Mit dem elektronischen Auge investiert man besser




13.09.19 10:55
AnlegerPlus

München (www.aktiencheck.de) - Die auf digitale Bildverarbeitung in der Industrieproduktion spezialisierten Unternehmen leiden unter dem konjunkturellen Abschwung, so Stefan Riedel in der aktuellen Ausgabe der "AnlegerPlus News".

Einige Aktien würden jetzt antizyklische Einstiegschancen bieten. Die Experten von "AnlegerPlus" würden einen kurzen Branchenüberblick geben.

Darauf hätten die Investoren bei ISRA VISION (ISIN DE0005488100/ WKN 548810) gewartet: Mit den Ende August präsentierten Neunmonatszahlen habe das Unternehmen die Erwartungen übertroffen. Während der Umsatz um 8% auf 111 Mio. Euro vorangekommen sei, habe der Vorsteuergewinn um 19% auf 24,5 Mio. Euro zugelegt. Was den Aktienkurs in der Folge um 15% nach oben geschoben habe, sei jedoch der optimistische Ausblick gewesen. Für das am 30. September endende Geschäftsjahr 2018/19 rechne ISRA mit ähnlichen Wachstumsraten wie im abgelaufenen dritten Quartal. Im Geschäftsjahr 2019/20 solle dann aufgrund der anziehenden Aufträge wieder ein zweistelliges Wachstum bei Umsatz und Ertrag drin sein.

Mit seiner Geschäftsentwicklung hebe sich die Gesellschaft deutlich ab von der mauen Auftragslage bei Firmen, die Maschinen und Software für die industrielle Bildverarbeitung entwickeln und verkaufen würden. Sei 2017 laut Industrieverband VDMA mit einem Umsatzwachstum von 18% auf 2,6 Mrd. Euro noch ein Rekordjahr für die deutsche Bildverarbeitungsindustrie gewesen, hätten die Erlöse im darauf folgenden Jahr bereits stagniert. Wie sich die weiter rückläufige Auftragslage im Maschinenbau in diesem Jahr letztlich auswirke, müsse sich noch zeigen. Klar sei aber, dass die Geschäftsentwicklung stark an die Abnehmermärkte gekoppelt sei.

Einen Durchhänger habe auch das Geschäft von Basler (ISIN DE0005102008/ WKN 510200): Die Industriekameras der Firma kämen u.a. in der Oberflächeninspektion von Wafern, der Druckbildkontrolle in der Verpackungsindustrie oder Sortierung von Reststoffen zum Einsatz. Zudem drücke die Integration des übernommenen Bildverarbeitungsgeschäfts eines chinesischen Kooperationspartners auf die Profitabilität.

Langfristig würden jedoch Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf Inspektionssystemen für die Qualitätskontrolle basiere, in einem Wachstumsmarkt agieren. Die digitale Bildverarbeitung sei aus der industriellen Produktion nicht mehr wegzudenken. Wer Fehler in der Produktion vermeide und den Anteil der Ausschussware minimiere, gehe teuren Rückrufaktionen, Imageschäden oder Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg. Über die digitale Dokumentation würden sich Fehlerquellen lokalisieren und der Verschleiß von Maschinen schneller identifizieren lassen. Damit würden teure Stillstandzeiten wegen defekter Anlagen vermieden. Zugleich könnten Unternehmen aus der Vielzahl der ausgewerteten Daten künftige Trends für die Produktionsprozesse ableiten.

Für die lückenlose Kontrolle würden Maschinen und Roboter sehen lernen. Dabei nähmen Bildverarbeitungssysteme über hyperspektrale Kameras oder Sensoren von einem Gegenstand mehrere Bilder mit unterschiedlichen Wellenlängenbereichen auf. Dank dieser Technologie lasse sich in Branchen, in denen Stoffe und Substanzen voneinander getrennt werden müssten - etwa bei Lebensmitteln, im Recycling, Bergbau oder in der Pharmaindustrie - der digitale Qualitätscheck durchführen.

Zurück zu ISRA VISION. Die meisten Kunden der Darmstädter würden aus der Autobranche sowie der Glas- und Solarindustrie stammen. Zudem würden die ISRA-Inspektionssysteme die Produktion von Banknoten überwachen. Global top sei das Unternehmen mit seinen dreidimensionalen Augen für die robotergeführte Montage und Messtechnik. Dass die aktuelle Absatzkrise in der Autoindustrie nicht auf das eigene Geschäft durchschlage, habe laut Management einen konkreten Grund: Gerade in wirtschaftlichen Schwächephasen würden Autokonzerne verstärkt in neue Technologien investieren, die in Zukunft die Produktionskosten senken sollten.

Zwei Titel könnten für spekulative Anleger nach Einschätzung der Experten von "AnlegerPlus" aus antizyklischer Sicht interessant sein. Gemessen an den Wachstumskennziffern biete ISRA VISION das beste Risiko-Rendite-Profil. Mit einem 2020er KGV von fast 30 sei die Aktie angesichts eines durchschnittlichen Gewinnwachstums, das für die nächsten drei Jahre auf 15% geschätzt werde, allerdings nicht gerade günstig bewertet. Dafür glänze das Unternehmen mit einer im Branchenvergleich hohen operativen Marge von 22%. Dazu habe der starke Barmittelfluss im dritten Quartal die Cashposition weiter gestärkt. Man dürfe also gespannt sein, wann ISRA den schon im Frühjahr angekündigten größeren Zukauf in trockene Tücher bringe.

Noch einen Tick spekulativer sei die seit 2018 börsennotierte Aktie der STEMMER IMAGING (ISIN DE000A2G9MZ9/ WKN A2G9MZ), die vor kurzem ein neues Allzeittief erreicht habe. Die jüngsten Quartalszahlen und vor allem der Ausblick könnten aber darauf hindeuten, dass die Gesellschaft das Gröbste überstanden habe. STEMMER-Systeme kämen in der Lebensmittelindustrie, der Pharma- und Medizinbranche zum Einsatz. Das Unternehmen habe im Vorjahr die internationale Expansion durch Zukäufe in Europa forciert. Mittlerweile würden mehr als die Hälfte der Erlöse aus dem Ausland stammen. Dazu liege die Eigenkapitalquote bei strammen 85% und die Verschuldung sei extrem gering. (Ausgabe 9/2019) (13.09.2019/ac/a/m)







 
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