Erweiterte Funktionen


Russland: Pessimismus vor der Fußball-Weltmeisterschaft




13.06.18 12:12
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Im ersten Quartal 2018 ist die russische Wirtschaft nach den ersten Schätzungen wieder zum positiven Wachstum im Quartalsvergleich zurückgekehrt: Im Vorjahresvergleich ist die Wirtschaft um 1,3% expandiert, so die Analysten der DekaBank.

In den Aprilzahlen zur Industrieproduktion und zum Einzelhandel, die positiv ausgefallen seien, sei der Effekt der neuen US-amerikanischen Sanktionen noch nicht zu spüren gewesen. Doch der Ausblick für den Mai habe sich eingetrübt: Der Einkaufsmanagerindex im Verarbeitenden Gewerbe sei zum ersten Mai seit Mitte 2016 unter die Expansionsmarke von 50 Punkten gefallen und auch der Index für den Dienstleistungssektor sei erneut gesunken. Die geringen Aussichten auf ein gutes Abschneiden der russischen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft seien es nicht alleine, die zur schlechten Stimmung beigetragen hätten.

Die Auftragslage, insbesondere im Exportbereich, habe sich verschlechtert und auch die Inputpreise seien stark angestiegen. Die Verbraucherpreise hätten im Mai derweil unverändert bei 2,4% yoy gelegen, weil der starke Anstieg der Kraftstoffpreise durch den Rückgang der Lebensmittelpreise kompensiert worden sei. Die Leitzinsentscheidung am 15. Juni sei damit sehr knapp, denn sowohl das Wachstums- als auch das Inflationsumfeld würden eine Leitzinssenkung zulassen, während die Lage auf den Finanzmärkten jedoch recht turbulent bleibe. Die Analysten würden erwarten, dass die Russische Zentralbank das Risiko eher scheue und sich für die Beibehaltung des Leitzinses bei 7,25% entscheide.

Das Wachstumspotenzial sei in Russland wegen der demographischen Situation und der niedrigen Produktivitätssteigerungen, die auf geringe Investitionen zurückzuführen seien, mit ca. 1,5% verhalten. Der zur Erhöhung des Potenzialwachstums dringend notwendige institutionelle Reformprozess werde durch den mangelnden Reformwillen der Machthaber behindert. Das internationale Sanktionsregime verstärke Russlands wirtschaftliche Isolation. Der fiskalische Kurs bleibe auf Stabilität ausgerichtet. Die neue Regierung arbeite derzeit gleichzeitig an zwei unpopulären und lange diskutierten Vorhaben zur Sicherung der mittel- bis langfristigen Budgetzielen. Zum einen dürfte die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters von derzeit 60 (m) bzw. 55 (w) umgesetzt werden. Zum anderen solle die Ölexportsteuer durch Ölfördersteuer ersetzt werden, was dem Staatshaushalt je nach Ausgestaltung Mehreinnahmen bringe, allerdings auch die Begünstigung des Inlandmarktes abschaffe.

Die von den USA Anfang April verabschiedeten Sanktionen hätten an sich keine Auswirkungen auf die Bonitätseinschätzung des russischen Staates gehabt, selbst wenn er den betroffenen Unternehmen unter die Arme greifen müsse. Die Staatsfinanzen seien nach wie vor solide und die externe Verschuldung niedrig im Vergleich zu vielen anderen Emerging Markets. Dies habe dazu geführt, dass Standard & Poor‘s das Fremdwährungsrating Russlands Ende Februar von BB+ auf BBB- angehoben habe. Damit würden zwei der drei Ratingagenturen Russland nun wieder im Investment Grade einstufen. Doch nachdem man zum Auftakt des Jahres 2018 eine Verschärfung der Sanktionen bereits als unwahrscheinlich abgetan habe, erhöhe die Entscheidung der USA die Unsicherheit in Bezug auf mögliche weitere Strafmaßnahmen wieder erheblich.

Die US-Regierung habe zuletzt in Bezug auf die Härte der Sanktionen zwar etwas zurückgerudert, z.B. indem sie die Übergangsfristen verlängert habe, doch die Wahrscheinlichkeit für die Verschärfung des Sanktionsregimes sei hoch. Die Analysten würden nach wie vor davon ausgehen, dass die Erweiterung der Beschränkungen auf die Staatsanleihen des russischen Staates oder der Ausschluss der russischen Finanzinstitute aus dem SWIFT-Zahlungssystem zu extremen Maßnahmen zählen würden und trotz der jüngsten Eskalation unwahrscheinlich seien. (Ausgabe vom 12.06.2018) (13.06.2018/ac/a/m)






 
 
Aktien des Tages
  


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "GeVestor täglich" unseres Partners GeVestor zu.


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "Investors Daily" unseres Partners FID Verlag zu.



Aktien des Tages
  


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "GeVestor täglich" unseres Partners GeVestor zu.


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "Investors Daily" unseres Partners FID Verlag zu.

RSS Feeds




Bitte warten...