TÜRKEI: Boom am Bosporus

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eröffnet am: 05.04.04 12:49 von: Bleck Anzahl Beiträge: 208
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05.04.04 12:49 #1 TÜRKEI: Boom am Bosporus
Hosch Geldiniz (Herzlich willkommen) im Türkei-Thread

Seit gut einem Jahr steigen die Kurse an den Weltbörsen und auch an der Türkischen Börse in Istanbul. Der türkische Aktienindex ISE National 30 schaffte 2003 ein Plus von fast 90%. Doch damit ist der Boom am Bosporus wahrscheinlich noch nicht zu Ende. Für langfristig orientierte Anleger ist es noch nicht zu spät einzusteigen. Denn im internationalen Vergleich sind die Aktien in der Türkei immer noch günstig bewertet und das BIP-Wachstum soll in den folgenden Jahren stärker sein als beispielsweise das der USA oder des Euroraums. Und selbst im Vergleich zu osteuropäischen Ländern hat die Türkei noch Aufholpotenzial. Das BIP pro Kopf liegt in der Türkei nämlich noch unter 3.000 US$.
Das Land befand sich in der schwersten Krise in der Geschichte, wodurch tausende Unternehmen pleite gingen und ein Staatsbankrott nur mit der Unterstützung des IWF abgewendet werden konnte. Im Jahr 2001 schrumpfte die Wirtschaft um 7,5%. Doch letztes Jahr konnte ein Wachstum von knapp 4,5% erzielt werden und die Inflation lag bei „nur“ 18,5% (2001: 54%). In diesem Jahr soll das BIP wieder um ca. 4,5% steigen. Zudem sorgt EU-Fantasie dafür, dass immer mehr ausländische Investoren die Türkei als Anlageland finden.
Ein Investment in der Türkei sollte als Beimischung für ein Langfrist-Depot nicht fehlen.

Nicht nur der Aktionär geht von weiter steigenden Kursen aus (Party am Bosporus, Heft Nr. 15), auch die Wirtschaftswoche berichtet im Heft vom 1.4. von den „Istanbullen“. Taipan brachte bereits im Januar dieses Jahres einen Spezialreport zum Thema Türkei raus. Außerdem schrieb Börse Online über die Türkei: „Dem Land geht es wirtschaftlich so gut wie lange nicht mehr. Davon profitieren Börse und Währung.“  In der Euro am Sonntag Ausgabe Nr. 14 vom 04.04.04 wird ebenfalls auf die Chancen in der Türkei hingewiesen. Dort wird der unten genannte Fonds Türkei 75 Plus zum Kauf empfohlen. Die Redakteure von EuramS meinen, dass ein Investment in der Türkei eine „ideale Depotbeischmischung“ ist. Der Höhenflug bezieht sich ihrer Meinung nach nicht nur auf die EU-Fantasie, sondern auch auf die niedrige Inflation und damit die  Zinssenkungsfantasie. Das Anlagerisiko des Fonds wird „hoch“ eingestuft, die Anlagechance sei „gut“.
Der Fondsmanager des Türkei 75 Plus Mike Bayer meint, dass innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre eine VERDOPPELUNG DER KURSE drin ist.
Ich habe mal ein paar interessante Werte aus den o.g. Quellen zusammengesucht, mit denen man von dem Aufwärtstrend in der Türkei profitieren kann.

Die einfachste Möglichkeit, in der Türkei zu investieren, ist der Kauf von Türkei-Fonds.
Da gibt es zwei sehr gute:
Türkei 75 Plus mit der WKN  989402 (ISIN: LU0093368008): Der Fonds muss mindestens 75% des verfügbaren Geldes in türkische Aktien anlegen. Der Rest kann in Aktien angelegt werden, die z.B. eng mit der Türkei zusammenarbeiten oder in Anleihen o.Ä. Der Fonds ist zur Zeit zu 96% investiert.
ESPA Stock Istanbul A mit der WKN 694675 (ISIN: AT0000704333)

Man kann aber natürlich auch direkt in Aktien investieren. Da bieten sich folgende an:

Turkcell (WKN: 806276), größter Mobilfunkwert der Türkei mit geschätztem KGV von 16 für 2004. Der Aktionär schreibt dazu. „Turkcell kann Wachstumsraten vorweisen, die weit über dem Branchendurchschnitt liegen. […] Selbst bei einer Kursverdoppelung wäre die Aktie im internationalen Vergleich noch unterbewertet.“ Und so geben die Experten vom Aktionär auch ein Kursziel von 70 US$ bei einem derzeitigen Stand von 36,95 US$.
Turkcell wird in Frankfurt ganz gut gehandelt. Für sehr große Orders kann man auch über NYSE gehen.
Die folgenden Werte werden kaum oder gar nicht in Deutschland gehandelt. Man kann bei niedrigen Stückzahlen in London ordern oder über die Börse in Istanbul gehen (mein Tipp: vorher die Gebühren prüfen):
Tupras ist eine türkische Raffinerie, die auch unterbewertet ist. (TUPRS, US90015M2044)
Sabanci Holdings ist einer der größten Industrieholdingkonzerne der Türkei (SAHOL, RASAHOL91Q5)
Anadolu Efes ist der größte Bierbrauer der Türkei (AEFES, TRAAEFES91A9)
Der Fonds Türkei 75 Plus ist auch in folgenden Werten mit einem relativ hohen Anteil vertreten (zu manchen Werten davon weiß ich aber nicht so viel):
IS Bank
Yapi Kredi Bank
Dogan Holding (Zitat Bayer aus EuramS Nr. 14: „Der Medienkonzern wird profitieren, wenn bei anziehender Binnennachfrage die Werbeausgaben steigen.“)
Tupras
Koc Holding
Sabanci Holding
Ak Bank
Ereglidemir
Tofas
Alarko

Wer mehr zu den einzelnen Werten wissen möchte, kann sich gerne bei mir melden. Auch sonstige Anregungen, Kritik oder Wünsche sind gerne willkommen!!

Wer kennt noch andere aussichtsreiche türkische Werte?? Die sind gerne erwünscht!

Hosch çakalin (tschüss)!

Gruß,
Bleck
 

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16.08.05 13:30 #184 Türkei 75 Plus 07'05-Bericht
10.08.2005
Türkei 75 Plus 07'05-Bericht
CEROS Financial Services
Das Anlageziel des Türkei 75 Plus Investmentfonds (ISIN LU0093368008/ WKN 989402) ist die Erzielung eines langfristigen, überdurchschnittlichen Wertzuwachses mit Anlagen im türkischen Wirtschaftsraum, berichten die Experten von CEROS Financial Services.

Auch der Juli habe den Anlegern in türkischen Aktien Kursgewinne beschert. Gute Halbjahreszahlen der Unternehmen, starkes Interesse an bevorstehenden Privatisierungen und die große Nachfrage ausländischer Investoren hätten für steigende Notierungen am Bosporus gesorgt.

Das weltweit niedrige Zinsniveau stelle einen wichtigen Grund für den bedeutenden Mittelzufluss in die Türkei dar. Allerdings wären Investoren sicher weniger an der Türkei interessiert, wenn die türkische Regierung nicht weiterhin eng mit dem Internationalen Währungsfonds zusammenarbeiten und die türkische Notenbank keine nachhaltige Politik der nachhaltigen Inflation verfolgen würde.

Im vergangenen Monat habe die türkische Regierung das Zusatzprotokoll zur Zollunion unterzeichnet. Mit diesem Protokoll erweitere die Türkei die bestehenden Zollvereinbarungen auf die neuen EU-Mitglieder, zu denen auch Zypern gehöre. Damit erkenne die Türkei indirekt Zypern an und komme somit einer wichtigen Forderung der EU nach. Ungeachtet dieses kurzfristigen Erfolges werde die Türkei früher oder später Cypern offiziell und direkt anerkennen. Hier würden nach wie vor politische Risiken lauern, die ebenso wie die Entwicklung der ökonomischen Rahmendaten genau beobachtet werden sollten.

Der Türkei 75 Plus-Fonds habe im laufenden Jahr bisher einen Wertzuwachs in Höhe von 25,64% erzielen können.

www.fondscheck.de  
28.08.05 00:38 #185 Merkel und Stoiber appellieren an die EU
BERLIN, 26. August. Die Union hat einen neuen Vorstoß gegen eine EU-Vollmitgliedschaft der Türkei unternommen. Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Edmund Stoiber schreiben in einem am Freitag veröffentlichten Brief an die konservativen Regierungschefs in der Europäischen Union, die Türkei dürfe nicht Vollmitglied werden. Sie werben dafür, für die am 3. Oktober beginnenden Gespräche mit Ankara auch eine privilegierte Partnerschaft als Ziel mitaufzunehmen. "Wir sind der festen Überzeugung, dass eine Aufnahme der Türkei die EU politisch, wirtschaftlich und sozial überfordern und den europäischen Integrationsprozess gefährden würde", so die beiden. Der Brief ging auch an den EU-Ratspräsidenten, den britischen Premierminister Tony Blair, und an EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. (AFP)  
15.09.05 11:52 #186 Exportbranche gegen Merkels Türkeipolitik
Exportbranche gegen Merkels Türkeipolitik

14. Sep 20:59

In der Wirtschaft ist ein Streit um den EU-Beitritt der Türkei entbrannt. Exportbranche und DIHK befürworten den Beitritt - Arbeitgeber und BDI sind dagegen.

Der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) haben sich für die Aufnahme von EU-Beitrittsgesprächen mit der Türkei aus gesprochen. «Wir befürworten die Beitrittsverhandlungen aus wirtschaftlichen und politischen Gründen», sagte BGA-Präsident Anton Börner am Mittwoch dem Handelsblatt. Damit widerspricht er der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Deren Präsident Dieter Hundt hatte eine Vollmitgliedschaft der Türkei abgelehnt.
Deutschland würde von den Beitrittsverhandlungen «überproportional» profitieren, sagte Börner. «Die Türkei hat ihre Hausaufgaben gemacht.» Ausdrücklich warnte Börner davor, der Türkei die seit Jahrzehnten versprochene EU-Beitrittsperspektive zu nehmen. «Die langfristigen finanziellen Kosten lassen sich zwar nicht in Euro und Cents beziffern - aber sie wären sicherlich um ein Vielfaches höher als die erwarteten Beitrittskosten.»

Gute ökonomische Gründe

Es gebe aber auch gute ökonomische Gründe für Beitrittsgespräche mit der Türkei: «Wie schon bei den vorangegangen EU-Erweiterungen ist mit einer Wachstums- und Gewinnerspirale zu rechnen, von der Deutschland überproportional profitiert.»

«Die Aufnahme von Verhandlungen wäre ein positives Zeichen für die Wirtschaft», sagte auch Silke Stöver, Europareferentin des DIHK. Börner wie Stöver betonten aber, dass die Beitrittsverhandlungen - wie von der EU geplant - ergebnisoffen sein müssten.

Ablehnung bei Arbeitgebern

Die CDU lehnt eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union ab. Auch Industrie und Arbeitgeberverbände haben sich dagegen ausgesprochen. «Weder der Türkei noch der EU wäre auf absehbare Zeit mit einer Vollmitgliedschaft in einer Union gedient, die damit politisch, sozial und wirtschaftlich überfordert wäre», sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, der Berliner Morgenpost.

Bereits Anfang des Jahres hatte sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) an die Seite von CDU und CSU gestellt und für eine «privilegierte Partnerschaft» mit der Türkei geworben. (nz)

www.netzeitung.de  
15.09.05 11:55 #187 Ich habe mir neulich mal
den ISE angesehen. Der Index riecht geradezu nach Crash. Vielleicht nicht heute oder morgen, vielleicht nicht dieses Jahr...

Aber da noch einen Cent zu investieren halte ich für höchstriskant.  
15.09.05 12:12 #188 @slimfast:Türkei bleibt langfristig aussichtsreic.
Ich bin auch vor Kurzem raus und warte erst einmal ab. Langfristig bleibt die Türkei aber weiterhin aussichtsreich. Dass es dort größere Schwankungen gibt, sollte aber jedem Anleger bewusst sein. Die Aussicht auf einen EU-Beitritt stärkt die türkische Wirtschaft und wenn man sich die Entwicklung der jüngsten Beitrittsländer (z.B. Polen, Ungarn, Tschechien) anschaut, dann hat auch die Türkei noch erhebliches Potential. Bei günstiger Gelegenheit werde ich wieder einsteigen.

Gruß,
Bleck  
15.09.05 12:34 #189 cooler Schein: Turkcell
mer'haba!.... die turkcell ist eine in der türkei, aserbeidschan, turkmenistan und demnächst vielleicht auch im iran tätige mobiltel.-company. interessanter wert mit fetten aussichten, u.a. vom aktionär empfohlen.  
16.09.05 11:26 #190 @Turkcell
Dachte schon ich bin der einzige, der noch in Turkcell drinnen ist. Hab die jetzt seit 2 Jahren. Die wachsen von Quartal zu Quartal. Handyboom ist ungebrochen in der Türkei.
Letzte Q-Zahlen waren super. EPS 0,29 Dollar. Seitdem steigen die von Tag zu Tag.
Im Vergleich zum Gesamtmarkt haben die auch noch einiges aufzuholen.....Bleibe weiterhin dabei. Ein KGV06e von 12 ist noch immer billig für ein Mobilfunkunternehmen.
Letztes Jahr hatten sie es bis auf ein KGV05e von 18 gebracht. Sollten auch die Zahlöen zum 3.Quartal überzeugen, bleibe ich an Board. 20 Dollar bzw. 16€ könnten dann nochmal möglich sein!

@slimfast: Und zum Gesamtmarkt: Ich höre bereits seit 2004 dass der Zug abgefahren sei. Dass bald ein Crash kommen muss...dass ich dumm sei hier noch zu investieren...seitdem hat sich der Gesamtmarkt VERDOPPELT! Konsi's kann es immer mal geben!
Bewertung ist nach wie vor günstig mit einer KGV-Marktbewertung von 11-12! Psychologie stimmt.....Infaltion im Griff......Wirtschaft wächst.....EU naht.....sag mir was gegen einen weiteren Anstieg in den nächsten Monaten sprechen soll!?

Denke aber trotzdem dass ich diesen Winter meine Gewinne (steuerfrei) mitnehmen werde! 2 Jahre sind genug!

Gruß, SeaPeace  
16.09.05 11:32 #191 @TKC
Ach ja. Bei Turkcell (TKC) dekcen sich nunehmend Fonds ein die letzten Wochen. Achtet auf das Volumen in den USA. Der Durchschnittstrade liegt in den letzten Wochen über 50,000 Dollar!! Auch der Anstieg erinnert in der Dynamik an jenen aus 2004. Auch damals ist Turkcell im Vergleich zum Gesamtmarkt verspätet gestartet!! Bin optimistisch!

P.S. Bei Turkcell hat es eine Reihe von Splits gegeben, die nicht alle Finanzseiten zuverlässig anzeigen. Für zuverlässige Charts empfehle ich www.tradesignal.com !!

Gruß, SeaPeace  
16.09.05 11:54 #192 Turkcell an der NYSE
16.09.05 15:15 #193 Leitindex: ISE National 100
16.09.05 15:31 #194 Heute knapp 8% !
yeah!  
17.09.05 15:19 #195 @brokeboy
Ja aber, der aktuelle Kurs liegt nur bei 12,50€. 13€ war noch vom Tageshoch. Sind jetzt am alten 52WH. Konsolidierung wäre also durchaus normal fürs erste!

Schönes WE,
SeaPeace

P.S. Hier ein Link zum Kurs in Istanbul, da wird der Kurs gemacht:
http://www.turkcell.com.tr/index/0,1028,300023,00.html
 
21.09.05 12:45 #196 Türkei 75 Plus 08'05-Bericht
15.09.2005
Türkei 75 Plus 08'05-Bericht
CEROS Financial Services

Das Anlageziel des Türkei 75 Plus Investmentfonds (ISIN LU0093368008/ WKN 989402) ist die Erzielung eines langfristigen, überdurchschnittlichen Wertzuwachses mit Anlagen im türkischen Wirtschaftsraum, berichten die Experten von CEROS Financial Services.

Das Fondsvermögen werde vorwiegend in Aktien angelegt, die an der Börse in Istanbul zur amtlichen Notierung zugelassen seien. Mindestens 75% des Nettovermögens werde in Werten des ISE 100 Index investiert. Bis zu 25% des Nettovermögens könne in türkische Anleihen oder börsennotierte Aktien, welche nicht Teil des ISE 100 seien, angelegt bzw. in Liquidität gehalten werden. Der Fonds eigne sich für chancenorientierte Anleger.

Der türkische Aktienmarkt habe den August nur wenig verändert beendet. Nach stärkeren Gewinnmitnahmen zu Beginn des Monats, hätten gute Nachrichten zu den Privatisierungen bei Tupras und Eregli Demir Celik dem Markt geholfen, sich wieder zu erholen.

Angesichts der Hoffnungen auf attraktive Erlöse bei den laufenden Privatisierungsrunden seien die Sorgen um ein weiter steigendes Zahlungsbilanzdefizit in den Hintergrund getreten, da ein ausländischer Käufer das Defizit durch seinen Kapitaltransfer verkleinern würde. Allerdings wäre dies nur ein einmaliger Effekt. Bei Betrachtung der wirtschaftlichen Faktoren würden sich auch weiterhin die Früchte der Haushaltskonsolidierung sowie der Inflationsbekämpfung durch die Zentralbank zeigen. Die angepeilten ökonomischen Ziele würden absolut in Reichweite scheinen.

Nicht unproblematisch werde dagegen weiterhin der Verlauf der Verhandlungen um einen möglichen EU-Beitritt der Türkei sein. Skeptische Töne aus Frankreich und der wahrscheinliche Bundestagswahlsieg der CDU, die einer Vollmitgliedschaft der Türkei kritisch gegenüberstehe, könnten den EU-Optimismus in der Türkei belasten. Dennoch sei davon auszugehen, dass die Beitrittsverhandlungen im Oktober beginnen würden. Über Dauer und Ausgang könne angesichts der Langfristigkeit des Prozesses wohl keine seriöse Aussage getroffen werden.

Trotz dieser politischen Unsicherheiten sollte es nicht verwundern, wenn türkische Aktien mit Blick auf die Aktien-Performance ehemaliger EU-Beitrittskandidaten weiterhin auf der Kaufliste der Anleger zu finden sein würden. Auch wenn die Hoffnung auf Kurssteigerungen langfristig durchaus gerechtfertigt erscheine, könnten kurzfristig Gewinnmitnahmen den Markt belasten.

www.fondscheck.de  
21.09.05 17:30 #197 Alle EU-Staaten für Verhandlungsstart mit Tü.
Alle EU-Staaten für Verhandlungsstart mit Türkei am 3.Oktober
Zypriotischer Präsident: Keine Einwände

Alle 25 EU-Staaten sind damit einverstanden, dass die Beitrittsgespräche mit der Türkei wie geplant am 3. Oktober beginnen sollen. Zypern, das wegen der Nichtanerkennung durch Ankara damit gedroht hatte, diesen Fahrplan nicht einzuhalten, will sich nach Angaben seines Präsidenten Tassos Papadopoulos dem Verhandlungsbeginn nicht in den Weg stellen, schreibt die APA.

"Es gibt kein Land in der EU, das sagt, dass die Verhandlungen nicht am 3. Oktober beginnen sollen", erklärte Papadopoulos am Dienstag gegenüber Reportern.

"Ich gehe davon aus, dass die Beitrittsverhandlungen zwischen der Türkei und der EU kurz nach Ablauf dieses Jahrzehnts abgeschlossen sein werden und dass ein Beitritt vor 2015 stattfinden kann", meinte BA-CA-Vorstand Willi Hemetsberger am Vormittag in einer Aussendung. Die bisher längste Phase zwischen dem Start von Beitrittsverhandlungen bis zum tatsächlichen Beitritt werde für Bulgarien und Rumänien gelten, nämlich sieben Jahre, wenn sie plangemäss 2007 beitreten.

Nach Kalkulationen der Europäischen Kommission und der BA-CA werden sich die jährlichen Nettokosten eines EU-Beitrittes der Türkei auf 0,07% bis 0,21% des BIP der EU-25 im Jahr 2025 belaufen. Das entspricht dem Betrag für die 10 neuen Mitgliedsstaaten. Damit würden die Beitrittskosten rund 19% des EU-Budgets ausmachen, vorausgesetzt es wächst in der gleichen Geschwindigkeit wie das BIP der EU-25. Bis dahin sind jedenfalls Neuerungen in der EU-Finanzierung zu erwarten, insbesondere in der Landwirtschaft.

"Die EU kann es sich leisten, die Türkei als Mitglied aufzunehmen”, betonte Hemetsberger. Dabei wäre der Beitritt keineswegs eine Einbahnstraße, von dem nur die Türkei profitieren würde. Tatsächlich erhielte die EU eine junge und zunehmend gut ausgebildete Bevölkerung, während die Zahl ihrer eigenen Arbeitskräfte drastisch abnimmt.

http://boerse.wirtschaftsblatt.at  
22.09.05 15:05 #198 Problem Zypern
Solange die Türkei einen EU-Staat wie Zypern nicht anerkennt, dürfte mit der Türkei noch nicht einmal über eine EU-Aufnahme gesprochen werden.  
24.09.05 12:52 #199 Türkei vor Beitrittsverhandlungen
21.09.2005
Türkei vor Beitrittsverhandlungen
Commerzbank Corp. & Markets

Für die Türkei gab es in den vergangenen Tagen gleich zwei positive Nachrichten, berichten die Analysten von Commerzbank Corporates & Markets.

Zunächst sei es dem bürgerlichen Lager in Deutschland nicht gelungen, bei den Bundestagswahlen eine eigene Mehrheit zu erringen. Die ablehnende Haltung gegenüber einem türkischen EU-Beitritt dürfte sich somit auch im Falle einer Regierungsübernahme kaum mehr vollständig umsetzen lassen. Zudem hätten sich die 25 Mitgliedsstaaten der EU darauf verständigt, dass die Türkei erst nach Beginn der Beitrittsgespräche Zypern völkerrechtlich anerkennen müsse. Wenn nicht noch unvorhersehbare Dinge geschehen würden, dürfte der Aufnahme von Beitrittsgesprächen am 3. Oktober somit nichts mehr im Wege stehen, da auch Zypern seine Zustimmungsbereitschaft signalisiert habe.

Vor diesem Hintergrund überrasche es nicht, dass die türkische Lira seit Wochenbeginn fester tendiere. Da die EU-Verhandlungen ein langer und ergebnisoffener Prozess seien, dürfte sich das Interesse nun wieder stärker auf die Fundamentaldaten verlagern. Ein robustes Wachstum, ein attraktives Zinsniveau und eine weiter zurückgehende Inflationsrate dürften die Lira stützen. Das Interesse richte sich nun auf die derzeit laufenden Verhandlungen mit dem IWF über die Freigabe eines 10 Milliarden-Dollar-Kredites. Die Türkei habe gestern erklärt, die staatlichen Ausgaben im Sozialbereich und in der Landwirtschaft um insgesamt 2 Mrd. Lira kürzen zu wollen, was ebenfalls als positives Zeichen zu werten sei.

www.fondscheck.de  
12.10.05 13:01 #200 Türkische Börse - anhaltende Rallye oder Korr.
3. Türkische Börse – anhaltende Rallye oder Korrektur?

An der türkischen Börse ging es heiß her in der vergangenen Woche. Nach anfänglichen deutlichen Kursgewinnen setzte eine Korrektur ein. Nun stellt sich die Frage: Ist dies die Trendwende nach der rasanten Klettertour der vergangenen Monate oder doch nur eine Konsolidierung im Aufwärtstrend?

Grund für die zunächst deutlich anziehenden Notierungen in der Vorwoche war der Start der EU-Beitrittsverhandlungen. Die türkischen Börsianer ließen sich dabei zum Wochenauftakt nicht von der zermürbenden EU-Krisendiplomatie in Luxemburg beirren. Noch bevor der politische Deal über die Aufnahme von Beitrittsgesprächen mit der Türkei in trockenen Tüchern war, feuerte die Börse in Istanbul ein Kursfeuerwerk ab. Das nationale Kursbarometer ISE 100 schnellte am Montag um 2,9% nach oben und schloss auf Tageshöchststand. Und auch der ISE 30, der ähnlich wie beim deutschen DAX die 30 nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen zusammenfasst, kletterte um 3%. Am Dienstag setzte sich die Rekordjagd beim ISE 100 um weitere 3,9% auf einen neuerlichen Rekordstand von 35.624 Punkten fort. Im Handelsverlauf lag der Index sogar noch höher und erreichte in der Spitze mehr als 35.800 Punkte. Der ISE 30 markierte bei 46.264 Punkten den bisher höchsten Stand.

Börsianer bejubeln Start der Verhandlungen

Die türkischen Investoren feierten die aufgenommenen Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU. Zunächst sah es dabei so aus, als wenn sie am Widerstand Österreichs scheiterten. So wurde mit Erstaunen registriert, dass nicht etwa Griechenland oder Zypern, sondern gerade Österreich eine so starke Position gegen den EU-Beitritt Ankaras eingenommen hatte. Ironie der Geschichte: Schon früher hatten sich die Türken die Zähne an den Österreichern ausgebissen. Zum ersten Mal scheiterte das osmanische Reich, der Vorgänger der Türkei, 1529 bei der Belagerung von Wien. Ein Wintereinbruch hatte die Belagerer hier gezwungen, den Feldzug abzubrechen. Dennoch wurde Österreich als Folge dieses Konflikts langfristig tributpflichtig. 1683 unternahm man dann nochmals einen Versuch, Wien zu erobern. Was aber schon in der Blütezeit des Osmanischen Reiches 150 Jahre vorher nicht gelang, wurde nun zum Desaster und zum Wendepunkt der Auseinandersetzung mit den europäischen Staaten.

Friedliche Annäherung

Einige hundert Jahre später ist die Türkei nun dabei, sich der EU auf freundlichem Wege zu nähern. Nachdem Österreich seinen Widerstand aufgegeben hat, haben die Gespräche begonnen. Für die Türkei bedeutet dies nach Ansicht der Investoren einen Riesenschritt. Schon in den vergangenen Jahren hatte das Land die Ärmel hochgekrempelt. Politische Stabilität, hohes Wirtschaftswachstum und sinkende Inflation haben den Staat am Bosporus zu einem begehrten Wirtschaftsstandort gemacht. Ausländische Investoren, die sich früher eher rar gemacht hatten, kommen mittlerweile in Scharen. Die Entscheidung der EU, mit der Türkei über einen Beitritt zu verhandeln, könnte nun weitere ausländische Kapitalgeber anlocken.

Reichlich Reformbedarf

Allerdings gibt es auch noch einige Baustellen, die es zu bearbeiten gilt und den Investoren wurde im weiteren Wochenverlauf klar, dass die Verhandlungen schwer und lang werden könnten. Es besteht noch reichlich Reformbedarf. So müssten Rechtsstaat, Meinungsfreiheit und die Rechte von Frauen, Religionsgemeinschaften und Gewerkschaften zur alltäglichen Realität in jedem Winkel des Landes werden. Und auch die Differenzen im Zypernkonflikt sind noch nicht ausgeräumt. Den Investoren wurde im weiteren Wochenverlauf daher klar, dass der Weg in die EU lang und steinig werden dürfte. Ob diese schwierig anmutenden Themen die Stimmung an der türkischen Börse im Wochenverlauf eintrübten, oder ob es an den schwachen Vorgaben anderer Börsen lag, ist offen. Sicherlich war es ein Mix aus beidem. Zudem sind Gewinnmitnahmen auf dem hohen Niveau nicht verwunderlich, und hier könnte die Börsenweisheit "Sell on good news!" zur Begründung herangezogen werden. Nun stellt sich die Frage: Wird die Konsolidierung fortgesetzt oder wird die Rallye wieder aufgenommen?

Türkei im Kommen

Aus fundamentaler Sicht könnte die Aufwärtstendenz der türkischen Börse aber weiter anhalten. Zwar ist das Land schon seit einiger Zeit kräftig im Kommen, und dies zeigt sich auch in der Entwicklung am türkischen Aktienmarkt. Die begonnenen Verhandlungen könnten aber für zusätzliche Impulse für die Wirtschaft sorgen. Die zunehmende Aufwärtstendenz wird auch am Beispiel Deutschland erkennbar. So gehen einige Experten davon aus, dass bis Jahresende rund 2000 deutsche Firmen in der Türkei vertreten sein werden. Damit hätte sich die Zahl den Angaben nach innerhalb von zehn Jahren vervierfacht. Ferner hat sich das deutsch-türkische Handelsvolumen in den vergangenen Jahren kräftig erhöht. Vor allem durch steigende türkische Exporte nach Deutschland. Sie sind von 12 Mrd. Euro im Jahr 2001 auf 20 Mrd. Euro im Jahr 2004 gestiegen. Die große Stärke der türkischen Exportexpansion liegt darin, das sie stark diversifiziert ist und immer mehr Produkte hinzukommen. In weniger beachteten Branchen wie etwa der Sanitärkeramik kommt die Türkei in Europa bereits auf zweistellige Marktanteile.

Anhaltende Rallye oder Korrektur?

Trotz der nach wie vor guten fundamentalen Aussichten könnte es derzeit aber auch eine kleine Pause geben. Vor allem die Charttechnik ist aus kurzfristiger Sicht ein wenig angeschlagen. Die am Freitag und Montag gebildeten Muster im Kerzenchart ("Dojis") deuten dabei auf eine große Unentschlossenheit zwischen Bullen und Bären hin. Sie wurden in etwa auf dem Niveau zweier kurzfristiger Unterstützungen gebildet. Immerhin haben diese gehalten, und die Chancen für eine Fortsetzung der Rallye sind nach wie vor vorhanden. Noch sind die Würfel aber nicht gefallen, und eine ausgedehntere Korrektur ist noch nicht vom Tisch. Möglicherweise bietet diese aber eine gute Möglichkeit, um sich langfristig zu positionieren.

Derivate-Trading

Investoren können dabei auf einige Derivate zurückgreifen. Sie gibt es allerdings nur auf den ISE 30. Und auch hier ist die Auswahl eher mager. Im Angebot sind derzeit zwei Indexzertifikate der Deutschen Bank (WKN: DB0AMD) und ABN Amro (WKN: ABN5TL). ABN Amro hat zudem zwei Hebelzertifikate (WKN: ABN0L2) (WKN: ABN0L6) im Sortiment.

Generell sollten sich Anleger über die erhöhten Risiken beim Handel mit Optionsscheinen bzw. Knockout-Produkten bewusst sein und eine adäquate Limittechnik verfolgen. Anleger sollten verstehen, dass der Handel mit Optionsscheinen unter anderem durch die höhere Reagibilität wesentlich risikoreicher ist als der physische Aktienhandel und vornehmlich der gezielten Nutzung von zeitlich fest definierten Marktchancen dient. Aufgrund der Hebelwirkung ist im Vergleich zum physischen Erwerb der Aktie ferner lediglich ein wesentlich geringerer Kapitaleinsatz erforderlich.

Quelle: "Global Markets Newsletter" Ausgabe #259

 
12.10.05 13:24 #201 Tippe auf Korrektur wg. Merkel/Stoiber Wirts.
18.10.05 13:03 #202 Türkei 75 Plus 09'05-Bericht
11.10.2005
Türkei 75 Plus 09'05-Bericht
CEROS Financial Services
Das Anlageziel des Türkei 75 Plus Investmentfonds (ISIN LU0093368008/ WKN 989402) ist die Erzielung eines langfristigen, überdurchschnittlichen Wertzuwachses mit Anlagen im türkischen Wirtschaftsraum, so die Experten von CEROS Financial Services.

Nach dem überraschend hohen Gebot im Zuge der Privatisierung der staatseigenen Raffinerie Tupras sei im vergangenen Monat auch bei der Privatisierung des Stahlkonzerns Eregli Demir Celik ein unerwartet hohes Angebot abgegeben worden. Obwohl die Preisangebote jeweils rund 100% über den Börsenwerten der Unternehmen gelegen hätten, hätten die Anleger die Gelegenheit genutzt, um Gewinne mitzunehmen. Dennoch sei das große Interesse und die Bereitschaft, hohe Preise für Privatisierungen zu zahlen, positiv zu werten, da so der türkische Staatshaushalt deutlich entlastet werde. In den nächsten Monaten würden weitere Privatisierungen anstehen, darunter allein neun Zementhersteller und der Mobilfunkanbieter Telsim.

Auf Grund der erfreulichen Nachrichtenlage bei den Privatisierungen und mit Blick auf den Beginn der EU-Beitrittsgespräche zeichne sich mittelfristig eine weitere Fortsetzung des Aufwärtstrends am türkischen Aktienmarkt ab. Allerdings könne kein stetiger Verlauf der Aktienkurse erwartet werden. Vielmehr sei, bedingt durch Gewinnmitnahmen oder temporäre Unstimmigkeiten mit der EU, immer wieder mit Rückschlägen zu rechnen. Zudem könnte eine Verschlechterung der Stimmungslage an der US-Börse für Verkaufsdruck bei Aktien in Emerging Markets sorgen.

Dennoch sei der Aufwärtstrend am türkischen Aktienmarkt weitaus nachhaltiger als die Rallye im Jahr 1999, da das Land seither sowohl politisch als auch ökonomisch deutlich stabiler geworden sei. Auch wenn türkische Aktien sicher nicht mehr als Schnäppchen bezeichnet werden könnten, so würden die wirtschaftlichen Wachstumsaussichten durchaus Anlass zu langfristigem Optimismus geben.

www.fondscheck.de  
18.10.05 13:51 #203 Frage zu Türk, Werten
Merhaba,
ich war gerade letzte Woche in Istanbul. Allerdings nicht, um mich mit Akzien zu befassen.
Aber es steckt tatsächlich viel Kraft und Investitionsbereitschaft ! und Gelegenheit in diesem Land.
Nun meine Frage, wo finde ich Infos auf Deutsch zu guten türk. Werten oder Möglichkeiten des VentureKapital Früheinstiegs wie z.Bsp in Telsim?

Tessekür Ederim  
13.12.05 16:01 #204 Die jungen Wilden vom Bosporus
Die jungen Wilden vom Bosporus

Türkische Unternehmen drängen mit Macht auf Europas Märkte. Sie produzieren am Bosporus, wenn es der Qualität dient und lagern aus, wenn die Türkei zu teuer wird. Sie kaufen deutsche Marken, um zu wachsen. Nur eines tun sie nicht: untätig warten, bis die EU über einen Beitritt der Türkei entscheidet. Vor allem Istanbul macht Tempo.

Von Kai Lange
Istanbul erwacht gerade: Das Wahrzeichen Istanbuls - die blaue Moschee
Istanbul erwacht gerade: Das Wahrzeichen Istanbuls - die blaue Moschee
© manager-magazin.de
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Istanbul - "Wir sind nicht auf dem Weg nach Europa", sagt Attila Ilbas. "Wir sind längst da." Der General Manager von Arcelik blickt auf das Ende der Fertigungslinie: Alle sieben Sekunden läuft hier eine Waschmaschine vom Band. Europas größte Fertigungsstätte am Stadtrand von Istanbul spuckt mit jeder 16-Stunden-Schicht 10.000 Maschinen aus.

Um die Weiße Ware in Deutschland an den Mann zu bringen, haben die Türken die Traditionsmarke Blomberg übernommen. Unter dem Label Beko verkaufen sie die gleichen Maschinen in mehr als 100 Ländern der Welt: "Arcelik ist eine Topmarke in der Türkei. Im Ausland kann das aber niemand aussprechen", sagt Ilbas. 2,7 Milliarden Euro Umsatz hat das Unternehmen im vergangenen Jahr erzielt, davon knapp die Hälfte im Export. Manager Ilbas hat keinen Grund, sich aus Europa ausgesperrt zu fühlen.

Made in Turkey, sold in China
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Europa ist dem türkischen Hersteller von Haushaltsgeräten bereits zu klein geworden. Bis zum Jahr 2010 soll die Marke Beko zu den stärksten Marken der Welt gehören. Um dieses Ziel zu erreichen, wagt das zur mächtigen Koc Holding gehörende Unternehmen das in Deutschland kaum Denkbare: Arcelik macht sich daran, Waschmaschinen und Geschirrspüler nach China zu exportieren.

Weiße Ware nach China exportieren? Ausgerechnet in das Land, wohin die meisten Global Player ihre Produktion verlagert haben? In das Billiglohnland, das für das Sterben klassischer westeuropäischer Industriefelder verantwortlich gemacht wird? "Der Markt dort ist schwierig, aber er bietet Chancen", sagt Ilbas mit demonstrativer Gelassenheit. Er glaubt daran, dass die Formel "Made in Europe - sold in China" funktionieren kann - zumindest im Fall Türkei.

Türkei ist kein Billiglohnland mehr

"Die Türkei ist derzeit der weltbeste Standort, um hochwertige Haushaltsware herzustellen", ist Ilbas überzeugt. Dabei gehe es nicht nur um Kosten: Mit Lohnkosten, die bei etwa einem Viertel der deutschen Aufwendungen liegen, ist die boomende türkische Volkswirtschaft kein Billiglohnland mehr. Wenn türkische Unternehmen ihre Produktionskosten drücken wollen, lassen sie, wie Arcelik, zusätzlich in Rumänien und in Russland fertigen.

Im Werk Istanbul, in dem derzeit noch 1500 Menschen arbeiten, werden zudem immer mehr Arbeitsplätze durch technische Optimierung wie die vollautomatische Endkontrolle eingespart. Auch in der Türkei ist Automatisierung längst ein Thema.

Gleichzeitig sind Produktivität und technisches Know-how in Arceliks türkischen Produktionsstätten derart gestiegen, dass in der Kombination aus Kosten und Qualität ein enorm schlagkräftiger Exporteur entstanden ist. Arcelik gehört in seiner Branche zu den Top Five in Europa. Ein Exporteur, der sogar in Asien erfolgreich sein und damit verwirklichen kann, wovon die meisten deutschen Unternehmen bislang nur träumen. "Chinesen lieben Qualität - wir müssen also qualitativ um so viel besser sein, wie wir teurer sind", sagt Ilbas. Ob dies auch auf deutscher Kostenbasis funktionieren kann, lässt Ilbas offen. Er will seine Gäste nicht verärgern.

Europa fordert Geduld

Die Türkei mag noch zehn bis 15 Jahre vor sich haben, bis sie politisch Aufnahme in der Europäischen Union findet. Türkische Unternehmen sind dagegen spätestens seit der Zollunion 1996 in Europa aktiv und treiben den Wandel in ihrer Heimat voran. Sie sind mutig, erfolgreich und haben keinen Grund, sich als Bittsteller zu fühlen.

Viele Türken sind ungeduldig. Seit das Land 2001 knapp am Staatsbankrott vorbeischrammte, erleben sie rasantes Wachstum und Reformen. Ministerpräsident Tayyip Erdogans Regierungspartei AKP schaffte die Todesstrafe ab, gestand den Kurden mehr Rechte zu und beschleunigte die Privatisierung. Die türkische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um knapp 9 Prozent gewachsen, in diesem Jahr werden es rund 5 Prozent sein. Die Börse brummt, ausländisches Kapital fließt reichlich, Inflation und Staatsverschuldung sinken, das Staatsdefizit wird 2006 wahrscheinlich unter 3 Prozent betragen. Warum, fragen sich nicht nur türkische Unternehmer, will sich die EU trotz dieser Dynamik so viel Zeit lassen?

Doga: Türkisches Müsli, deutsche Haferflocken

Vor allem in Istanbul sind Unternehmergeist und Mut zur Veränderung besonders stark zu spüren. Die Stadt am Bosporus, deren Brücken Europa und Asien verbinden, bietet auch immer mehr deutschen Unternehmern eine Perspektive. Die Zahl der deutschen Firmen sowie deutsch-türkischen Joint Ventures in der Türkei ist nach Angaben der Handelskammer auf knapp 2000 gestiegen. "Gute Qualität zu vernünftigen Preisen produzieren - das ist verlockend", meint Ilbas. Er fügt hinzu: Bevor die EU über die Aufnahme der Türkei entscheidet, werden noch viele Westeuropäer ihr Glück in der Türkei versuchen.

Partner in Deutschland hat Feryal Menemenli bereits gefunden. Die energische 42-Jährige stellt nahe Istanbul unter der Marke Doga Müsli-Riegel, Kräutertee und allerlei gesunde Snacks ohne chemische Zusätze her. "Wir sind Trendsetter, bieten Premiumprodukte für einen jungen, wachsenden Markt", sagt die Gründerin des 100-Mann-Unternehmens. Haferflocken und ausgewählte Teesorten kommen zum Teil aus Deutschland, weil deutsche Biobauern für biologisch-dynamische Qualitätsstandards garantieren können.

"Natürlich könnten wir unsere Zutaten auch aus Anatolien beziehen - aber zunächst müssen wir den Anbau nach bestimmten Richtlinien sicherstellen", sagt Menemenli. Bis es soweit ist, beliefern deutsche Biobauern eine aufstrebende und trendbewusste Käuferschicht im Agrarland Türkei: Auch auf solch verschlungenen Wegen wächst Europa zusammen.

Doga verlässt sich nicht auf eine Wellness-Welle in prosperierenden türkischen Metropolen wie Istanbul und Ankara. Das Unternehmen hat auch den englischen Markt in den Blick genommen. Bei Tesco und Sainsbury sollen bald die ersten Doga-Riegel erhältlich sein - unter der Marke Nutridigest und mit der aufmunternden Wirkung einer Tasse grünen Tees will man gegen Konkurrenz wie Kellogg's bestehen. Dass auch der englische Teegigant Lipton inzwischen auf dem türkischen Markt angreift, ficht Menemenli nicht an: "Wir haben hier einen jungen, wachsenden Markt, und Konkurrenz wird diesen Markt noch stärker beleben."
Picasso-Ausstellung im Museum of Modern Art: Reise aus der Provinz ins neue Istanbul
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Mobilfunk: Investoren ante portas

Auf belebende Konkurrenz richtet sich auch Baris Öney ein, Vorstand beim türkischen Mobilfunker Turkcell . Der türkische Marktführer zählt knapp 27 Millionen Kunden und ist damit das viertgrößte Mobilfunkunternehmen in Europa: Turkcell-Aktien werden in Istanbul sowie an der New York Stock Exchange gehandelt. Mit europäischen Regulierungskünsten ist Öney bestens vertraut - er ist gespannt, unter welchen Bedingungen der türkische Staat im nächsten Herbst seine UMTS-Lizenzen vergeben wird.

Investoren aus Europa und dem Nahen Osten drängen jedoch schon früher auf den Markt. Bis Mitte Dezember wird sich entscheiden, welcher ausländische Bieter den zweitgrößten türkischen Mobilfunker Telcim übernehmen wird. Selbst ein enorm schlagkräftiger europäischer Konkurrent wie Vodafone ist Öney lieber, als dass Konkurrent Telcim wie bisher wie ein Staatsunternehmen geführt wird. "Wir werden nach dem Verkauf eine starke Konkurrenz haben. Aber eine, mit der wir besser umgehen können." Statt mit einem Staatsunternehmen zu konkurrieren, nimmt es Turkcell lieber mit dem Rest der Welt auf.

Mavi Jeans: Welcome to Maviland

Den Sprung zur globalen Marke hat Mavi Jeans bereits geschafft. Der türkische Marktführer exportiert in 50 Länder und hat im vergangenen Jahr rund 7,5 Millionen Jeans verkauft.

Doch auch ein türkischer Jeanshersteller kann es sich längst nicht mehr leisten, all seine Jeans in der vergleichsweise teuren Türkei zu fertigen: Ebenso wie die globale Konkurrenz lässt Mavi die meisten seiner Jeanshosen, Jacken und Taschen in Asien und Indonesien schneidern. "Wir sind ein Marketingunternehmen. Unsere Kraft liegt in der Marke", sagt General Manager Nurettin Kantarelli kühl. Besonders stolz ist er auf die riesige Leuchttafel am New Yorker Times Square: "Made in Maviland" steht darauf. Wo auch immer das ist. "Wir wollen überall sein", sagt Kantarelli.

Mavi hat den Blick nach Westen gerichtet. Will sich an den Marktführern messen, statt Pionier in den neuen Märkten zu sein. Wer im Jeansgeschäft Erfolg haben wolle, müsse in den USA erfolgreich sein, sagt Kantarelli. Die Nähe der Türkei zu Osteuropa und dem Nahen Osten mögen andere Branchen nutzen. "Wir brauchen keine Abenteuer in diesen neuen Märkten - wenn wir im Westen unsere Ziele erreichen, werden die östlichen Märkte folgen", so der Mavi-Manager.

Mit viel Musik und schicken Bildern, Flagship-Stores in Los Angeles, Berlin und London, dem Mavi-Basketball-Cup und einem eigenen Filmfestival eint Mavi seine Kunden: Westlicher geht es kaum. Auch der Preis kann mit Edelmarken wie Levi's oder Lee durchaus mithalten. "Weder Teppiche noch türkischer Kaffee sind zur ersten erfolgreichen Exportmarke der Türkei in den USA geworden", notierte das Magazin "Newsweek". Es sind Jeans, ausgerechnet Jeans.

"Untätigkeit ist keine Option"

Mavi, Turkcell, Beko/Arcelik: Türkische Marken behaupten sich prächtig in Europa und über Europa hinaus. Sie gründen ihren Erfolg nicht nur darauf, dass in der Türkei noch vergleichsweise günstig produziert wird. Sie haben ihre Produktion teilweise selbst nach Rumänien, Asien oder Russland ausgelagert, kooperieren mit Partnern, treiben Forschung und Innovationen voran, stärken die Kraft ihrer Marken, erschließen ausländische Märkte. Sie tun das, was westeuropäische Konkurrenten auch tun. Doch weil die jungen Wilden vom Bosporus in ihrem Heimatmarkt kräftigen Rückenwind verspüren, wachsen sie schneller.

"In der Türkei ist Dynamik zu spüren, das Vertrauen in die Wirtschaft ist zurückgekehrt", sagt Dilek Yardim, Chefin der Deutschen Bank in Istanbul. "Untätigkeit ist hier für niemanden eine Option."

In ihrem Büro im 18. Stock blickt Yardim auf ein 80 Jahre altes Ölbild einer beschaulichen anatolischen Landschaft. Daneben, durch die Fensterfront, fällt der Blick auf die mächtigen Türme der Akbank . In Kürze könnte wenige Meter weiter der noch größere "Dubai Tower" hochgezogen werden, der die Glastürme in Istanbuls Financial District klein erscheinen ließe. Investoren aus dem Nahen Osten treiben am Bosporus die Preise: Die Deutsche Bank hat in einigen Bieterwettbewerben in diesem Jahr den Kürzeren gezogen, doch Untätigkeit will sich auch das deutsche Geldhaus hier nicht leisten.

Europa kann warten

Und Europa? Nach drei Sturm- und Drangjahren vermag niemand einzuschätzen, wo die Türkei in zehn bis 15 Jahren stehen wird. Geschweige denn, in welchem Zustand sich die Europäische Union in dieser fernen Zukunft befinden wird. "Die Menschen registrieren, dass die EU derzeit in Schwierigkeiten ist", sagt Ferhat Boratav, Chefredakteur von CNN Turk. "Doch sie ist weiterhin wichtig für uns, weil sie Wandel fordert und fördert."

Zum Wandel der Türkei gehören Konflikte und Streit. Das Land nimmt Gegensätze mit auf den Weg, die es auszutragen gilt. Während Mavi Jeans eine neue Lifestyle-Kampagne in New York startet, wird in türkischen Städten über ein generelles Alkoholverbot diskutiert. Türkische Lehrer werden zwangsversetzt, weil sie während des Rufs des Muezzins die Schulfenster geschlossen haben. Gleichzeitig stehen Bürgerinnen Istanbuls morgens vor dem Produktionsgebäude von Channel 4 Schlange, um an der Mittags-Talkshow zum Thema "Neue Mütter" teilzunehmen. Familien aus der Provinz reisen nachts im Überlandbus nach Istanbul, um die Picasso-Ausstellung und das neue Istanbul Museum of Modern Art zu besuchen. "Es wird noch viele schmerzhafte Auseinandersetzungen geben", sagt Chefredakteur Boratav. "Doch ohne sie wäre der Wandel nicht gesund".

Für die Türkei sei der Weg dorthin wichtiger als das Ziel einer EU-Mitgliedschaft: "Der Wandel dient nicht dem Ziel, die Vorgaben der EU zu erfüllen. Er dient unmittelbar dazu, dass es der Türkei besser geht", sagt Boratav. Das Land sei auf dem Weg, wirtschaftlich sogar auf der Überholspur. "Wir fühlen uns gut dabei", sagt Boratav. Europa könne warten - doch ihren Schwung werde die Türkei auch im kommenden Jahr nutzen.


Never argue with an idiot -- they drag you down to their level, then beat you with experience.  
30.05.06 13:44 #205 Bodenbildung?
ABN-Tertifikat auf den DJ Turkey Titans:


 

Angehängte Grafik:
DJ-Turkeey-Titans_20060530.png
DJ-Turkeey-Titans_20060530.png
02.10.07 19:19 #206 Hat keiner mehr türkische Aktien ?
Freue mich zur Zeit über Turkcell ADR WKN 806276, die haben in einem guten Jahr über 70 % zugelegt  
02.12.16 11:30 #207 Turkcell
Turkcell ist der größte Türkische Mobilfunkanbieter. Turkcell bilanziert nach IFRS und ist das einzige voll transparente Türkische Unternehmen. Eine sehr interessante Aktie...  
09.02.17 16:10 #208 servus
Hat hier einer überhaupt Turkcell Aktie ?
Ich halte die Firma für sehr solide !

keine kauf bzw. verk. Empfehlung  
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