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Ölmarkt: Iran im Fokus geopolitischer Risiken




13.10.17 10:04
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Am 15. Oktober muss die US-Regierung um Präsident Trump dem US-Kongress mitteilen, ob sich der Iran an das Atomabkommen hält, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Der US-Präsident sei ein lautstarker Gegner dieses Abkommens. Trump habe den Vertrag schon während des Wahlkampfs "das schlechteste jemals ausgehandelte Abkommen" genannt. Es sei nicht auszuschließen, dass Trump das Abkommen für gescheitert erkläre und damit den Ball der Entscheidung über das Schicksal des Deals an den Kongress weitergebe. Dann müsste der US-Kongress binnen 60 Tagen entscheiden, ob neue Sanktionen gegen den Iran verhängt würden. Ob sich dafür eine Mehrheit im US-Parlament finde, sei aber fraglich. Das Abkommen aus dem Jahr 2015 erlaube dem Iran die zivile Nutzung von Kernenergie, allerdings müsse das Land sein Atomwaffenprogramm einstellen. Sieben internationale Überprüfungen hätten bislang keine Hinweise ergeben, dass sich der Iran nicht an den Deal halte.

Seit dem Ende der Sanktionen zu Jahresbeginn 2016 habe der Iran die Ölförderung von 2,8 Mio. auf 3,8 Mio. Barrel/Tag ausweiten können. Die Exporte seien seither von 1,2 Mio. auf 2,2 Mio. Barrel/Tag gestiegen. Etwa 60% des gesamten Exportvolumens würden nach Asien gehen, insbesondere nach China (600 Tsd. Barrel/Tag) und Indien (ca. 450 Tsd. Barrel). Seit dem Ende der Sanktionen sei auch verstärkt nach Europa exportiert worden, wobei der europäische Anteil etwa 25% der gesamten iranischen Ölexporte ausmache.

Das größte Risiko für den Iran im Falle einer Wiedereinführung der Sanktionen könnte die wegfallende Nachfrage aus Europa sein. Weniger weil sich die Länder den möglichen neuen US-Sanktionen anschließen würden, sondern vielmehr aus Furcht vor möglichen Sanktionsverstößen durch den von den USA verhängten Maßnahmen. Dies würde den Iran dazu veranlassen, neue Abnehmer für das produzierte Öl zu finden, was aller Wahrscheinlichkeit nach asiatische Länder sein dürften, welche auch die Hauptabnehmer während früherer Sanktionen gewesen seien.

Unsicherheit bestehe zudem darüber, ob sich der Schifffahrtssektor und internationale Versicherungsunternehmen an einem weiteren Handel des Iran und den Abnehmerländern in Asien beteiligen könnten. Beide Sektoren seien Schlüsselfaktoren bei der starken Ölproduktions- und Exporteinschränkung in den Jahren 2012 bis 2015 gewesen. Ohne Sanktionen gegenüber dem Schifffahrtssektor dürfte die Ölproduktion nahezu unberührt bleiben, da asiatische Raffinerien in der Lage sein sollten, die zusätzlichen, nicht nach Europa gelieferten, Barrel zu absorbieren. Attraktiv könnte dies für asiatische Raffinerien vor allem deshalb sein, weil diese durch die gewonnene Marktmacht gegenüber dem Iran einen deutlichen Abschlag auf Lieferungen verhandeln könnten. Insgesamt dürfte durch eine mögliche neuerliche Einführung von Sanktionen nur wenige Hundertausend Barrel/Tag an iranischen Exporten gefährdet sein - vorausgesetzt, es gebe keine Sanktionen gegenüber dem Schifffahrtssektor.

Die mögliche Aufkündigung des Iran-Abkommens durch die USA hänge wie ein Damoklesschwert über der geplanten internationalen Ausschreibung für 40 Ölfelder im Iran. Mit einem Förderpotenzial von 3 Mio. Barrel/Tagschaffen die 40 Felder eine höhere Tagesproduktion als Nigeria. Das Interesse internationaler Ölkonzerne am Zugang zu diesen Feldern sei sehr groß. Bisher seien verschiedene Absichtserklärungen (Memorandum of Understanding) zur Erforschung von Projekten im Rahmen des neuen "Iranian Petroleum Contract" unterzeichnet, allerdings bisher nur wenige feste Verpflichtungen eingegangen worden. So seien mehrere internationale Ölkonzerne damit beauftragt worden, technische und kommerzielle Entwicklungspläne für das Gebiet von Azadegan (Reserven: 33,2 Milliarden Barrel) vorzulegen.

Wenn US-Sanktionen wieder eingeführt würden, würde es westlichen Ölkonzernen schwerfallen, im Iran zu operieren, sodass eine viel kleinere Gruppe von Unternehmen bereit und in der Lage sei, zu investieren, was sich auf zukünftige Produktionswachstumspläne auswirken könnte. (Ausgabe vom 12.10.2017) (13.10.2017/ac/a/m)







 
 
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