Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen: Neue Bonds in der Pipeline




06.01.18 11:01
Redaktion boerse-frankfurt.de


Zum Auftakt des Jahres starten Argentinien und BMW mit Neuemissionen. Vereinzelt sind Unternehmensanleihen gefragt. Auf längere Sicht erwarten Beobachter das Ende der EZB-Käufe. 5. Januar 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Pünktlich zum neuen Jahr kommen die ersten Regierungen und Unternehmen mit der Platzierung neuer Bonds. 

Etwa präzisiert Argentinien seine Pläne für die Aufnahme von zunächst insgesamt 9 Milliarden US-Dollar über den Kapitalmarkt, wie Arthur Brunner von der ICF Bank informiert. In Stücken von 1.000 US-Dollar starte das südamerikanische Land ab kommende Woche mit der Emission von fünf-, zehn- und 30-jährigen Bonds (ISINs US040114HP68, US040114HR43, US040114HQ69. Die Kupons werden 4,625, 5,875 und 6,875 Prozent betragen." Die geplante Platzierung macht laut argentinische Regierung knapp ein Drittel des für dieses Jahr vorgesehenen Finanzierungsvolumens in Höhe von insgesamt 30 Milliarden US-Dollar aus. Davon würden etwa 40 Prozent in Fremdwährungen aufgenommen. 

Anleger setzten seit geraumer Zeit stärker auf Emerging Markets-Anleihen, wie Brunner erklärt, nicht zuletzt aufgrund der höheren Renditen. EPFR Global berichtet von Rekordzuflüssen für Schwellenländer-Bonds im vergangenen Jahr.

BMW zapft Kapitalmarkt an


Auch die Bayrischen Motorenwerke sind laut Brunner bereits in dieser Woche mit zwei Neuzugängen aktiv geworden. "Wobei die Erträge naturgemäß nicht ganz so üppig ausfallen." Eine fünfjährige Anleihe (WKN A19UK1) im Volumen von 1,25 Milliarden Euro biete eine jährliche Verzinsung von 0,375 Prozent. Auf 1,125 Prozent im Jahr komme ein 750 Millionen Euro schwerer zehnjähriger BMW-Bond (WKN A19UK0). "So richtig los geht es aber erst in der kommenden Woche. Es befindet sich einiges in der Pipeline", meint Brunner. 

Bundesregierung sichert sich niedrige Zinsen


Die Schuldenaufnahme der Bundesrepublik für dieses Jahr erfolgt nach Ansicht von Klaus Stopp von der Baader Bank übrigens mit Augenmaß. Anleihen mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren würden aller Voraussicht nach insgesamt 147 Milliarden Euro in die Kassen spülen. Allein 16 Milliarden Euro würden nach dem Willen der Finanzagentur elf Auktionen über Bonds mit 30-jähriger Laufzeit bringen. "Damit will sich der Bund die niedrigen Zinsen langfristig sichern." Neue Anleihen in dem Laufzeitband werde es aber nicht geben. "Vielmehr sollen die Volumina der bereits umlaufenden Titel aufgestockt werden, um deren Handelbarkeit zu erhöhen." Schuldtitel des Bundes seien weiterhin gefragt, obwohl sie erst ab höheren Laufzeiten im Plus rentierten. 

Ende der EZB-Bondkäufe möglich  

Ansonsten beschäftige sich die Finanzbranche nach Beobachtung von Brunner mit dem seit Mittwoch geltenden neuen Mifid II-Richtlinien und den damit verbundenen Systemänderungen. Unter anderem seien Banken nun verpflichtet, die Kosten ihrer Produkte auf den Cent genau auszuweisen. Auch spekulierten Anleger darauf, dass die Europäische Zentralbank vor dem Hintergrund einer gut laufenden Wirtschaft ab Oktober das Anleihen-Kaufprogramm beenden wird. Damit würden unterm Strich ab diesem Datum keine zusätzlichen Bonds gekauft. "Mittel aus fällig werdenden Papieren werden aber weiterhin reinvestiert."


BrunnerBrunner  

Verkauf rückt näher


Im aktuellen Handel macht Gregor Daniel Verkaufsdruck bei einer Bayer- (WKN A11QR3) und Merck-Anleihe (WKN A13R96) aus. Hohe Umsätze gebe es zudem bei einer Anleihe der Raiffeisenbank International (WKN A1HBAM) mit einem Kupon von 5,875 Prozent. "Hier überwiegen die Käufe." Nachvollziehen kann der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank die Nachfrage kaum. Der Emittent habe zum 27. April 2018 ein Kündigungsrecht zu Pari und wird dies nach Ansicht von Daniel angesichts des hohen Kupons vermutlich nutzen.  

Auch griffen Anleger seit gestern verstärkt zu einer HSH Nordbank-Anleihe (WKN 542696) mit einem Kupon von 1,99 Prozent. Den Grund sieht Daniel in einem Interview mit der Börsen-Zeitung. Demnach habe Aufsichtsratschef Thomas Mirow den Verkauf der HSH Nordbank als wahrscheinlichste Lösung für die angeschlagene Bank genannt. Immerhin seien gewährträgerbehaftete Anleihen von 25 Milliarden auf 2,2 Milliarden Euro und Bad Assets von 14 Milliarden auf unter 7 Milliarden Euro gesunken. Die Europäische Union gibt den Eigentümern Hamburg und Schleswig-Holstein noch bis Ende Februar Zeit, einen Käufer für die Bank zu finden.


DanielDaniel  

Hoffen auf einen versöhnlichen Ausgang


Ein Stück weit optimistischer scheinen Anleger hinsichtlich der Aussichten für die der Bilanzfälschung verdächtigten Steinhoff-Gruppe. Die bis Januar 2025 laufende Anleihe des südafrikanisch-deutschen Möbelhändlers mit Kupon von 1,875 Prozent (WKN A19LXV) lande derzeit verstärkt in den Depots. "Auf Wochensicht machte der Wert deutlich an Boden gut" bemerkt Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank. Auch die Aktie des weltweit zweitgrößten Möbelgiganten zog stark an. Wie und ob Steinhoff den Untergang des Unternehmens abwenden kann, sei allerdings weiterhin offen. 

Von: Iris Merker
5. Januar 2018, © Deutsche Börse AG



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