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Kolumnist: D. Kirschbaum

Alles Spekulation...! (3)




30.11.06 21:15
D. Kirschbaum

Teil 1 des Artikels erschien am 30.10.2006

 


Teil 2 des Artikels erschien am 13.11.2006


 


Teil 3:


 


Wir alle kennen den oft kolportierten Spruch des Räubers: »Geld oder Leben!«. Er ist eine semantische Unkorrektheit, weil die Konjunktion »oder« nur die Wahl einer der erwähnten Möglichkeiten gestatten würde. Für den Räuber wäre jedoch das Leben des Opfers wertlos, sodass eine Wegnahme (Tötung) nur den Preis seiner Arbeit verteuern würde. Er würde also das Geld zusätzlich nehmen und nach weiterem suchen, weil so »billig« keiner davonkommen sollte.


 


Beim Sparer stimmt jedoch dieser Spruch mit fataler Genauigkeit. Wer das Geld von heute gegen das Geld von morgen tauschen will, muss noch am Leben sein, wenn er es bekommt. Daraus folgt zwingend: Der Fortbestand unserer eigenen Exi­stenz ist die größte Spekulation, die man sich vorstellen kann!


 


Ein Psychologe wird uns wahrscheinlich erklären können, warum wir genau diese Spekulation täglich von neuem gänzlich verdrängen, während uns andere ständig präsent sind. Und manche »Sicherheiten« haben sich den Menschen so tief eingeprägt, als wären sie ein Naturgesetz. Den Tausch Geld gegen Gold empfinden wir als ein sicheres Geschäft. Was edel glänzt und viel wiegt, muss ja etwas wert haben. Wer hat uns das eigentlich gesagt?


 


Nun hat schon so mancher festgestellt, dass er für die teuren, goldenen Eheringe nach der Scheidung überhaupt keine Verwendung mehr hat. Solche Marginalien und der Spruch vom Juwelier: »Die kann ich nur noch einschmelzen« müssten uns eigentlich eine Warnung sein. Doch wer wollte nun so ein Teufelszeug wie einen Optionsschein, bezogen auf Eisenerz oder australische Dollars, mit der Sicherheit eines Goldstücks gleichsetzen?


 


Schließlich sagen wir auch zu unserem Partner »mein Goldstück« und nicht »mein Optionsschein«, obwohl dies in vielen Fällen zutreffender wäre. Dazu müsste uns aber bewusst sein, dass es keine Sicherheit im Leben gibt, das wir ständig alles Mögliche tauschen, und dass wir deshalb ständig das Bekannte aufgeben (investieren, verwetten, aufs Spiel setzen), weil uns das Unbekannte mehr wert erscheint.


 


Nun wird kolportiert, dass fast alle Börsenneulinge mit Optionsscheinen nur Schaden erlitten hätten. Und wenn es irgendwo auf der Welt knallt, meinen genügend Politiker und Berichterstatter, dass »die Terminhändler« an allem schuld seien. Da traut man diesen schlimmen Buben aber viel zu, denn der ganzen Welt zu schaden will gelernt sein. Als seien diejenigen, die auf Regen gewettet haben, schuld daran, wenn es wirklich zu regnen beginnt. Mitleid ist eben kostenlos, aber Neid muss man sich verdienen.


 


Die meisten Menschen, die sich für Optionsscheine interessieren, werden schon mit Aktien ihre Erfahrungen gemacht haben. Vom 10.11.1995 bis 17.3.2000 kannte die Börse scheinbar nur eine Richtung: nach oben. Sogar der Crash im Juli 1998 dauerte nur bis Oktober und war in den darauf folgenden Monaten durch voluminöse Kursgewinne bald wieder vergessen. Dann jedoch, Ende März des Jahres 2000, ging es bergab. Aber nicht ein paar Monate lang, sondern fast auf den Tag genau drei Jahre bewegte sich der Haupttrend deutscher Aktien nach unten.


 


Zwei Phänomene konnte man in dieser Zeit beobachten: Diejenigen, die das alles nicht wahrhaben wollten, fanden in der ersten Zeit zahlreiche Anzeichen, dass die Aktien nun ihren »Boden« gefunden hätten. Irgendwann verstummten sie, die Börsenzeitungen reduzierten ihre Auflagen, die Sender verkürzen ihre diesbezügliche Berichterstattung, und Otto Normalverbraucher unterließ es, seinem Arbeitskollegen weiterhin todsichere Aktientipps zu geben. Jemand erzählte mir: »Ich gehöre zu den Gewinnern, ich habe keine Aktien.« Es wurde ruhig an den Börsen, und dann mehrten sich die Stimmen jener, die angeblich schon immer gesagt hatten, dass Aktieninvestments eine langfristige Angelegenheit seien. Das ist so richtig wie die Aussage, dass Automobile Fortbewegungsmittel sind.


 


Ich will kein Spielverderber sein, doch wer würde auf einem Schrottplatz behaupten wollen, dass die dort gelagerten Automobile Fortbewegungsmittel seien? Wetten wir folglich auf ein x-beliebiges Auto, dass es sich fortbewegt, so gewinnen wir mit sehr großer Wahrscheinlichkeit bei einem neuen Auto unsere Wette. Trotzdem bleibt das Risiko, dass sich das teure Gefährt irgendwann von der Straße entfernt, über ein kurzes Stück Wiese rollt und sich dann um einen Baum wickelt. Ob das nun in der ersten halben Stunde seines Lebens passiert, nach drei Monaten, in zehn Jahren oder überhaupt nicht, weiß niemand, noch nicht einmal der »Steuermann« selbst. 


 


An der Börse sind so manche nagelneue Vehikel (Aktien) mit Volldampf direkt auf die dem Verkaufsraum gegenüberliegende Mauer gefahren. Natürlich lag das am Steuermann, und natürlich hat es auch der Dümmste kapiert, als es geknallt hatte, und natürlich hätte niemand diesem Idioten von Firmenlenker nur einen kleinen Geldschein anvertrauen dürfen. Es gibt nur leider immer folgendes Problem: Es steht den Idioten nicht auf die Stirn geschrieben, dass sie welche sind. Ökonomisch betrachtet sind diese Leute jedoch Teil des Systems. Gäbe es sie nicht, müsste die Welt in einem festen Block eingeschweißt sein, und es gäbe folglich einen Plan für Erfolg. Doch diesen gibt es nicht, alles Handeln unterliegt den Prinzipien des Versuchs und Irrtums, reduziert auf die Bandbreite der jeweiligen Bedingungen.


  Fortsetzung folgt...   Jetzt im Handel: Das neue Buch von Dirk Kirschbaum "Erfolg mit Optionsscheinen" (erschienen im Finanzbuchverlag)
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