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Kolumnist: Feingold-Research

Aktiv oder passiv? – eine Bilanz




04.09.14 16:45
Feingold-Research

Als Alternative zu Fonds sind sie vor rund 30 Jahren ins Leben gerufen worden: ETFs (Exchange Traded Funds). Diese als börsengehandelte Indexfonds bezeichneten Wertpapiere sollten eine preiswerte und transparente Alternative zu ihren behäbigeren Fondsgeschwistern werden. Mit weltweit rund 5000 ETFs und einem Anlagevermögen von rund zwei Billionen US-Dollar hat sich diese Wertpapierform inzwischen fest etabliert. Zahlreiche Märkte und Strategien lassen sich mit ETFs einfach abbilden und in Zukunft dürften es Experten zufolge noch deutlich mehr werden. Ein Grund mehr sich dieses Themas anzunehmen und auf die verschiedenen Entwicklungen bei ETFs einzugehen, Trends zu verfolgen und die notwendigen Informationen zu dieser Produktklasse bereitzustellen.

Aktiv oder Passiv?

Grundsätzlich versuchen ETFs die Wertentwicklung von Indizes so präzise wie möglich, also 1:1 abzubilden. Die zugrunde liegenden Indizes können beispielsweise Aktienindizes wie der DAX, aber auch Renten-, Rohstoff- oder Strategiebarometer sein. Dabei versprechen ETFs, die Vorteile von Fonds wie etwa eine breite Risikostreuung mit dem täglichen Handel zu niedrigen Kosten in einem regulierten geschützten Rahmen zu verbinden. Wenn sich der zugrunde liegende Index verändert, sei es durch eine Verschiebung der Gewichte von Aktien im Index oder durch den Austausch von Indexmitgliedern, wird der ETF ebenfalls umgehend angepasst. Anleger partizipieren also passiv an der Wertentwicklung des jeweiligen Index. Das ist auch einer der großen Unterschiede zu Fonds, die ihre eigenen Anpassungen vornehmen können und nicht streng an die Vorgaben aus dem Index gebunden sind.


Börse_DAX_Mai14_7Hieraus ergeben sich gleichzeitig auch Vor- und Nachteile der ETFs. Während Anleger bei steigenden Kursen annähernd 1:1 am Index partizipieren, sind sie bei Kursrückgängen ebenfalls voll dabei. Der Schutz vor Kursrückgängen geht komplett verloren, was dagegen Fonds mit aktiven Fondsmanagern steuern können. Sie haben die Möglichkeit bei entsprechender Markterwartung, ihre Partizipation am Index zu verringern und Cash-Positionen aufzubauen. Sollten die Kurse tatsächlich fallen, können so die Verluste bei einem Kursrückgang reduziert werden. Steigen die Kurse, schaffen es aktive Fonds kaum, den voll investierten ETF zu schlagen.


Hinter Exchange Traded Funds (ETFs) steht kein Fondsmanager und diese Produkte können ihre Benchmark weder deutlich schlagen noch klar verfehlen: Sie bilden nämlich einen Index annähernd eins zu eins nach. Aber das ist vielleicht auch ihr Erfolgsgeheimnis. Diese als passiv bezeichneten Finanzprodukte können wie Aktien schnell ge- und verkauft werden. Eine mehrtägige Rückgabe der Anteile, während der der Wert der Finanzprodukte steigen aber auch fallen kann, wie es oft bei Fonds der Fall ist, existiert hier nicht. Der Handel von ETFs ist so einfach wie bei Aktien, erklärt ETF-Spezialistin Heike Fürpaß-Peter vom französischen Anbieter Lyxor, einen Vorteil dieser Papiere. Dadurch haben Anleger die Möglichkeit, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren, ergänzt Fürpaß-Peter. Voraussetzung hierfür ist eine einfache und transparente Ausgestaltung der Papiere. Zwar gibt es zwei Varianten von ETFs, doch im Ergebnis ähneln sich diese Formen.


Wenn der Index zu komplex wird


ETFs können grundsätzlich auf zwei verschiedene Arten abgebildet werden: Die sogenannte voll replizierende Methode und die swap-basierte. Bei der ersten Variante sind alle Aktien oder Basiswerte des zugrundeliegenden Index im ETF enthalten. Bei der swap-basierten Variante dagegen entsteht die Performance synthetisch: Der zugrunde liegende Index wird durch die Performance eines Wertpapierkorbes abgebildet. Es kann bei dieser Konstruktion daher vorkommen, dass ein swap-basierter Dax-ETF nicht nur deutsche Aktien enthält. Zusätzlich zum Basisportfolio wird mit einer Bank ein sogenannter Swap abgeschlossen. Mit der Kombination aus Basisportfolio und Swap wird sicher gestellt, dass der ETF die Wertentwicklung des jeweiligen Index möglichst exakt nachvollzieht.


Diese Methode macht vor allem bei schwer nachzubildenden Indizes Sinn. Ein Dax-ETF mit 30 Werten ist schnell abgebildet, aber ein ETF auf den MSCI World-Aktienindex mit mehr als 1.000 Werten würde den Emittenten vor ein Problem stellen: Jede einzelne Aktie zu erwerben würde die Kosten derart in die Höhe treiben, dass der ETF unattraktiv wäre.


Die Regeln für den Einsatz für Swaps in ETFs sind hierzulande eng gesteckt. So dürfen bei swap-basierten ETFs maximal zehn Prozent des Fondsvermögens aus Swaps bestehen. Das beschränkt das sogenannte Kontrahentenrisiko, das ein Swap-Partner ausfällt. Doch auch hier existieren noch sichere Varianten. So wird bei manchen Swap-ETFs der Zahlungsstrom täglich ausgetauscht, um das Kontrahentenrisiko Tag für Tag auszugleichen.


Alle ETFs sind Sondervermögen und daher von einer Insolvenz des ETF-Anbieters nicht betroffen. Wird der Anbieter eines swap-basierten ETFs zahlungsunfähig, können die Investoren auf den Wertpapierbestand aus dem Sicherheitenkorb zurückgreifen. Doch auch die voll replizierende Variante enthält trotz Sondervermögen-Status Ausfallrisiken. ETFs können nämlich Derivate zur Performanceoptimierung einsetzen. Diese Derivate werden wiederum von einem Emittenten begeben, der während der Laufzeit der Derivate ausfallen kann, daher spricht man hier vom Emittentenrisiko.


Zudem ist in dieser ETF-Variante auch eine Wertpapierleihe erlaubt, die ebenfalls mit einem Kontrahentenrisiko verbunden ist. In der Summe besteht also bei beiden Varianten ein begrenztes Ausfallrisiko, das vergleichbar ist. Anleger sollten bei der Auswahl des geeigneten ETFs ihr Augenmerk auf die Performance und auf die Performanceabweichung vom zugrunde liegenden Index oder Basiswert legen.


Beispiele für passende ETFs zur jeweiligen Marktlage finden Sie immer wieder in unserer ISIN-Liste, dazu haben wir auch in den Depots Beispiele, die sich für die langfristige Geldanlage eignen und den Fokus auf Europa und Deutschland legen.



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