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Türkei: Wirtschaft mit gelungenem Jahresauftakt




14.03.18 10:45
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der Jahresstart der türkischen Wirtschaft ist geglückt: Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg im Januar auf 55,7 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit sieben Jahren, so die Analysten der DekaBank.

Im Februar habe sich der Index mit 55,6 Punkten auf dem hohen Niveau gehalten. Die Industrieproduktion habe im Januar um 8,7% zugelegt. Die Touristenzahl habe im Januar bei 2,6 Mio. und damit 38,5% über dem Vorjahrestand gelegen. Dies sei der höchste Januarwert der türkischen Tourismusgeschichte gewesen. Das starke Wirtschaftswachstum habe allerdings negative Begleiterscheinungen: So habe die Inflationsrate im Februar bei 10,3% gelegen. Dies bedeute zwar einen Rückgang gegenüber dem Hochpunkt im November (13,0%), doch bleibe die Rate deutlich über dem oberen Rand des Zielkorridors (3% bis 7%).

Auch das Leistungsbilanzdefizit bleibe durch die starke Inlandsnachfrage hoch. Nach 5,5% des BIP in 2017 dürfte der Wert im laufenden Jahr mit 5% kaum darunter liegen, obwohl die deutliche Lira-Abwertung die Exporte stütze und die Importe verteuere. Die Türkische Zentralbank erscheine angesichts dieser Ungleichgewichte nicht sonderlich besorgt. Sie habe auf ihrer Februarsitzung den Lombardsatz, zu dem sich Banken gegenwärtig Liquidität besorgen würden, bei 12,75% belassen. Ihre Kommunikation lasse zwar die Möglichkeit einer weiteren Zinsanhebung offen, doch dies erscheine nur dann wahrscheinlich, wenn die Inflationsrate nochmals über 11% steigen sollte, was die Analysten für die kommenden Monate nicht erwarten würden. Die Währungshüter hätten sich offenbar damit abgefunden, ihr Inflationsziel nicht so bald zu erreichen.

Trotz dieser wenig strikten Haltung habe sich die Türkische Lira seit Ende November auf niedrigem Niveau stabilisiert. Daran habe auch die Rating-Herabstufung durch Moody's am 7. März nichts geändert. Moody's habe den Schritt mit den altbekannten Problemen begründet: Die Institutionen seien in den vergangenen Jahren nachhaltig geschwächt worden und das Leistungsbilanzdefizit führe dazu, dass das Land anfällig für Phasen der Unsicherheit an den internationalen Kapitalmärkten bleibe.

Die Wirtschaft sei in den vergangenen Jahren immer wieder durch innen- und außenpolitische Unsicherheiten belastet worden. Gemessen an diesen Belastungen habe sie sich robust gezeigt und dürfte mittelfristig Wachstumsraten von 4% bis 5% aufweisen. Ein Problem sei die hartnäckig hohe Inflation, die noch für längere Zeit eine restriktive Geldpolitik notwendig mache. Das hohe Leistungsbilanzdefizit sei der wichtigste Schwachpunkt in der Bonitätsbewertung der Türkei.

Der Militäreinsatz gegen die Kurden in Nordsyrien belaste aufgrund der zivilen Opfer das Verhältnis zu den USA und der EU, doch auch Russland könnte seine Kritik verstärken. Ein EU-Beitritt erscheine derzeit angesichts der Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Türkei nicht realistisch, insbesondere das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland sei beschädigt. Trotz der außenpolitischen Annäherung an Russland dürfte es aus der türkischen Wirtschaft ausreichend Druck geben, den Bogen im Verhältnis zur EU als wichtigstem Handelspartner nicht zu überspannen.

Politische Fehlentwicklungen, schwaches Wirtschaftswachstum und das chronisch hohe Leistungsbilanzdefizit hätten dazu geführt, dass die drei großen Ratingagenturen die Türkei in den in den vergangenen Jahren herabgestuft hätten, zuletzt Moody's im März auf Ba2. Die Türkei habe dadurch bei Moody's und Fitch den Investment-Grade-Status verloren, den sie zwischen 2012 und 2013 erhalten habe. Der Ausblick werde vom autokratischen Stil des Präsidenten und anhaltenden außenpolitischen Spannungen belastet. Allerdings spreche die Wirtschaftslage gegen weitere Herabstufungen: Die Staatsfinanzen seien unter Kontrolle und die Wirtschaft habe sich schneller als erwartet erholt. Größter Schwachpunkt bleibe das hohe Leistungsbilanzdefizit. (Ausgabe vom 13.03.2018) (14.03.2018/ac/a/m)







 
 
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