Erweiterte Funktionen


Finanzmarkt: Euro mit Rückenwind - Europäische Aktien präferiert




19.05.17 12:52
Weberbank

Berlin (www.aktiencheck.de) - Der Euro hat diese Woche die Marke von 1,10 US-Dollar geknackt und danach sogar noch weiter aufgewertet, so Johannes Flieckenschildt von der Weberbank.

Damit trotze er allen Anstiegsfantasien der amerikanischen Währung, die nach der dortigen Wahl die Runde gemacht hätten. Selbst die Parität, also ein Wechselkurs von eins zu eins, schien bis vor kurzem nicht mehr ausgeschlossen, so die Analysten der Weberbank.

Das Blatt habe sich aber nun gewendet. Liege das aber tatsächlich am Euro, oder sei schlichtweg die Schwäche des US-Dollar ausschlaggebend? Bei genauerer Betrachtung sei es eine Mischung aus beidem. Die Enttäuschung über das zähe Fortschreiten der Reformagenda Donald Trumps, der dabei immer wieder durch Possen politischen Rückhalt eingebüßt habe, laste auf dem US-Dollar. Konjunkturell sei die Dynamik in den USA zwar nach wie vor hoch, die geringe Arbeitslosigkeit von 4,4 Prozent unterstreiche das. Nichtsdestotrotz sei die Inflationsdynamik in den USA zuletzt schwächer gewesen, sodass auch von dieser Front die US-Dollar-Schwäche befeuert worden sei.

Auf der anderen Seite stehe die Stärke des Euro, der maßgeblich vom Verschwinden der Risiken in der Eurozone profitiert habe - die Wahl in Frankreich sei hier natürlich hauptverantwortlich gewesen. Unter dem Strich spreche bis dato also insbesondere politisch eine Menge für das Erstarken des Euro.

Für den Blick nach vorne aber wird für das Währungspaar entscheidend sein, was von den beiden Zentralbanken, der FED und dem europäischen Pendant, der EZB, auf uns zukommt, so die Analysten der Weberbank. Sollte nämlich die EZB früher als erwartet ihr Anleihekaufprogramm zurückfahren, dessen Verlängerung über 2017 hinaus noch ausstehe, habe der Euro sicherlich weiteres Aufwertungspotenzial. Denn ein erster Schritt in Richtung Normalisierung der Geldpolitik würde ausländische Investoren wieder stärker den Euro nachfragen lassen. Am wahrscheinlichsten sehen die Analysten der Weberbank derzeit an, dass sich der Euro im oberen Bereich des Seitwärtsbandes zwischen 1,05 und 1,15 US-Dollar bewegt; dort, wo sich das Währungspaar seit Anfang 2015 aufhält.

Gerade für deutsche Anleger, die amerikanische Aktien halten würden, sei die Schwäche des US-Dollar unerfreulich, sinke doch so der Wert der Anlagen in Euro gerechnet. Und selbst wenn man die Währungseffekte außer Acht lasse, sehe man auf dem amerikanischen Aktienmarkt derzeit weniger Kaufgelegenheiten als in Europa und den Schwellenländern. Das habe auch mit den Bewertungen zu tun, die in den USA bereits auf hohen Niveaus seien. Anders ausgedrückt: Amerikanische Aktien seien derzeit teuer. "Teuer" meine hier das Verhältnis von Aktienkurs zum erwarteten Gewinn.

Schaue man den Gesamtmarkt in Europa an, sei der zwar auch nicht günstig bewertet, aber es fänden sich hier einige interessante Kaufgelegenheiten, insbesondere innerhalb des deutschen Leitindex DAX. Zudem mindere man bei Investitionen in den europäischen Aktienmarkt die Risiken, die vom Enttäuschungspotential der US-Regierung ausgehen würden. Gerade die Nachrichten rund um die Entlassung des FBI-Chefs Comey und die Russlandkontakte des Trump-Wahlkampfteams würden derzeit die Schlagzeilen dominieren und immer wieder für Rückschläge am US-Aktienmarkt sorgen.

Die Aktienmärkte in den Schwellenländern würden eine weitere interessante Alternative zum US-Markt bieten. Dabei sei es aber ratsam, etwaige Minenfelder zu umschiffen. In China beispielsweise sehe man, dass die Aktien auf dem Festland in den vergangenen Wochen enorm unter einer Welle neuer Regularien gelitten hätten, die die Behörden zum Eindämmen der Schattenbankenaktivitäten eingeführt hätten. Hätte man vor einem Monat in die größten festlandchinesischen Aktien investiert, hätte man rund 5 Prozent Verlust gemacht. Dagegen habe der Aktienindex, der einen Großteil der Hongkonger Börse abbilde, gut 1,6 Prozent zugelegt. Grund für die Divergenz sei der Status Hongkongs als Sonderverwaltungszone, die relativ unabhängig von der strengen Regulierung auf dem chinesischen Festland sei.

Ein anderes Beispiel sei Brasilien. Das Land befinde sich seit 2014 in einer Rezession, und der Staatshaushalt ächze unter einer hohen Ausgabenlast. Nach der Amtsenthebung Dilma Rousseffs versuche nun der aktuelle Präsident Michel Temer mit einem ambitionierten Reformplan, die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Die Anleger hätten das mit steigenden Kursen brasilianischer Unternehmen honoriert. In dieser Woche zeige sich aber erneut, wie fragil die politische Lage in dem südamerikanischen Land sei. Nachrichten über Tonbandaufnahmen des aktuellen Präsidenten sollten beweisen, dass er in einen Korruptionsskandal verwickelt sei, der das Potenzial habe, ihn aus dem Amt zu bringen und damit möglicherweise auch seine Reformpläne zu verhindern. Die Märkte hätten dementsprechend mit starken Verlusten reagiert.

Beide Beispiele würden zeigen, dass es wichtig sei, besonders selektiv in den Schwellenländermärkten vorzugehen, auch wenn sich die konjunkturellen Voraussetzungen aufgehellt hätten und die Bewertungen attraktiv seien. (19.05.2017/ac/a/m)







 
 
Aktien des Tages
  


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "GeVestor täglich" unseres Partners GeVestor zu.


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "Investors Daily" unseres Partners FID Verlag zu.



Aktien des Tages
  


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "GeVestor täglich" unseres Partners GeVestor zu.


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "Investors Daily" unseres Partners FID Verlag zu.

RSS Feeds




Bitte warten...