Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen: Bundesanleihen bauen Gewinne aus




08.09.17 14:30
Redaktion boerse-frankfurt.de

Alles, was als sicher gilt, ist derzeit gefragt: Dazu gehören neben Gold und dem Schweizer Franken auch Bundesanleihen. Die Renditen haben sich wieder weit von ihren Hochs entfernt.


 


Die Staatsanleihemärkte bleiben von geopolitischen Themen geprägt. Zum einen ließ der Wasserstoffbombentest Nordkoreas die Nervosität steigen. Zum anderen drohen den USA nach Hurrikan Harvey mit Hurrikan Irma nun noch gewaltigere Schäden.


 


Dazu blieben auf der EZB-Sitzung am gestrigen Donnerstag Signale für einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik aus. "Überrascht hat das allerdings nicht, das war so erwartet worden", bemerkt Arthur Brunner von der ICF Bank. "Jetzt rechnet man für den Oktober mit ersten Ankündigungen bezüglich der Reduzierung von Anleihekäufen."


 


Der Euro-Bund-Future liegt am Freitagmorgen bei 162,88 nach 165,19 Punkten vor einer Woche, was allerdings rein technisch bedingt ist. Am gestrigen Donnerstag endete der Handel im alten September-Kontrakt, nun gilt der neue Kontrakt. "Beim alten wären es über 166 Punkte", erklärt Brunner. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren mit 0,32 nach 0,36 Prozent am vergangenen Freitag - im Juli waren es übrigens zwischenzeitlich 0,60 Prozent.


 


Immer mehr Kritik an EZB


 


"Die Stimmen werden lauter, die auf einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik drängen", bemerkt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank, "die Banken ächzen unter der Last". So habe zuletzt Deutsche Bank-Chef John Cryan auf einer Bankentagung in Frankfurt gefordert, die Zeit des billigen Geldes in Europa zu beenden. "Ökonomen wie der Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise weisen darauf hin, dass die europäische Wirtschaft den Stimulus gar nicht mehr braucht", erklärt der Händler. Er verweist auf die kanadische Zentralbank, die vor dem Hintergrund einer florierenden Wirtschaft den Leitzins am Mittwoch dieser Woche abermals angehoben hat.


 


"Bestehende Restriktionen, wie zum Beispiel die 30 Prozent-Obergrenzen bei Käufen pro Emission und Emittent, sprechen für eine zu Jahresbeginn 2018 stärkere Reduzierung der Anleihekäufe", meint Sintje Boie von der HSH Nordbank. Die Bank hält es für möglich, dass die EZB dafür eine längere Laufzeit der Käufe signalisieren wird. Einen sprunghaften Renditeanstieg wie in den USA 2013, als Notenbankchef Ben Bernanke das Tapering angekündigt hat, erwartet Boje jedoch nicht. "Der Überraschungseffekt wäre weniger groß." Mit deutlich erhöhten Renditeniveaus für Bundesanleihen sei aber zu rechnen.


 


Hybridanleihen gesucht


 


Im Bereich der Corporate Bonds sind Hybridanleihen von VW (WKN A1ZE21) derzeit gesucht, wie Brunner feststellt. "Nachdem Angela Merkel kundgetan hat, dass es so bald keine Verkaufsverbote von Dieselfahrzeugen geben wird, ist die Nachfrage gestiegen." Rege gehandelt wird Brunner zufolge auch die im Juni dieses Jahres emittierte Anleihe des Hamburger Versandhändlers Otto (WKN A2E4BN) mit Laufzeit bis 2024 und Kupon von 1,875 Prozent - in beide Richtungen.


 


Gut an kommt laut Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank derzeit eine Sumitomo-Anleihe in australischen Dollar (WKN A19NS1), die einen Zins von 3,604 Prozent bietet und bis 2023 läuft.


 


Generell machten sich in dieser Woche wieder einmal die umfangreichen EZB-Käufe von Unternehmensanleihen bemerkbar, wie Brunner berichtet. "Der Markt ist leergefegt", erklärt der Händler.


 


Neues von Grenke


 


Neben zahlreichen Neuemissionen in US-Dollar - etwa von Walt Disney, Apple und Caterpillar - gab es in dieser Woche ein neues Papier vom IT-Vermieter Grenke, wie Brunner berichtet. Die Anleihe (WKN A19NS2) läuft bis 2022 und bietet einen Kupon von 0,875 Prozent, die Mindestanlagesumme beträgt 1.000 Euro. "Die Nachfrage war groß".


 


Klaus Stopp von der Baader Bank berichtet noch von einer Neuemission von Daimler mit Mindeststückelung von 1.000 Euro (WKN A19NY8). Fällig ist das Papier am 13. September 2021, der jährliche Zins liegt aber nur bei 0,20 Prozent.


 


von: Anna-Maria Borse


9. September 2017, © Deutsche Börse AG



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