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Russland: Wieder "Investment Grade"




14.03.18 10:28
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Pünktlich zu den Präsidentschaftswahlen am 18. März scheint Russland die wirtschaftliche Stagnation der zweiten Jahreshälfte 2017 hinter sich gelassen zu haben, so die Analysten der DekaBank.

Im Januar habe die Industrieproduktion mit 2,9% yoy wieder eine positive Wachstumsrate ausweisen können, auch der Einzelhandel habe mit einem Zuwachs von 2,8% yoy positiv überrascht. Der Februar-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe, der deutlich auf nur 50,2 Punkte zurückgegangen sei, lasse allerdings daran zweifeln, ob diese Dynamik auch im Frühjahr noch anhalten werde. Im Gegensatz dazu konnte der PMI für Dienstleistungen wieder auf 56,5 Punkte zulegen und unterstützt die Prognose der Analysten der DekaBank einer moderaten Wachstumsbeschleunigung auf 1,7% in diesem nach 1,5% im letzten Jahr.

Von einer anziehenden Inflationsdynamik fehle derweil jede Spur: Auch im Februar sei die monatliche Teuerungsrate mit 0,2% deutlich unter dem Niveau von 2017 geblieben, sodass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr nur um 2,2% yoy zugenommen hätten. Die neue taubenhafte Haltung der Russischen Zentralbank passe gut zur Gesamtentwicklung. Die Analysten der DekaBank erwarten noch 100 Bp an Zinssenkungen in diesem Jahr, die sich eher auf das erste Halbjahr konzentrieren dürften, weil ab Spätsommer/Herbst die Inflationsraten aufgrund der Basiseffekte zunehmen sollten. Bei der nächsten Zentralbanksitzung am 23. März würden die Analysten einen Schritt nach unten um 25 Bp auf 7,25% erwarten.

Das Wachstumspotenzial sei in Russland wegen der demographischen Situation und der niedrigen Produktivitätsgewinne, die auf geringe Investitionen zurückzuführen seien, mit ca. 1,5% verhalten. Sowohl die Geld- als auch Fiskalpolitik seien in erster Linie auf Stabilität bedacht und würden keine positiven Impulse für die Konjunktur liefern. Der zur Erhöhung des Potenzialwachstums dringend notwendige Reformprozess werde durch den mangelnden Willen der Machthaber behindert. Das internationale Sanktionsregime verstärke Russlands wirtschaftliche Isolation.

Ende Januar habe das US-Finanzministerium mehrere Papiere veröffentlicht, die sich mit einer möglichen Ausweitung der US-amerikanischen Wirtschaftssanktionen beschäftigen würden. Die lange Liste der "wichtigen Russen" biete kaum eine Grundlage für individuelle Sanktionen, weil sie nach formellen Merkmalen erstellt worden sei und keinerlei Unterscheidung nach Nähe zu Wladimir Putin beinhalte. In Bezug auf die Einschränkung im Bereich der russischen Staatsanleihen habe das Finanzministerium darauf hingewiesen, dass sich hierdurch für US-amerikanische Finanzinstitute Wettbewerbsnachteile ergäben und solche Maßnahmen nur in Koordination mit der EU erfolgen sollten. Ein Teil der Untersuchungen sei als "geheim" klassifiziert. Die veröffentlichten Stellen würden jedoch vermuten lassen, dass aktuell keine signifikante Ausweitung der Sanktionen bevorstehe, auch wenn das Verhältnis zwischen Russland und den USA weiterhin angespannt bleibe.

Die gesunkene Unsicherheit in Bezug auf die Sanktionen zusammen mit den soliden Staatsfinanzen und der niedrigen externen Verschuldung habe dazu geführt, dass Standard & Poor's das Fremdwährungsrating Russlands Ende Februar von auf BBB- angehoben habe. Damit würden zwei der drei Ratingagenturen Russland nun wieder im Investment Grade einstufen. Nur noch das Rating von Moody's liegt noch im spekulativen Bereich, die Analysten der DekaBank erwarten aber, dass auch das im Jahresverlauf angehoben wird.

Die neue fiskalische Regel, nach der der Budgetplanung ein Ölpreis von 40 USD/Fass zugrunde gelegt werde und aus Mehreinnahmen der Ölfonds aufgestockt werde, bedeute eine sehr konservative Budgetplanung und unterstütze die Einstufung als Investment Grade.

Von der Präsidentschaftswahl am 18. März seien keine Überraschungen zu erwarten: Wladimir Putin dürfte in der ersten Runde für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt werden. (Ausgabe vom 13.03.2018) (14.03.2018/ac/a/m)







 
 
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