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Michael Hasenstab: Was Trumps Steuerreform bringt - falls sie kommt




19.05.17 10:42
Franklin Templeton

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - In der neuesten Ausgabe von "Global Macro Shifts" widmet sich das Templeton Global Macro-Team um Michael Hasenstab einer potenziellen Reform der Körperschaftsteuer in den USA und den möglichen Folgen einer Grenzausgleichsabgabe ("border adjustment tax" oder BAT).

Das Team analysiere, wie eine BAT funktionieren würde, sowie ihre möglichen Auswirkungen auf Preise und Wechselkurse, die Folgen für den längerfristigen gesamtwirtschaftlichen Ausblick, für die verschiedenen Sektoren der Binnenwirtschaft und die Handelsströme sowie die potenziellen Implikationen für internationale Handelsbeziehungen.

Die beiden zentralen wirtschaftlichen Ziele der neuen US-Regierung seien eine Förderung des Wachstums und eine Wiederbelebung des inländischen Fertigungssektors. Die Reformagenda umfasse zwar zahlreiche sehr unterschiedliche Aspekte, ein Großteil der Streitigkeiten habe sich jedoch auf den Plan der Republikaner für eine Reform der Körperschaftsteuer konzentriert, der darauf abziele, diese beiden Ziele der Regierung miteinander zu verknüpfen. Eine solche Reform würde - zumindest theoretisch - das Wachstum durch eine Senkung des Körperschaftsteuersatzes fördern und den inländischen Fertigungssektor durch eine Abschreckung von Einfuhren stützen.

Darüber, dass eine Senkung des gesetzlichen Körperschaftsteuersatzes dringend erforderlich sei, gebe es kaum Diskussionen. Bezüglich der Einführung einer auf Importe erhobene "Border Adjustment" (kurz: "BAT", d.h. ein Grenzausgleich) würden sich jedoch die Geister spalten. Es sollte beachtet werden, dass eine Form der BAT letztlich unter einem anderen Namen eingeführt werden könnte, etwa unter der Bezeichnung "reciprocal tax" (wechselseitige Steuer). Da eine BAT erhebliche Einnahmen erzielen würde, wäre sie ein Beitrag zur Finanzierung deutlich niedrigerer gesetzlicher Steuersätze und würde damit den Weg für eine ehrgeizige Steuerreform ebnen.

Angesichts ihrer Auswirkungen auf Ein- und Ausfuhren könnte die BAT potenziell auch weitläufige Konsequenzen für den Handel haben. Angenommen, die Handelsspannungen würden unter Kontrolle gehalten, würden sich die deutlichsten Konsequenzen aus der Verbesserung des Geschäftsumfelds ergeben. Diese könnte die Investitionstätigkeit beleben und ein stärkeres Produktivitätswachstum sowie eine Belebung der Wirtschaftstätigkeit nach sich ziehen.

Wie die Grenzausgleichsabgabe funktionieren würde

Gemäß dem von den Republikanern vorgelegten Reformplan würde der Grenzausgleich im Rahmen der neuen Körperschaftsteuer folgendermaßen funktionieren:

-Sämtliche Exportumsätze würden aus der Bemessungsgrundlage für die Körperschaftsteuer herausgerechnet.

-Die Kosten inländischer Vorleistungen würden von der Bemessungsgrundlage abgezogen, die Kosten importierter Vorleistungen jedoch nicht.

Unter dem Strich würde die Reform eine Verlagerung darstellen, von einem weltweiten System hin zu einem territorialen System, das auf dem Ort des Verbrauchs und nicht auf dem Produktionsort beruhe. Von einem System, das den Abzug von Zinsen erlaube, hin zu einem, das Finanzströme weitgehend ignoriere. Und von einer Besteuerung des Ertrags hin zu einer Besteuerung des Konsums. Ein Grenzausgleich würde für das US-Steuersystem zwar eine Neuerung darstellen, die meisten übrigen Länder würden jedoch bereits heute über eine solche Abgabe in der Form einer Mehrwertsteuer (MwSt.) verfügen - einer Verbrauchssteuer mit Grenzanpassungskomponente. Hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen wäre die BAT der Einführung einer Mehrwertsteuer bei gleichzeitiger Eliminierung der Lohnsteuer gleichzusetzen.

Gründe, warum die BAT umstritten sei

-Politisch umstritten: Jede Steuerreform habe Gewinner und Verlierer. Der Grenzausgleichsaspekt erhöhe jedoch den Einsatz für die Export- und Importsektoren (wie die erheblichen Lobbying-Anstrengungen belegen würden).

-Unsichere wirtschaftliche Konsequenzen: Der wirtschaftliche Ausgleich könnte möglicherweise eine Verzerrung von Preisen, Gewinnen, Lieferketten, Handelsströmen und Wechselkursen zur Folge haben. Allerdings sollte beachtet werden, dass alle übrigen Industrieländer die Erhebung von Verbrauchssteuern mit Grenzausgleich (Mehrwertsteuern) bereits überlebt und sich entsprechend angepasst hätten.

-Einhaltung der WTO-Vorschriften: Die Welthandelsorganisation (WTO) erlaube derzeit einen Grenzausgleich für indirekte Steuern, nicht jedoch für direkte Steuern. Die Körperschaftsteuer mit Grenzausgleich scheine somit gegen die Vorschriften der WTO zu verstoßen. Dies könnte Beschwerden und Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen. Wie die Experten oben bereits ausgeführt hätten, wäre der Vorschlag der Republikaner das genaue Äquivalent einer Mehrwertsteuer (die von der WTO erlaubt werde), zuzüglich einer Eliminierung der Lohnsteuer. Hierbei handle es sich allerdings um eine rein inländische Steuerentscheidung, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der WTO falle. Somit scheine es keine vertretbare wirtschaftliche Basis für mögliche Einwände der WTO zu geben.

Auswirkungen auf Wechselkurse und Preise

Der Wirtschaftstheorie zufolge sollte eine Steuer mit Grenzausgleich, wie etwa eine Mehrwertsteuer, keine langfristigen Auswirkungen auf Handelsströme hätten. Die Handelsbilanz entspreche per definitionem dem Verhältnis von Ersparnissen und Investitionen eines Landes. Als Verbrauchssteuer würde eine Mehrwertsteuer Ersparnisse ebenso wie Investitionen fördern. Dasselbe Argument treffe auch auf die vorgeschlagene BAT zu. Theoretisch sollten die langfristigen Auswirkungen auf das Verhältnis von Ersparnissen und Investitionen unterm Strich neutral sein, und der Wechselkurs sollte sich erhöhen, um das Ausmaß, in dem die BAT die Konkurrenzfähigkeit von Importen senken (und die Konkurrenzfähigkeit von Exporten steigern) sollte, auszugleichen.

Langfristig sollte der Wechselkurs des US-Dollars (USD) ansteigen, um die Auswirkungen der Steuern auf die Konkurrenzfähigkeit auszugleichen. Kurz- bis mittelfristig dürfte die Anpassung jedoch nur teilweise wirken. Diese teilweise Anpassung des Wechselkurses würde zu steigenden Preisen für importierte Waren führen und die Inflation vorübergehend ansteigen lassen; laut Schätzung der Experten um rund 1 Prozentpunkt.

Auswirkungen auf inländische Sektoren und Handelsströme

Im Nachgang der unmittelbaren Preisreaktion würden sich die Inlandsproduktion und die Handelsmuster anpassen, während Unternehmen auf die Neuerungen am Steuerreglement sowie am Wettbewerbsumfeld reagieren würden. Während der Vorteil eines niedrigeren Körperschaftsteuersatzes allen Unternehmen zugutekommen würde, hätte die BAT auf die einzelnen Branchen und Sektoren unterschiedliche Auswirkungen:

-Die Gewinne US-amerikanischer Importeure würden schrumpfen, während bestimmte Exporteure und mit Importen konkurrierende Firmen hiervon profitieren würden.

-Ausländische Konkurrenten würden aller Wahrscheinlichkeit nach ihre Vorsteuerpreise reduzieren und leicht niedrigere Gewinne hinnehmen, um ihren Anteil am US-Markt zu wahren.

Es würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem gewissen Maß an sofortiger Unterbrechung von Lieferketten (insbesondere mit mehrfachen Grenzüberschreitungen) kommen - US-Unternehmen würden versuchen, importierte Vorleistungen so weit wie möglich durch inländisch hergestellte Waren zu ersetzen.

-Die Auswirkungen auf die Bewertung von auf US-Dollar und ausländische Währungen lautenden Vermögenswerten würden Amerikaner mit ausländischen Vermögenswerten sowie Ausländer mit auf USD lautenden Schulden belasten.

Die letztlichen Auswirkungen auf die Gewinnlage eines Unternehmens würde von zahlreichen Faktoren abhängen und dürfte innerhalb einzelner Sektoren sehr unterschiedlich ausfallen. Die nachfolgende Abbildung zeige die Nettosteuersenkung als Anteil der Bruttoausbringungsmenge der Branche gegenüber der (als Kontext beigefügten) Branchengröße, unter der Annahme einer BAT von 20%, zusammen mit einer Senkung der Körperschaftsteuer um 15%. In der Analyse der Experten würden sich die relativ kleinen Produktkategorien Bekleidung, Leder und verwandte Erzeugnisse sowie Textilfabriken und Textilproduktwerke als die großen Verlierer herauskristallisieren. Auch Händler von Kraftfahrzeugen und -teilen sowie von Computer- und Elektronikprodukten - beides sehr viel größere Produktkategorien - würden im Hinblick auf die sofortigen Auswirkungen der Reform zu den klaren Verlierern zählen. Sektoren wie etwa Transportausrüstung (einschließlich Flugzeuge) und Chemikalien hingegen würden hiervon profitieren.

In anderen Fällen gestalte sich die Lage etwas differenzierter: Unternehmen im Bereich der Öl- und Gasgewinnung würden hiervon beispielsweise profitieren, während Hersteller von Mineralöl- und Kohleerzeugnissen zu den Verlierern zählen würden, was die Spannung zwischen Raffinerien und Schieferölproduzenten widerspiegle.

Die längerfristigen gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen

Als bedeutende Veränderung des US-Steuersystems würde die Steuerreform gravierende längerfristige gesamtwirtschaftliche Folgen haben. Die haushaltspolitische Reform weise insgesamt mehrere positive Attribute auf, die potenziell das geschäftliche Umfeld verbessern würden und die Produktivität, die Konkurrenzfähigkeit und das Wachstum steigern könnten:

-Niedrigere Steuern: Eine ehrgeizige Steuerreform würde eine erhebliche Reduzierung des gesetzlichen Körperschaftsteuersatzes nach sich ziehen. Auch die persönliche Einkommensteuer könnte gesenkt werden.

-Höhere Effizienz: Genauso wichtig sei die Tatsache, dass eine erfolgreiche Reform das US-Steuersystem, das häufig als äußerst komplex und verschwenderisch wahrgenommen werde, vereinfachen und effizienter gestalten würde.

-Kapitalrückführung: Ein territoriales System würde die Anreize, Gewinne im Ausland anzuhäufen, verringern. Ein einmaliger niedriger Steuersatz dürfte Anreize für die Rückführung unversteuerter, im Ausland gehaltener aufgelaufener Gewinne bieten, was die inländische Wirtschaftstätigkeit beleben könnte. Zudem sei auch vorgeschlagen worden, dass die Steuerpflicht auf die Rückführung von Gewinnen möglicherweise durch Steuergutschriften ausgeglichen werden könnte, die darauf abzielen würden, Anreize für Investitionen in Infrastrukturprojekte zu setzen.

Die US-Wirtschaft stehe bereits heute kurz vor einer zyklischen Erholung der Investitionstätigkeit. Eine erfolgreiche Reform der Körperschaftsteuer könnte aus langfristiger Sicht erheblich dazu beitragen, die Anreize für Sachinvestitionen zu stärken. Da ein schwaches Investitionsniveau bereits seit der globalen Finanzkrise als potenzielle Belastung des Produktivitätswachstum identifiziert worden sei, könnte diese Anreizverlagerung erhebliche und langjährige Vorteile liefern.

Eine BAT sollte die Konkurrenzfähigkeit US-amerikanischer Unternehmen steigern, die bestehenden Anreize eliminieren, Gewinne im Ausland anzuhäufen und die Einnahmen steigern, die benötigt würden, um eine erhebliche Senkung des gesetzlichen Körperschaftsteuersatzes (derzeit der höchste in der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) zu finanzieren. Die Umsetzung einer BAT würde zudem der Einführung einer Mehrwertsteuer gleichkommen, welche die meisten US-Handelspartner bereits erheben würden, und einheitliche Wettbewerbsbedingungen schaffen. Die Handelspartner würden allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach bei der WTO Beschwerde einlegen und könnten Vergeltungsmaßnahmen ergreifen - auch wenn das Risiko eines umfassenden Handelskriegs nach Meinung der Experten gering sei.

Die Experten würden davon ausgehen, dass der USD eine Aufwertung verzeichnen würde. Diese würde allerdings nicht so stark ausfallen, dass sie die Auswirkungen der BAT auf die Konkurrenzfähigkeit von Ein- und Ausfuhren vollständig ausgleichen würde. Infolgedessen würden höhere Importpreise die Inflation vorübergehend erhöhen, nach Schätzung der Experten um etwa einen Prozentpunkt. Einige US-Firmen, die mit Importen konkurrieren würden, würden die Gelegenheit erhalten, ihren Marktanteil über eine Importsubstitution zu erhöhen. Ihr Erfolg hierbei würde jedoch auch von Investitionen und Produktivitätssteigerungen abhängen. Exportunternehmen würde es gut ergehen, während Importeure, einschließlich großer Einzelhändler und Raffinerien, unter der Entwicklung leiden würden. Unter der Annahme, dass die Handelsspannungen unter Kontrolle bleiben würden, würden die Experten davon ausgehen, dass die politischen Anpassungen das Wirtschaftsumfeld insgesamt verbessern, Investitionen fördern und die Wirtschaftstätigkeit antreiben würden. (Ausgabe vom 18.05.2017) (19.05.2017/ac/a/m)







 
 
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