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Makroökonomie: Fehlsignale?




13.03.18 14:00
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.aktiencheck.de) - Der am Freitag veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht wurde von den Märkten voller Spannung erwartet, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artarz, Cross Asset Manager bei La Financière de L'Echiquier.

Der letzte Bericht vor einem Monat habe eine heftige Korrektur an den Aktienmärkten ausgelöst, da die Anleger wegen des unerwartet starken Anstiegs der Stundenlöhne in Sorge geraten seien. Da dieser Anstieg die massiven Erhöhungen des Mindestlohns, die nach der Verabschiedung der Steuerreform angekündigt worden seien, nur teilweise beinhaltet habe, seien ein neuerlicher Anstieg der Löhne und möglicherweise sogar eine erneute Überraschung zu erwarten gewesen.

Eine Überraschung habe es tatsächlich, jedoch im negativen Sinne gegeben. Während die Konsenserwartungen von einem monatlichen Lohnanstieg von 0,3% ausgegangen seien, habe dieser nur bei 0,1% gelegen. Dagegen habe der andere Teil des Berichts das anhand der geschaffenen Stellen und der geleisteten Wochenstunden gemessene "Volumen" der Arbeit abgebildet und sogar überrascht: Die Zahl der neuen Stellen habe mit einer Aufwärtskorrektur der Zahlen des Vormonats nicht wie erwartet bei 205.000, sondern bei 313.000 gelegen. Die wöchentliche Arbeitszeit habe 34,5 Stunden bei erwarteten 34,4 Stunden betragen.

Nach der Bekanntgabe dieser unerwartet guten Zahlen seien die langfristigen Zinsen gestiegen und die Märkte hätten sich erholt. Aus gutem Grund: Solche Zahlen würden ein positives Szenario des Zinsanstiegs sowie der Folgen der Steuerreform vermitteln, eines Szenarios, bei dem die Aussichten auf eine Zunahme des Wachstums die Unternehmen zu massiven Einstellungen veranlassen würden, während sie zugleich die Arbeitsproduktivität verbessern und mehr investieren würden. Dies könnte zu einer Erhöhung des potenziellen Wachstums führen und würde einen Anstieg der langfristigen Nominalzinsen bewirken, der durch die Erhöhung der Realzinsen und nicht der Inflation bedingt sei. Mit 313.000 Neueinstellungen in dieser Phase des Zyklus - gegenüber durchschnittlich 200.000 seit Ende 2010 - und zugleich einem auf 0,1% begrenzten monatlichen Lohnanstieg erscheine die Konstellation für einen Zinsanstieg ohne Belastungen für die Aktienmärkte perfekt.

Dieser erste Eindruck müsse jedoch differenziert werden. Eine der Erklärungen für die schwache Lohninflation in den USA im Jahr 2017 laute, dass der wesentliche Teil der Neueinstellungen in den letzten Quartalen Arbeitslose betroffen habe, die seit langem fern des Arbeitsmarktes gewesen seien und mäßige Löhne akzeptiert hätten. Dies habe zu einem nur geringen Anstieg des durchschnittlichen Stundenlohns geführt, während der Medianlohn im Einklang mit dem Arbeitsmarkt zugelegt habe. In den Februar-Zahlen könnte sich dieses Phänomen in zwei auffälligen Punkten niederschlagen: In einer äußerst hohen Zahl neu geschaffener Stellen, die fast 50% über dem Durchschnitt der letzten acht Jahre liege, und in einer von 62,7% auf 63% gestiegenen Erwerbsquote, d. h. dem stärksten monatlichen Zuwachs seit April 2010. Anders gesagt gehe es um massive Einstellungen einer arbeitsmarktfernen Bevölkerungsgruppe, die bei Lohnverhandlungen nicht die gleiche Position wie etablierte Arbeitnehmer habe.

Dies sei eine wichtige Klarstellung, denn hohe Lohninflationszahlen, die für die Märkte eine neue Belastung darstellen könnten, seien künftig nicht ausgeschlossen, sobald diese Phase massiver Einstellungen verdaut sei. (13.03.2018/ac/a/m)






 
 
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