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Mit ökonomisch hoher Drehzahl auch die politischen Probleme in Euroland lösen




10.10.17 12:52
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.aktiencheck.de) - Die Konjunktur brummt, in Euroland genauso wie global, so Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG.

Dabei verstärke sich der Aufschwung dadurch, dass alle großen Volkswirtschaften synchron expandieren würden und exogene Schocks bislang ausbleiben würden. In der ersten Jahreshälfte am meisten überrascht habe die positive Entwicklung vor allem in der Währungsunion, die über Jahre lang wirtschaftlich vor sich hingesiecht und politisch vor schwierigen Herausforderungen gestanden habe. Die Zeit positiver Überraschungen dürfte vorerst zu Ende sein.

Mit "Europe First" hatten die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG seit Frühjahr ihrer optimistischen Einschätzung gegenüber der Währungsunion Ausdruck verliehen. Dies habe gleichsam Skepsis gegenüber den Entwicklungen in den USA ausgedrückt, als auch ein Vertrauen in die unterschätzte Stabilität in Europa. Inzwischen seien die Analysten neutraler geworden. Gleichwohl hätten sie ihre Wachstumsprognose für Euroland noch einmal auf 2,1% in diesem und 2,0% im nächsten Jahr erhöht. Werte, die wir für realistisch halten, die aber auch eine so hohe Drehzahl für die Wirtschaft mit sich bringen, dass wir darüber hinausgehenden Überraschungen nur eine geringe Chance geben, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG. Hohes Wachstum bei noch geringen Lohnsteigerungen dürfte dazu führen, dass auch die Unternehmensgewinne ordentlich weiter wachsen würden und so die Aktienmärkte beflügeln sollten. Die Analysten würden daher weiterhin von einem Anstieg des DAX auf 13.500 Punkte und des EURO STOXX 50 auf 3.800 Punkte ausgehen.

Unsere neutralere Haltung bezüglich der Entwicklung in der Währungsunion drückt vielmehr aus, dass die nächsten Monate schwierige politische Herausforderungen mit sich bringen, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG. In Deutschland müsse sich eine neue Regierung finden, in Spanien stehe sogar die institutionelle Einheit des Landes infrage und der in Italien anstehende Wahlkampf dürfte auch für Überraschungen gut sein. Dabei helfe nicht, dass auch die Europäische Union mit den Brexit-Unsicherheiten umgehen müsse, ein Prozess, der die europäische Einheit weiter untergräbe. Populistische Regierungen in Ungarn, Polen und vielleicht demnächst in der Tschechischen Republik würden die Zentrifugalkräfte weiter fördern.

Eine wichtige Konsequenz hat dies für die Prognosen der Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG gehabt: Sie gehen nicht weiter von einer Verteuerung des Euro aus, sondern erwarten nun eine Abschwächung gegenüber dem USD auf 1,15 zum Jahresende. Freuen dürften sich darüber nicht nur die europäischen Exporteure, sondern auch die EZB. So würden sich die Inflationsperspektiven etwas aufhellen und die Entscheidung, die monatlichen Anleihekäufe deutlich zu reduzieren, sollte ihr einfacher fallen. Die Analysten würden erwarten, dass sie ihr Kaufprogramm um 9 Monate verlängere, das Kaufvolumen aber auf 20 bis 30 Mrd. Euro/Monat reduziere. Dies dürfte einen starken Zinsanstieg verhindern und dazu beitragen, dass das monetäre Umfeld zwar etwas weniger expansiv aber dennoch für die Wirtschaft sehr vorteilhaft bleibe. Eigentlich seien das gute Zeiten, um die politischen Probleme innerhalb der Währungsunion zu lösen. (10.10.2017/ac/a/m)







 
 
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