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Wie die Zukunft Angela Merkels die europäischen Märkte beeinflussen könnte




09.11.18 11:55
Franklin Templeton

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Märkte haben Spekulationen über die Zukunft der deutschen Kanzlerin Angela Merkel weitgehend gelassen hingenommen, nachdem diese angekündigt hat, ihren Posten als Vorsitzende der Christlich Demokratischen Union niederlegen zu wollen; David Zahn, Head of European Fixed Income von Franklin Templeton, ist jedoch der Ansicht, dass ihre Entscheidung schon in nicht allzu ferner Zukunft sowohl politische als auch wirtschaftliche Konsequenzen haben könnte.

Die Experten von Franklin Templeton hätten schon seit langem die Einschätzung vertreten, dass die Richtung der europäischen Rentenmärkte vor allem durch politische Entwicklungen und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bestimmt werde. Die jüngsten Ereignisse in Europa hätten wenig dazu beigetragen, die Experten von diesem Glauben abzubringen.

Die Entscheidung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, als Vorsitzende der Christlich Demokratischen Union (CDU) zurückzutreten, hat aus unserer Sicht potenziell erhebliche Auswirkungen auf die politische und geldpolitische Lage in Europa, so die Experten von Franklin Templeton.

Die Reaktion der Märkte auf die Meldung sei bislang eher gedämpft ausgefallen. Die aktuelle Amtszeit Merkels als Kanzlerin laufe noch bis 2021, und sie erkläre, diese auch zu Ende bringen zu wollen. Viele Beobachter, darunter auch die Experten von Franklin Templeton, würden jedoch bezweifeln, ob dies wirklich machbar sein werde. Die Experten von Franklin Templeton seien der Ansicht, dass sich die Folgen dieser Entwicklung schon in Kürze abzeichnen könnten.

Das Augenmerk habe sich schnell darauf verlagert, wer an die Spitze der CDU nachrücken werde und wie er oder sie die politische Entwicklung in Deutschland verändern könnte. Die Wahl zur Nachfolge von Frau Merkel als CDU-Vorsitzende finde im Dezember statt, aber bereits heute hätten mehrere - teils mehr, teils weniger bekannte - Parteimitglieder ihre Kandidatur angekündigt.

Wir fragen uns, wie lange ein neu gewählter CDU-Vorsitzender wohl bereit wäre, Frau Merkel als amtierende Kanzlerin zu unterstützen, somit würde es uns nicht überraschen, wenn sie ihr Amt schon vor 2021 niederlegen würde, so die Experten von Franklin Templeton.

In Deutschland sehe man - genau wie in mehreren anderen Ländern auch - eine zunehmende politische Aufspaltung. Die Wähler würden die traditionellen Parteien der Mitte verlassen und sich vermehrt den extremeren Gruppierungen am rechten und linken Rand des politischen Spektrums zuwenden. Dies dürfte auch die Richtung beeinflussen, die der Nachfolger von Frau Merkel einschlage.

Zwei Grundkonzepte, die die Politik Merkels geprägt hätten, seien ihre Unterstützung von Immigration sowie ihre Befürwortung einer Integration mit Europa gewesen. Meinungsumfragen und die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen würden jedoch darauf hindeuten, dass diese Ansichten bei deutschen Wählern nicht allzu gut ankämen.

Daher vermuten wir, dass ihr Nachfolger bezüglich einer weiteren europäischen Integration weniger enthusiastisch sein dürfte als es Frau Merkel bislang war, so die Experten von Franklin Templeton. Das bedeute nicht, dass die Experten von Franklin Templeton mit einer europafeindlichen politischen Spitze in Deutschland rechnen würden. Aber vielleicht sei die neue Führung nicht ganz so europafreundlich wie es die jüngsten Regierungen gewesen seien. Diese mögliche Änderung der Haltung habe vor allem Auswirkungen auf die Möglichkeit eines Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union (EU) und Großbritannien im Nachgang des Brexit.

Aufgrund seiner starken Exportorientierung sei Deutschland eines der Länder, die am stärksten vom Brexit betroffen sein dürften. Daher würde man erwarten, dass sich Deutschland für eine Einigung zwischen Großbritannien und der EU einsetze. Die Fähigkeit Deutschlands, andere Länder zu beeinflussen, könnte durch die verminderte Rolle von Frau Merkel jedoch geschwächt werden.

Seit Jahren werde Frau Merkel de facto als die politische Anführerin Europas gesehen, die eine klare Richtung vorgebe. Wenn ihre Position geschwächt werde und niemand anderes mit klarem Führungsanspruch an ihre Stelle trete, könnte es schwieriger werden, innerhalb des Wirtschaftsblocks eine Einigung zu erzielen. Der französische Präsident Emmanuel Macron arbeite daran, sich in einer paneuropäischen Führungsrolle zu etablieren, habe jedoch noch ein gutes Stück Weg vor sich.

Wir gehen auch weiterhin davon aus, dass es im Nachgang des Brexit ein Abkommen zwischen Großbritannien und der EU geben wird, erkennen jedoch auch, dass die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Szenarios inzwischen deutlich höher ist als vor der Ankündigung Merkels, so die Experten von Franklin Templeton.

Unterdessen könnte das politischen Schicksal Frau Merkels auch indirekte Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Geldpolitik innerhalb der Eurozone haben. Die Amtszeit des aktuellen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi laufe Ende nächsten Jahres aus, und es werde bereits heute darüber spekuliert, wer seine Nachfolge antreten könnte.

Einer der am häufigsten gehandelten Kandidaten sei der Vorsitzende der Bundesbank Jens Weidmann. Seine Aussichten auf den Spitzenposten seien allerdings gesunken, nachdem gemeldet worden sei, dass Frau Merkel seine Kandidatur nicht unterstützen werde. Eine Änderung in der politischen Führungsriege in Berlin könnte die Aussichten für Weidmann nun wieder verbessern.

Die Experten von Franklin Templeton würden nicht mit einer dramatischen Richtungsänderung der EZB rechnen, ganz gleich wer als nächstes ihren Vorsitz übernehme. Sie würden jedoch davon ausgehen, dass der nächste Präsident versuchen dürfte, der Rolle seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Angesichts des ordentlichen Wachstums und der niedrigen Inflation in der Eurozone würden die Experten damit rechnen, dass die Geldpolitik der Region auch weiterhin locker bleiben werde. Wie locker sie genau bleibe, könnte sich jedoch durchaus ändern.

Die jüngsten regionalen Wahlergebnisse der Parteien, die die Koalitionsregierung in Deutschland bilden würden, hätten deutlich gemacht, dass eine politische Richtungsänderung in Berlin erforderlich sei. Das dürfte aus Sicht der Experten wohl der Grund sein, warum die Ankündigung Merkels keine höheren Wellen geschlagen habe.

Während sich die Lage in den kommenden Monaten jedoch weiterentwickle, würden die Experten von Franklin Templeton mit sehr viel deutlicheren Konsequenzen rechnen. Ob diese letztlich positiv oder negativ ausfallen würden, werde von der Sichtweise der neuen Regierung abhängen. (Ausgabe vom 05.11.2018) (09.11.2018/ac/a/m)







 
 
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