September über die Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 19,8 Billionen US-Dollar einig sein. "Der kurzfristige Anleihemarkt preist bereits eine gewisse Skepsis ein, ob im zähen Ringen zwischen beiden Parteien ein Konsens erzielt werden kann", beobachtet Schad.


 


Zustimmung der Demokraten nicht gesichert


 


Selbst wenn das Schuldenlimit angehoben wird, bekommt die Regierung damit keinen Freifahrtschein für neue Ausgaben wie etwa den Bau der Mexiko-Mauer, wie Klaus Stopp von der Baader Bank anmerkt. "Lediglich bereits vorher vom Kongress abgesegnete Ausgaben wären von einer solchen Entscheidung gedeckt." 60 Stimmen des Senats, in dem die Republikaner mit 52 Stimmen vertreten seien, würden für die Anhebung der Schuldengrenze benötigt. "Somit müssten mindestens acht Demokraten den Antrag unterstützen." Ohne Gegenleistung klappe das wohl nicht. Stopp hält es durchaus für möglich, dass die Demokraten sich für die vielen Demütigungen gegenüber ihrem Präsidenten Barack Obama revanchieren.


 


Im Fall eines Government Shutdown habe Fitch damit gedroht, das AAA-Rating für die USA zu überprüfen. Standard & Poor’s scheine hingegen nicht gewillt zu sein, das bereits 2011 entzogene erstrangige Rating nochmals abzusenken. "Dennoch warnt auch sie vor den dadurch hervorgerufenen wirtschaftlichen Auswirkungen." Eine vorübergehende Lösung biete im Übrigen eine kurzfristige Anhebung des Schuldenlimits mit einem vorläufigen Haushaltsgesetz, um die Arbeitsfähigkeit der Regierung für das am 1. Oktober beginnende neue Fiskaljahr sicherzustellen.


 


Neue Angebote in der Pipeline


 


Nach der Sommerpause stehen Unternehmen wie Ingenico Group, John Deere, Carlsberg und Asahi Group mit Neuemissionen in den Startlöchern, wie Stopp aufzählt. Zudem sei der September traditionell ein starker Monat für die Ausgabe neuer Bonds. "Emittenten treffen derzeit auf traumhafte Bedingungen", ergänzt Brunner.


 


HSH-Zahlen überzeugen


 


Im Handel mit Unternehmensanleihen meldet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank rege Nachfrage nach einem Bond der HSH Nordbank(WKN 542696), nachdem das Unternehmen einen Gewinn in Höhe von 173 Millionen Euro vor Steuern für das erste Halbjahr ausgewiesen habe. Der mit jährlich 2,1 Prozent verzinste Bond lande verstärkt in den Depots.


 


Ebenso interessierten sich Anleger für eine in 2025 fällige Anleihe von Anheuser-Busch (WKN A18ZDQ) mit einem Kupon von 1,5 Prozent. "Auch hier standen Käufe im Vordergrund." Von einem Nordex-Bond (WKN A0DCNQ) verabschiedeten sich Investoren tendenziell. Daniel vermutet dahinter turnusmäßige Portfolioanpassungen.


 


Brunners Kunden interessierten sich verstärkt für eine 320 Millionen Euro schwere Anleihe der französischen Holdikks (WKN A1ZLYH), die Anlegern einen Kupon von 6,75 Prozent bringt. "Nach guten Quartalszahlen legte der bis Juli 2021 laufende Wert stark zu."


 


von: Iris Merker


 


1. September 2017, © Deutsche Börse AG



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