Gold: Trendwende oder gesundes Kräftesammeln? Chartanalyse




12.09.19 09:55
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.aktiencheck.de) - "Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles" lässt Goethe Margarethe in Faust I feststellen, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

An den Finanzmärkten schlage sich diese Erkenntnis in dem ordentlichen Anstieg des Edelmetalls der letzten Monate nieder. Erst in den letzten Handelstagen sei dem Goldpreis ein wenig die Puste ausgegangen. "Gesunde Verschnaufpause" oder "Trendwende"? Für Edelmetallinvestoren sei das - um bei Faust zu bleiben - derzeit die Gretchenfrage. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt möchten ihre charttechnische Bestandsaufnahme mit den langfristigen Goldcharts beginnen. Während der letzten fünf Jahre habe das Edelmetall in schöner Regelmäßigkeit wichtige Hochs bei rund 1.370 USD ausgebildet. Mit dem Spurt über diese nahezu deckungsgleichen Jahreshochs sei eine ganz wichtige Weichenstellung gelungen. Schließlich liege damit auf Monatsbasis eine abgeschlossene Schulter-Kopf-Schulter-Umkehr vor. Aus der Höhe des beschriebenen Trendwendemusters ergebe sich ein kalkulatorisches Anschlusspotenzial von rund 300 USD. Auf dem Weg zum Ausschöpfen des diskutierten Kurspotentials definiere der Kreuzwiderstand aus den verschiedenen Tiefs bei rund 1.520 USD bzw. der Parallelen zum Aufwärtstrend seit Ende 2015 (akt. bei 1.566 USD) ein wichtiges Etappenziel.

Vor diesem Hintergrund liefere die aktuelle Chartkonstellation Anlegern durchaus Argumente für das jüngste Durchatmen. Kurzfristig dürfte diese sogar anhalten, denn das Ausmaß an spekulativen Longpositionen befinde sich aktuell - gemessen an den jüngsten CFTC-Daten - nahezu auf Rekordhoch. Gleichzeitig sei das Gold-Sentiment derzeit bereits rückläufig. Mit anderen Worten: Das jüngste Verlaufshochs bei 1.557 USD sei nicht mehr seitens einer verbesserten Stimmungslage bestätigt worden. Darüber hinaus trage der RSI dem Goldpreisanstieg der letzten Monate mit einem Vorstoß in überkauftes Terrain Rechnung. Um die Gefahr eines strategischen Fehlausbruchs gar nicht erst aufkommen zu lassen, sollte der Goldpreis in Zukunft nicht mehr unter das Hoch von September 2017 bei 1.358 USD zurückfallen. Dieses Level markiere die Schwelle zwischen einem "gesunden Kräftesammeln" und einer "ungesunden Trendwende" nach Süden. Der langfristige Chartverlauf des Edelmetalls besitze allerdings noch eine weitere Dimension: So trage die gesamte Verschnaufpause seit dem Rekordhoch von 2011 bei 1.920 USD im langfristigen Kontext letztlich die Züge einer trendbestätigenden Korrekturflagge.

Im Verlauf des Jahres 2018 sei dieses Konsolidierungsmuster sogar lehrbuchmäßig zurückgetestet worden. Auf Sicht der nächsten zwei bis drei Jahre lasse die beschriebene Flagge sogar auf "mehr" als das diskutierte Anschlusspotenzial von 300 USD hoffen. Selbst ein Anlauf auf das zuvor angeführte Allzeithoch erscheine perspektivisch möglich. Unabhängig von diesem strategischen Blickwinkel würden dem Edelmetall in Anschluss an ein Luftholen auch zyklische bzw. saisonale Argumente Rückenwind verleihen. Auf Basis der Daten seit 1971 hätten die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt untersucht, wie sich der Goldpreis typischerweise in Vorwahljahren der USA entwickele. Im Durchschnitt beschere das Vorwahljahr Goldinvestoren ein zweistelliges Kursplus bei einer Trefferquote von 67%. D. h., acht der zwölf Vorwahljahre seit 1971 habe der Goldpreis mit Kursgewinnen beenden können. Im Ergebnis stelle das Vorwahljahr unter saisonalen Gesichtspunkten den zweitbesten Teilabschnitt im vier Jahre umspannenden US-Wahlzyklus dar. Innerhalb dieses guten Zeitraumes steche die 2. Jahreshälfte sogar nochmals positiv hervor, die lediglich im September/Oktober durch eine seitliche Schiebezone unterbrochen werde. Auch der Auftakt ins kommende US-Wahljahr falle traditionell positiv aus.
(12.09.2019/ac/a/m)





 
 
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