In sechs Dax-Konzernen wechseln die Vorstände

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eröffnet am: 14.04.02 09:35 von: Happy End Anzahl Beiträge: 6
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14.04.02 09:35 #1 In sechs Dax-Konzernen wechseln die Vorstände
EuramS Berlin - Ferdinand Piëch erfüllt sich seinen Traum. Der scheidende VW-Chef will um die Welt segeln. Ganz allein mit Wind und Wellen. Und mit seiner Frau. Das Boot, eine 40 Meter lange Yacht, hat der umtriebige Österreicher bereits organisiert. Zeit zum Schippern wird er auch bald haben: Am kommenden Dienstag wechselt er in den Aufsichtsrat.

Doch nicht nur bei Volkswagen steigt ein Top-Manager aus. Auch bei den Dax-Unternehmen Bayer, BMW, Deutsche Bank, Linde und RWE hat bald ein neuer Mann im Vorstand das Sagen.

So sehr sich die ehemaligen Konzernlenker auf ihre Segeltouren und Golfturniere freuen mögen - Anleger sehen den Schichtwechsel gar nicht gern. Die alten Chefs bescherten ihnen in den vergangenen Jahren, abgesehen von Linde und RWE, einen besseren Aktienkurs als der Dax-Durchschnitt. Alle Dividendenzahlungen eingerechnet, schlug VW unter Piëch von 1993 bis heute den Index um 179 Prozentpunkte, Milberg brachte es in den drei Jahren als BMW-Chef auf 93 und Bayer-Chef Manfred Schneider lag in zehn Jahren immerhin noch um 51 Prozentpunkte besser.

Vergleichsweise mager fiel hingegen die Performance von Deutsche-Bank-Boss Rolf Breuer aus. Er schaffte für seine Aktionäre seit Mai 1997 nur 15 Prozentpunkte mehr als der Dax. Dass Breuer in seiner Amtszeit daran ging, das Bankhaus gründlich umzukrempeln, honorierte die Börse nur wenig. Der Preis für Bankers Trust sei zu teuer gewesen, kritisierten die Analysten. Durch den Kauf der US-Investmentbank waren die Frankfurter 1999 mit einer Bilanzsumme von 795 Milliarden Euro zum damals größten Kreditinstitut der Welt geworden. Seit der gescheiterten Fusion mit der Dresdner Bank steht der wortgewandte und stets braun gebrannte Vorstandssprecher der Deutschen Bank auch intern unter Beschuss.

Für zusätzliche Aufregung sorgten unbedachte Äußerungen, mit denen er mehrmals Geschäftspartnerbrüskierte. Wie zuletzt bei der Holzmann-Pleite: Ohne Absprache mit den anderen Gläubigerbanken preschte Breuer vor und weckte in der Öffentlichkeit die Hoffnung, der angeschlagene Baukonzern sei zu retten.

Auch Dietmar Kuhnt hat noch einen schweren Stand. Der gebürtige Breslauer, der seit 1995 das Regiment bei RWE führt, räumte in dem Essener Konzern kräftig auf. Er gilt als tatkräftigster Kopf in der Strombranche, die bis zur Liberalisierung von Managern mit Beamtenmentalität mehr verwaltet als geführt wurde. Kuhnts Plan: Das Traditionsunternehmen soll seinen Kunden Versorgungsleistungen rund um Strom, Wasser, Gas und Entsorgung bieten. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Innerhalb von 14 Monaten hat Kuhnt in den USA American Water Works gekauft, in Großbritannien Thames Water und in Tschechien Transgas. Eine Einkaufstour im Wert von 16 Milliarden Euro. Noch sind die Analysten uneinig, ob die Kuhntsche Vision aufgehen wird und die strategische Neuausrichtung des Ex-Monopolisten zu einem renditestarken Unternehmen gelingt. Das wird sich erst unter seinem Nachfolger herausstellen. Die Börse reagiert bislang abwartend. Während der Kuhnt-Ära hinkte der RWE-Kurs der Dax-Entwicklung um 23 Prozentpunkte hinterher.

Probleme mit der Börsenbewertung hat auch der scheidende Linde-Chef Gerhard Full. Der Konzern aus Wiesbaden ist einer der wichtigsten Anbieter von technischen Gasen, Wasserstoff- und Pharma-Anlagen sowie von Gabelstaplern. Vor allem institutionelle Anleger aus Übersee aber machen einen großen Bogen um Firmen mit gemischter Produktpalette. Das störte Full wenig. Er zeigte kein besonderes Interesse, sein Unternehmen auf Stromlinienform zu trimmen. Firmen mit Monostruktur seien in Krisen viel konjunktursensibler, so seine Einschätzung. So bleibt der Linde-Chef das Schlusslicht bei der diesjährigen Zeugnisvergabe: Seit 1997 blieben die Wiesbadener um 45 Prozentpunkte unter der Dax-30-Performance.

Einen großen Umbau hat der Chemie- und Pharmakonzern Bayer weiterhin vor sich, wenn Manfred Schneider nach zehn Jahren abtritt. Noch ist nicht klar, ob das Leverkusener Unternehmen nach der Lipobay-Affäre das Pharmageschäft ganz aufgibt. Vor wenigen Wochen jedenfalls kündigte Milberg noch Zukäufe in den USA an: «Wir interessieren uns für Unternehmen in der Größenordnung von bis zu sechs Milliarden Euro Umsatz.» Schneiders Langzeitaktionäre sehen das gelassen: Im Zehnjahresvergleich fuhren sie mit Schneider um 51 Prozentpunkte besser als mit dem deutschen Leitindex.

BMW-Chef Joachim Milberg hatte es leichter: Er kam auf den Chefposten als die Trennung von der maroden britischen Rover-Gruppe schon unvermeidlich war. Milberg vollzog sie und gab damit den Startschuss zur Rally der BMW-Aktie. «Unser Ziel ist es, das weltweit führende Autounternehmen im Premiumsegment zu werden», sagte er vor einigen Tagen.

VW-Boss Piëch musste sich seinen Erfolg dagegen schwerer erarbeiten. Als der «letzte Auto-Patriarch», wie ihn die Zeitung Die Welt nannte, im Januar 1993 sein Büro in Wolfsburg bezog, war die Lage bei VW desaströs. 560 Millionen Euro betrug der operative Verlust im letzten Geschäftsjahr des Vorgängers Carl Hahn. «So etwas möchte ich meinem Nachfolger nicht zumuten», soll Piëch damals gesagt haben. Und das hat er geschafft. Zum Abschied präsentierte Piëch Rekordzahlen: Im Jahr 2001 erzielte VW einen Gewinn vor Steuern von 4,4 Milliarden Euro.
   
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14.04.02 21:42 #2 Die Graue Eminenz startet den Rückzug
Liesen scheidet als VW-Aufsichtsratschef aus

Essen - Im Munzinger-Archiv, dem gängigen Nachschlagewerk zu Führungskräften, wird Klaus Liesen schlicht als "deutscher Industriemanager, Dr. jur." bezeichnet. Davon gibt es Tausende, doch keiner ist wie Liesen. Unter Deutschlands Industriemanagern gilt der eher öffentlichkeitsscheue Wirtschaftsführer und langjährige Chef der Essener Ruhrgas AG längst als die Graue Eminenz. Als Aufsichtsratsvorsitzender kontrolliert Liesen bei der Allianz den größten Finanzkonzern, bei VW den größten Automobilhersteller und bei Eon und Ruhrgas die bedeutendsten Energiekonzerne des Landes. Deren umstrittene Fusion trägt seine Handschrift, bis hin zur beantragten Ministergenehmigung.

Der promovierte Jurist Liesen kam 1963, nach einem Trainee-Jahr bei Unilever und drei weiteren Jahren im Bundeswirtschaftsministerium, als Vorstandsassistent zu Ruhrgas, damals noch ein Vertriebsunternehmen für das im Revier erzeugte Kokereigas. 13 Jahre später berief ihn der Aufsichtsrat zum Vorstandschef. Das Erdgaszeitalter war soeben angebrochen, Erdgas löste Kohle als traditionelle Heizenergie ab. Der Ruhrgas-Chef sah die Chance, klotzte und gewann. Der Markt entwickelte sich stürmisch. Unter Liesen gedieh Ruhrgas schon bald zum heute größten privaten Gaskonzern des Kontinents.

Um den Erfolg zu sichern, zog Liesen schon frühzeitig die an Erdgas reichen Russen und Norweger vertraglich mit ins Boot. Damit ist Ruhrgas zum Garanten für Energielieferungen bis über 2030 hinaus geworden.

Anfang der 90er Jahre hatte er es als VW-Ratschef geschafft, den bedrohlich eskalierenden Milliarden-Streit zwischen der General-Motors-Tochter Opel und VW ("Lopez-Affäre") weitgehend geräuschlos aus der Welt zu schaffen. "Ich hatte eben auch immer etwas Glück gehabt", kommentiert Liesen in einem Gespräch mit dieser Zeitung seine Erfolge.

An diesem Montag vollendet der "Mann von imponierender Verlässlichkeit", wie Bundeskanzler Gerhard Schröder ihn lobt, sein 71. Lebensjahr. Dies ist Anlass für Liesen, jetzt seinen Rückzug aus den Gremien der Wirtschaft zu beginnen. Schon einen Tag später, am Dienstag nämlich, wird er in Hamburg als Aufsichtsratsvorsitzender zum letzten Male die VW-Hauptversammlung leiten. Danach macht er den Vorsitz frei für Ferdinand Piech, den langjährigen VW-Chef, bleibt selbst aber noch bis 2006 einfaches Ratsmitglied.

Im nächsten Frühjahr, so Liesens Rückzugsplan, wird er bei Eon den Aufsichtsratsvorsitz frei machen und auch sein Mandat niederlegen. Bei der Allianz endet Liesens Mandat als Chef-Kontrolleur ebenfalls im Jahre 2003. Andere Mandate, etwa im Kontrollgremium von Preussag oder Ruhrgas, wird Liesen zu Ende führen. Sollte sein Rat auch später noch benötigt werden, würde er sich er für gewisse Übergangsfristen sicher nicht verweigern. Im Prinzip aber hält der Manager den Zeitpunkt für gekommen, den Rückzug zu starten.

Doch auch danach dürfte der Elder Statesman der deutschen Wirtschaft als Gesprächspartner hoch geschätzt sein. Dass er am Ende seiner Laufbahn als Spitzenmanager einmal in ein große Loch fallen könnte? "Bestimmt nicht," lacht Liesen und versichert: "Ich habe mich noch nie gelangweilt."

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15.04.02 05:54 #3 Von Autofreak zu Autofreak
Bernd Pischetsrieder löst Ferdinand Piëch an der Spitze von VW ab / Der Konzern ist so profitabel wie noch nie  
 
Der Anspruch an den Nachfolger ist schlicht: "Er muss besser sein als ich." Aber ist das möglich? Schließlich hält sich Porsche-Enkel Ferdinand Piëch für einen der Größten in der Autoindustrie. Doch 1998 bemerkte der VW-Chef Piëch, dass da einer noch etwas schlauer war als er selbst. Als Piëch für rund anderthalb Milliarden Mark dem damaligen BMW-Chef Bernd Pischetsrieder die Luxusmarken BMW und Rover vor der Nase wegschnappte, trickste ihn der Münchener aus: Die Markenrechte an Rolls-Royce fallen 2003 an BWM. Dieser Sieg Pischetsrieder beeindruckte den VW-Chef deutlich mehr als das Debakel bei der britischen Tochter Rover, die BMW viele Milliarden und den BMW-Chef Pischetsrieder den Job in München kostete. "Mir ist einer lieber, der einmal woanders vom Pferd gefallen ist. Dann kann das bei uns nicht mehr passieren", sagte Piëch und holte Pischetsrieder nach Wolfsburg.

Am Dienstag wird Pischetsrieder Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, dem größten Autohersteller Europas. Piëch wechselt an die Spitze des Aufsichtrats. Wenn ein Autofreak einen anderen ablöst, gibt es eigentlich wenig Grund zur Aufregung. Der Maschinenbauingenieur Pischetsrieder, dessen erstes Wort nach Angaben der Mutter Auto gewesen ist, gilt als ebenso PS-verrückt wie der Maschinenbauingenieur Pïech, der Benzin im Blut haben soll.

Als Wildschwein durchgeschlagen

Und doch ist es kein normaler Machtübergang. Dafür war die Ära Piëch zu aufregend, dafür ist VW zu wichtig und sind Piëch und Pischetsrieder zu interessant. 1993, als Piëch nach Wolfsburg kam, sah er sich als "Krieger" im Kampf des Abendlandes gegen die japanische Bedrohung; wenn die Schlacht verloren geht, "werden auf unseren Stühlen Asiaten sitzen". Etwas Paranoides hat er immer gehabt, der Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche. Die Porsche-Tochter Luise heiratete in Österreich den Anwalt Anton Piëch. Eines von vier Kindern aus dieser Beziehung war Ferdinand, der nach dem frühen Tod des Vaters in einem Internat untergebracht wurde und der Jahrzehnte später von sich sage sollte, er "sei als Hausschwein aufgezogen worden und müsse als Wildschwein leben". Er hat es nicht leicht gehabt auf dem Weg nach oben, aber "unfallfreies Hochhüpfen hebt nicht die Leistungsfähigkeit". Extrem misstrauisch schlug sich der Einzelkämpfer durch. "Vieles ist nur im Alleingang möglich, weil man sich nicht verlassen kann." Insbesondere in der ersten Zeit bei VW sah sich der neue Chef von Versagern und Verrätern umstellt. "Feiglinge", seien die VW-Manager, "die abducken, wenn ein Fehler passiert". Über ein Dutzend Top-Manager verloren 1993/94 ihren Job. "Entweder es stimmen die Zahlen, oder ich will neue Gesichter sehen." Ein paar Führungskräfte begehrten auf und schrieben einen Brief an VW-Aufsichtsratchef Klaus Liesen: Der Konzern werde "von einem Mann mit psychopathischen Zügen geführt".

Doch die Zahlen stimmten. Als Piëch kam machte VW so viel Verluste wie noch nie, jetzt verabschiedet er sich mit einem Rekordergebnis. Piëch holte den Kostenkiller Jose López von General Motors und handelte sich damit eine Affäre um Industriespionage ein. Nach mehrjährigem Streit musste López gehen, VW zahlte 100 Millionen Dollar an GM und verpflichtete sich zum Kauf von GM-Autoteilen im Wert von einer Milliarde Dollar. Beinahe hätte López auch Piëch den Job gekostet. Mit Hinweis auf die aussterbende britische Autoindustrie orakelte der VW-Chef damals: "Mit einem Abgang des Gespanns Piëch/López würde in Deutschland die englische Krankheit ausbrechen, nicht nur bei VW. Die Gegner hätten einen Krieg gewonnen."

López und seine Gehilfen brachten Einkauf, Produktion und Organisation in Schwung; VW sparte Milliarden und erhöhte die Produktivität. So dauerte bei Piëchs Amtsantritt die Montage eines Golf 42 Stunden, ein paar Jahre später waren es nur noch 30 Stunden. Doch nun wurden entsprechend weniger Mitarbeiter gebraucht. Um die Entlassung von rund 30 000 Beschäftigten zu vermeiden, führte VW die Vier-Tage-Woche ein. Das war der Einstieg in die "atmende Fabrik", die eine variable Produktion je nach Auftragslage erlaubt. Enormes Sparpotenzial ergab schließlich die Plattformstrategie, die eine Globalisierung und Erweitung der Modellpalette auf der Basis weniger Grundkonzepte erlaubt. In vergleichbaren Fahrzeugen wie VW-Golf, Skoda-Oktavia oder Audi A3 werden identische Teile eingesetzt. Das ist übrigens auch die Methode, mit der Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp die Konzernmarken Chrysler und Mitsubishi sanieren will.

Piëchs herausragende Leistung ist die Positionierung von Volkswagen in den höheren Klassen. Er kaufte Bentley, Bugatti und Lamborghini und baute in Dresden eine "Gläserne Manufaktur" für die Montage des VW-Oberklassemodells Phaeton. Damit greift VW im oberen Marktsegment Mercedes an, nachdem die Stuttgarter vor fünf Jahren mit der A-Klasse den Golf attackierten. Der Aufstieg des Konzerns in ungewohnte Bereiche hat Milliarden Euro gekostet. Und die Plattformstrategie führte zu vielen sehr ähnlichen Autos. "Ich halte es für absoluten Wahnsinn, wenn jede Marke ähnliche Produkte baut, aber VW kein Coupé, keinen Pickup, keinen Minivan und keinen bezahlbaren Geländewagen anbietet", schimpfte der bei VW traditionell mächtige Betriebsratschef Klaus Volkert.

Pischetsrieder sieht das genauso. "Man muss in der Polo-Klasse nicht drei Stufenheck-Autos von Seat, Skoda und VW anbieten", sagt er und beklagt, dass die Konzernmarken nur 75 Prozent des Autombilmarktes abdecken. Pischetsrieder strebt 85 bis 90 Prozent an. Seitdem der Bayer im vergangenen Herbst als Piëch-Nachfolger nominiert wurde, gibt er in Wolfsburg den Ton an. Er veranlasste die Konzernteilung in zwei Markenfamilie: Audi, Lamborghini und Seat sind künftig die Südmarken und VW, Bentley und Skoda die Nordmarken. Pischetsrieder selbst leitet die VW-Gruppe und hat alle wichtigen Kontrollfunktionen im Konzern besetzt. Anders als Piëch vor neun Jahren wird Pischetsrieder kaum Köpfe rollen lassen. Der freundliche und auf Harmonie bedachte Bayer ist als Fachmann unumstritten. Seine Leidenschaft für das Angeln passt zur der Ruhe und Gelassenheit, die der neue VW-Chef ausstrahlt. "Man darf jeden Fehler machen, aber nicht zweimal", sagt Pischetsrieder im Rückblick auf das missglückte Rover-Engagement. Bei VW bekommt er nun seine zweite Chance. Unter der Kontrolle von Ferdinand Piëch.  

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16.04.02 19:50 #4 Von Techniker zu Techniker
(SZ vom 17.04.02) - Mit Lob wurde auf der Volkswagen-Hauptversammlung nicht gespart, und der scheidende Konzernchef Ferdinand Piëch hat es verdient. Aus dem „Schrotthaufen“, der ihm vor neun Jahren übergeben wurde, hat er einen ertragsstarken, innovativen und vor allem krisenfesten Konzern gemacht.

Die Technologie aus dem Hause VW setzt Maßstäbe für eine ganze Branche – egal, ob es um Spritsparer oder Luxus-Kraftpakete geht, um Materialien oder Motoren. In Wolfsburg wurden Personal- und Produktionskonzepte entwickelt, mit denen der einst schwerfällige Koloss aus der Provinz jetzt viel flexibler auf Schwankungen der Nachfrage reagieren kann.

Auch die Tarifmodelle von VW haben sich als wettbewerbsfähig erwiesen. Piëch hat das alles nicht allein geschafft. Er hat die richtigen Leute ins Team geholt, und erst mit dieser Truppe war der Turnaround auf vielen Ebenen gleichzeitig zu schaffen.

Wunsch an den Nachfolger

Auch wenn die Verkaufszahlen derzeit ziemlich unerfreulich sind: Im Ganzen bekommt Bernd Pischetsrieder ein aufgeräumtes Haus übergeben und kann unbelastet von Sanierungsarbeiten ans eigene Gestalten gehen. Der Nachfolger solle besser sein als er selbst, hat Piëch diesem mit auf den Weg gegeben – ein Wunsch von Techniker zu Techniker.

Das ist ein wichtiger Punkt bei diesem Wechsel, der für VW ein Einschnitt ist: Piëch hat technisch Großes geleistet und kann sicher sein, dass der technisch ebenso versierte Pischetsrieder diesen Vorsprung nicht verspielt. Was Pischetsrieder besser machen kann, sind vor allem Integrations-, Konsolidierungs- und Börsenthemen.

Auch die Börse ist gespannt

Das Mix von Modellen, Marken, Fabriken und Standorten muss übersichtlicher und effizienter gestaltet werden. Unter Piëch hat sich VW auf größte Breite gespreizt und gezeigt, was alles machbar ist. Jetzt kann Überflüssiges gestrichen und Übertriebenes zurückgedreht werden.

Große Erwartungen werden in den Neuen auch seitens der Börse gesetzt. Die Marktkapitalisierung des größten europäischen Autokonzerns ist nach wie vor dürftig. Pischetsrieder traut man durchaus zu, dass er sich besser um den Aktienkurs kümmern kann als sein Vorgänger. Hilfe dürfte er dabei aus Brüssel bekommen, wenn das völlig überholte VW-Gesetz endlich abgeschafft wird.

Dagegen sollte sich auch die niedersächsische Landesregierung nicht länger sperren. VW hat es nun wirklich nicht mehr nötig, dass ständig ein schützendes staatliches Händchen über den deutschen Standorten wacht. Erst wenn auch noch dieser Rest provinzieller Kleingeist-Ängstlichkeit fällt, hat VW wirklich Weltklasse.  

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16.04.02 20:06 #5 Hatte Pischetsrieder nicht BMW auf dem Gewiss.
 
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18.04.02 06:00 #6 Löschung

Moderation
Moderator: nb
Zeitpunkt: 02.03.12 12:20
Aktion: Löschung des Beitrages
Kommentar: Löschung auf Wunsch des Verfassers

 

 

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