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Kolumnist: Ralf Flierl

Ankündigungskapitalismus




07.03.19 16:08
Ralf Flierl


 
Elon Musk hat seine ganz eigene Form des Wirtschaftens erfunden



Der Anfang vom Ende – mal wieder!



Es ist nicht etwa so, dass Tesla noch nie angezählt war. Unumwunden gab Elon Musk im November 2018 zu, dass der Elektroauto-Pionier während der Anlaufphase des Model 3 nahe an der Insolvenz gewesen sei. Diverse Shortseller sahen im Verlauf des vergangenen Jahres nicht nur einen „Point of no Return“. Nach zwei Quartalen mit Zahlen, die positiv überraschen konnten, ist bei Tesla nun der ganz normale Wahnsinn zurück. Mit seiner Ankündigung, sämtliche Läden des Unternehmens zu schließen und die Autos zukünftig ausschließlich online zu verkaufen, heizte Musk abermals die Spekulationen um eine Liquiditätskrise an. Die Gleichzeitig durchgeführten Preissenkungen bei diversen Tesla-Modellen sorgten zugleich für erneute Spekulationen, dass die Nachfrage nach den Autos aus dem Hause Tesla bei weitem nicht so hoch ist, wie es Elon Musk gerne öffentlich darstellt. Was ist dran an diesen Gerüchten? Betrachten wir dazu zunächst einmal die Fakten: Tesla bietet ab sofort die lange versprochene günstige Version des Model 3 an. Bisher wurden lediglich teurere Modelle, die vermutlich mit entsprechend höheren Margen einhergingen, verkauft.



Desolat ist eine Übertreibung



Statt sich jedoch in typischer Tesla-Manier selbst zu feiern und eine glanzvolle Produktpräsentation zu veranstalten, verpackte Elon Musk gleich noch die schlechten Nachrichten mit dazu. Das Unternehmen werde alle Filialen schließen. Die Autos seien zukünftig innerhalb von einer Minute mit dem Handy bestellbar. Die damit einhergehenden Kosteneinsparungen wären essenziell für den Erfolg von Tesla. All dies klingt jedoch wenig überzeugend: Ein dynamisch wachsendes Unternehmen wie Tesla muss zum dritten Mal innerhalb eines Jahres Mitarbeiter entlassen. Dass das Model 3 für 35.000 USD nun verfügbar ist, ist alles andere als eine Sensation. Schließlich war dieses Modell der Grund für eine Vielzahl an Vorbestellungen, die nun mit fast zwei Jahren Verspätung erfüllt werden können. Der Anlauf der Produktion und die damit verbundenen Verluste haben Tesla in der Tat an den Rand der Insolvenz gebracht. Das Unternehmen steht heute mit mehr als 10 Mrd. USD Schulden bei minimalen Cashflows da. Nach zwei lediglich mit viel Bilanzkosmetik positiv abgeschlossenen Quartalen wird das erste Quartal 2019 wieder defizitär werden. Auch die verkündeten Preissenkungen für diverse Modelle dürften kaum dazu beitragen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändert.



The Show will go on



Rein fundamental betrachtet ist also – mal wieder – alles klar: Es gibt quasi keine Möglichkeit mehr, wie Musk seinen Kopf aus der Schlinge bekommen kann. Mit ca. 1 Mrd. USD Privatschulden, die mit Tesla-Aktien besichert sind, dem Beleihen seines Privatjets und neuen Grundschulden auf seine diversen Villen macht er auch privat den Eindruck, als ob ihm das Wasser bis zum Hals steht. Dies ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Denn mehr denn je scheint es die Mainstream-Meinung an der Börse zu sein, dass Tesla kurz vor dem Kollaps steht. Noch immer sind 20% des Freefloats geshortet. Nicht wenige dürften jetzt erneut anfangen, eine Short-Position einzugehen. Schließlich hat „man“ es ja schon immer gewusst und möchte jetzt mit dabei sein, wenn es zu Ende geht. Doch Musk wäre nicht Musk, hätte er nicht bereits für nächste Woche die Präsentation des Model Y angekündigt. Mit diesem Modell will Tesla nun auch im boomenden Segment der SUVs wildern – und ganz bestimmt jede Menge neuer Reservierungsgebühren einsammeln. Es dürfte die Nachfrage sein, die über das Schicksal von Tesla entscheidet. Ist diese tatsächlich am Ende, sind Teslas Tage tatsächlich gezählt. Schafft Musk es abermals, die Börse einzulullen, heißt es: The Show will go on.



„Leidenschaftliches Plädoyer“



Wenn die Medienmainstream einem Politiker ein „leidenschaftliches Plädoyer“ attestiert, ahnen die Bürger, dass es teuer wird – im Zweifel für Dinge, die sie nicht einmal bestellt haben. Für diese einseitige Einordnung und Präsentation von Fakten – neudeutsch: Framing – zahlen Sie als GEZ-Zwangsbeitragszahler übrigens schon jetzt gutes Geld. Leidenschaftlich und ganz zufällig im Vorfeld der „Europa-Wahl“ plädierte diesmal der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, und zwar für tiefgreifende Reformen der EU. Es ist ja nicht so, dass man nicht Samstag für Samstag in der französischen Hauptstadt bewundern könnte, wie die Visionen dieses Mannes in der Praxis aussehen: Zigtausende protestierende Bürger in gelben Westen, die von der Staatsmacht niedergeknüppelt und mit Gasgranaten beschossen werden. Bald also in ganz Europa? Oder ist die EU-Reform einfach nur der letzte Strohhalm, um seine glücklose Präsidentschaft halbwegs zu stabilisieren? Während Macron als ein besonders dreistes Exemplar der „Wasser predigen und Wein saufen“-Fraktion in Frankreich inzwischen regelrecht verhasst ist, kann er zumindest in Brüssel und Berlin stets mit einer freundlichen Aufnahme seiner Visionen rechnen: „Mehr Europa … blablabla … sonst Katastrophe … blablabla … Deutschland zahlt.“

In der Regel geht es um neue „gemeinsame“ Behörden oder Geldtöpfe. Sobald nur irgendwo das Wort „gemeinschaftlich“ vorkommt, lässt die reflexhafte Zustimmung „guter Europäer“ lästige Detailfragen zur konkreten Ausgestaltung und Kontrolle oder gar zur Sinnhaftigkeit nicht mehr zu. Forderte Macron zuletzt noch einen EU-Finanzminister und einen EU-Haushalt, setzt er seine Schwerpunkte diesmal bei einer europäischen Industriepolitik nach – hört, hört – US-amerikanischem und chinesischem Vorbild, sowie bei „angemessener“ Besteuerung, einer „gemeinsamen“ Grenzpolizei, einer „gemeinsamen“ Asylbehörde und einer „europäischen Behörde zum Schutz der Demokratie“ – auf gut deutsch ein Wahrheitsministerium im Dienste der Herrschenden. Egal welches Etikett sich Macron anheftet, die Eckpunkte seiner Forderungen sind marktfeindlich, etatistisch und neo- bzw. postsozialistisch. Welche Triebfedern hinter einer solchen Politik stecken, lesen Sie in der Titelgeschichte „Postsozialismus“ im aktuellen Smart Investor 3/2019. Da die Briten als möglicher Gegenpol bis auf weiteres ausfallen und die deutsche Diplomatie lediglich aus einer stets gezückten Geldbörse besteht, wird Frankreich, dessen Diplomatie zur Weltklasse zählt, hier wohl perspektivisch das Heft in die Hand bekommen.



Zu den Märkten



Erneut hat Silber just in dem Moment kehrtgemacht, als das „Schlafende Monster“ (Vgl. SIW 8/2019) seine Bodenbildung gerade abgeschlossen zu haben schien. Die Auffächerung der Abwärtstrends von der Spitze im Jahr 2011 ist weit fortgeschritten und im Bereich von rund 14 USD/Feinunze hatte sich ein tragfähiger Doppelboden herausgebildet. Echte Abwärtsdynamik steckt im Silber also nicht mehr, allerdings auch keine nach oben. Aber jedes Mal, wenn der lang erwartete Befreiungsschlag so wie jetzt wieder einmal vorläufig scheiterte, hagelte es Abverkäufe. Dass es nach solchen Entscheidungsmarken – und zwar in beide Richtungen – erst einmal recht dynamisch werden kann, ist häufiger zu beobachten. Im Chartbild (vgl. Abb.) bleibt auf dem Niveau des früheren Unterstützungs- und heutigen Widerstandsniveaus von ca. 16 USD ein kleines Doppelhoch (blaue Kreise) zurück. Aus Unterstützung wurde Widerstand und aus einer starken Unterstützung hier ein starker Widerstand. Für Silber, ähnlich wie für Gold, heißt dies alles nach unserer Auffassung nun nicht, dass hier erneute Baissen anstehen, aber die zähe Bodenbildung ist eben auch noch nicht abgeschlossen. Wer sich trotz des Rückschlags weiter mit dem Minensektor beschäftigen will, dem sei unser Aktien-Update von diesem Montag über die Übernahmeschlacht um Goldcorp, Newmont Mining und Barrick Gold zur Lektüre empfohlen.



Für den DAX gab es in diesem Jahr praktisch nur einen Weg – nach oben. Diese Erfolgsgeschichte ist allerdings vor dem Hintergrund des schwachen Vorjahres zu sehen, vor dem sich die aktuelle Aufwärtsbewegung lediglich als Korrektur der vergangenen Abwärtsimpulse darstellt. Diese Aufwärtskorrektur dürfte allerdings in ihrem nunmehr dritten Monat langsam an Momentum verlieren. Dies auch, weil wir uns bis auf wenige hundert Punkte der massiven Widerstandszone im Bereich von 11.800 – 12.000 Punkten angenähert haben. Spätestens in dieser Region rechnen wir verstärkt mit Gewinnmitnahmen. Dass wir uns zudem den „Iden des März“ nähern, in deren Nähe schön öfter Marktwenden stattgefunden haben, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Das Muster der beiden verzahnten Schulter-Kopf-Schulter-Formationen, das in der Abb. zu sehen ist, haben wir übrigens im letzten SIW 8/2019 ausführlicher besprochen.



Musterdepot Aktien & Fonds



Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage erfahren Sie heute mehr über Amaysim, unser verunglücktes Engagement im australischen Mobilfunkmarkt. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.



Die Zukunft des Goldes



Wie in unseren letzten Publikationen herausgearbeitet rechnen wir für die kommenden Jahre mit einem neuen großen Aufwärtstrend bei den Edelmetallen. Am 24. März 2019 (Sonntag) veranstaltet passend dazu unser langjähriger belgischer Kooperationspartner Brecht Arnaert eine exklusive Konferenz mit dem Titel „The Future of Gold“ in Breda (Niederlande). Der frühere Vize-Präsident von Morgan Stanley, Diederik Schmull, wird dort ebenso sprechen wie der unseren Lesern seit Jahren bekannte Gold-Fachmann Dimitri Speck („Geheime Goldpolitik“).

Mehr Informationen zu diesem Event finden Sie unter nachfolgendem Link:
arnaerteconomics.com/thefutureofgold/

Es ist uns übrigens gelungen für unsere Abonnenten die Konferenzgebühren von 499 EUR auf 245 EUR zu drücken – eine Ersparnis von über 50% oder 254 EUR.



Börsentage



Mit dem Reigen der Börsentage und Anlegermessen geht es auch im März munter weiter. Am 9. März findet der Anlegertag in Düsseldorf und am 23. März der Börsentag in Frankfurt statt. Zu beiden Veranstaltungen finden Sie hier nähere Informationen. Am 30. März ist es dann mit dem „Börsentag München“ quasi vor unserer Haustür soweit. Nähere Informationen zu diesem Börsentag finden Sie hier.



Smart Investor 3/2019

Titelstory:
Postsozialismus – Zwischen Asche und Auferstehung

Dividenden:

Linke Tasche, rechte Tasche, oder sinnvolle Strategie? 

China:
Die Strategie des Drachens

Antrieb der Zukunft:
Wasserstoff als Alternative zu gängigen Lithium-Akkus?

Fazit

Ob Musk oder Macron – seinen Hals durch neue Ankündigungen zu retten, ist in Mode gekommen.

Christoph Karl, Ralph Malisch


       

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