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Indien: Regierung sieht kaum Spielraum, der Wirtschaft zu helfen




12.02.20 11:28
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Am 1. Februar hat die indische Regierung den Haushaltsentwurf für das kommende Fiskaljahr vorgestellt, das am 1. April beginnt, so die Analysten der DekaBank.

Das Defizit solle bei 3,5% des BIP liegen. Im laufenden Fiskaljahr werde ein Defizit von 3,8% des BIP erwartet (Zentralstaat). Die Regierung wolle damit das Kunststück vollbringen, den Haushalt zu konsolidieren und gleichzeitig die schwächelnde Wirtschaft anzuschieben. Am indischen Aktienmarkt habe man in dem Haushaltsentwurf vor allem Maßnahmen zur Stärkung des Bankensystems vermisst. Die Schwäche der Banken und die damit einhergehende Zurückhaltung in der Kreditvergabe würden zu den wichtigsten Gründen für die schwache Wirtschaftsentwicklung zählen.

Anstatt angeschlagenen Instituten neues Kapital zuzuführen, sollten eine Bank und eine Versicherung veräußert werden, um den Staatshaushalt zu entlasten. Dieser Weg könne angesichts bescheidener Erfolge der indischen Staatsbanken den Sektor mittelfristig stärken, doch kurzfristig stehe vor allem das Signal, dass die Wirtschaft von der Regierung gegenwärtig nicht viel Unterstützung erwarten könne. Auch die Geldpolitik sehe sich in ihrem Spielraum beschränkt, da die Inflationsrate im Dezember auf 7,4% gestiegen sei und damit deutlich über den oberen Rand des Zielbands von 2 bis 6% hinaus.

So habe die Notenbank den Leitzins auf ihrer Februarsitzung unverändert bei 5,15% gehalten. Allerdings habe sie überraschend angekündigt, den Banken ab dem 15. Februar Langfristtender über ein Jahr und drei Jahre zur Verfügung stellen zu wollen. Die Banken könnten sich die gegenwärtigen Zinsen damit für einen längeren Zeitraum sichern. Dies habe einen deutlichen Rückgang der Renditen von kurzlaufenden Anleihen zur Folge gehabt und damit den Zweck erfüllt, die Geldpolitik zu lockern, ohne den Leitzins zu senken.

Die jüngsten Daten würden darauf hindeuten, dass sich die Wirtschaft zu Beginn des neuen Jahres auch ohne starke fiskal- und geldpolitische Impulse erholen könnte. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei im Januar von 52,7 auf 55,3 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit Anfang 2012 gestiegen. Der Index für das Dienstleistungsgewerbe habe ähnlich stark von 53,3 auf 55,5 Punkte zugelegt. Eine Verbesserung der Konjunkturdynamik, wie sie sich hier andeute, entspreche dem Hauptszenario der Analysten. Die Analysten würden allerdings skeptisch bleiben, ob die Wirtschaft 2020 und 2021 zu Raten um 7% zurückkehren werde.

Indien dürfte mittelfristig die wachstumsstärkste aller großen Volkswirtschaften sein. Dies ändere jedoch nichts an den grundlegenden Problemen des Landes. So gebe es große Mängel in der Infrastruktur, im Bildungswesen und in der öffentlichen Verwaltung. Das Leistungsbilanzdefizit setze zudem inlandsgetriebenem Wachstum gewisse Grenzen. Ein wichtiger Pluspunkt sei die Glaubwürdigkeit, die die Zentralbank in den vergangenen Jahren gewonnen habe, da hierdurch die Inflationsbekämpfung erleichtert werde.

S&P und Fitch würden indische Fremdwährungsverbindlichkeiten mit Baa3/BBB- im untersten Bereich des Investment Grade einstufen. Moody's habe das Rating 2017 um eine Stufe auf Baa2 heraufgestuft und damit den stabilitätsorientierten geld- und fiskalpolitischen Kurs sowie die strukturellen Reformen gewürdigt. Im November 2019 habe die Agentur jedoch den Ratingausblick auf negativ verändert und dies vor allem mit dem schwachen Wirtschaftswachstum begründet.

Weitere Schwachpunkte im Bonitätsprofil seien die Schwäche des Exportsektors und die Abhängigkeit von Energieimporten. Beides trage zum Leistungsbilanzdefizit bei, das die Nettovermögensposition gegenüber dem Ausland kontinuierlich verschlechtere. Die Spannungen zwischen Indien und Pakistan seien nach Aufhebung des Sonderstatus für die Region Kaschmir deutlich gestiegen. (Ausgabe vom 07.02.2020) (12.02.2020/ac/a/m)






 
 
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