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Deutsche Bank-Chef Cryan wird zum Außenseiter - Aktiennews




10.10.17 13:42
FONDS professionell

Wien (www.aktiencheck.de) - Er war angetreten, das Dickschiff Deutsche Bank (ISIN: DE0005140008, WKN: 514000, Ticker-Symbol: DBK, NYSE-Symbol: DB) wieder in ruhige Gewässer zu manövrieren, so die Experten von "FONDS professionell".

Doch nach rund zwei Jahren an der Spitze der immer noch größten deutschen Bank sehe es so aus, als ob es um Vorstandschef John Cryan immer einsamer werde: Das Verhältnis zu Aufsichtsratschef Paul Achleitner gelte als merklich abgekühlt, zudem stehe der Brite intern und extern in der Kritik, wie verschiedene Medien berichten würden. Es sei sogar fraglich, ob er seinen bis 2020 laufenden Vertrag erfüllen könne, schreibe etwa die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Dabei habe sich Cryan nach dem Ende der Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen bis zum Frühjahr durchaus den Respekt und die Anerkennung vieler Mitarbeiter und Aktionäre erworben, beobachte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Es sei ihm gelungen, die Bank zu stabilisieren. Doch seit dem Frühjahr wachse das Unbehagen: Der Börsenkurs des DAX-Mitglieds erhole sich nach Meinung von Anlegern nicht schnell genug, die Ratingagentur Fitch habe die Bonitätsnote der Bank gerade weiter heruntergestuft, und die Zahlen zum dritten Quartal würden aller Vorrausicht nach eher schlecht ausfallen.

Schließlich habe sich das Geldhaus beim Umgang mit der Tochter Postbank auch nicht mit Ruhm bekleckert: Zunächst sollte sie verkauft werden - nachdem man für den Wunschpreis aber keinen Interessenten gefunden habe, werde sie nun ins Mutterhaus re-integriert. Auch dafür würden Bankmanager Cryan mitverantwortlich machen.

Nun komme ein weiteres Problem hinzu: Cryan habe sich bislang noch nicht mit den Chefs des größten Deutsche Bank-Aktionärs HNA aus China getroffen, worüber Achtleitner dem Vernehmen nach alles andere als erfreut sei. Medienberichten zufolge scheue Cryan den direkten Gedankenaustausch mit dem chinesischen Investor, der seit wenigen Monaten knapp zehn Prozent der Aktien halte. Nach Kapitalmarktgepflogenheiten sei die Nicht-Kommunikation mit wichtigen Anteilseignern allerdings ein Unding für einen Top-Vorstand.

Cryan gelobe bereits Besserung, "er wolle sich gerne mit HNA-Chef Adam Tan treffen", zitiere ihn die SZ. Dennoch, das chinesische Konglomerats solle ihm nicht geheuer sein. I Teilen scheine das navollziehbar: Tatsächlich sei die Gesellschaft suspekt - die Öffentlichkeit und auch diverse europäische Aufsichtsbehörden würden seit einiger Zeit rätseln, wer genau hinter HNA stecke, dem auch der österreichische Vermögensverwalter C-Quadrat mehrheitlich gehöre.

Offiziell liege das mit 29,5 Prozent größte Aktienpaket an der HNA in den Händen einer erst 2016 gegründeten unbekannten gemeinnützigen New Yorker Stiftung. Weitere 22,75 Prozent halte den von HNA vor Kurzem bekannt gegebenen Daten zufolge eine zweite Stiftung auf Hainan; die beiden Gründer Chen Feng und Wang Jian würden jeweils knapp 15 Prozent der Anteile besitzen. Der Rest liege bei weiteren Gründern, führenden Managern sowie der Fluglinie Hainan Airlines, aus der HNA ursprünglich selbst hervorgegangen sei.

Gerade die New Yorker Stiftung sei ominös: Noch vor einigen Monaten hätten offiziell die beiden Privatpersonen Jun Guan und Bharat Bhisé das Aktienpaket von 29,5 Prozent gehalten - treuhänderisch, bis sie es an die Stiftung übergaben würden. Daher liege die Vermutung nicht fern, es habe sich um Strohmänner gehandelt. Insbesondere die Person Guans lade zu Spekulationen über HNA ein. Journalisten hätten Guan, der in der Geschäftswelt vollkommen unbekannt sei, an seinem offiziellen Wohnsitz aufsuchen wollen. Dieser habe sich als ein heruntergekommenes Wohnsilo im Süden Pekings entpuppt.

Aber auch mit den beiden anderen Großeignern, zwei Scheichs aus dem Emirat Katar mit Anteilen von rund acht Prozent, die bereits 2014 eingestiegen seien, komme Cryan laut der SZ nicht besonders gut klar. Dies werde noch dadurch verstärkt, dass diese ausgerechnet von Ex-Deutsch-Banker Michele Faissola beraten würden, der im Zuge des Amtsantritts von Cryan habe gehen müssen.

Die Gemengelage gleiche daher einem "Faustischen Pakt", analysiert die SZ: Zusammen mit Katar hätten die Chinesen auf der Hauptversammlung im Mai die Wiederwahl von Oberaufseher Achleitner für weitere fünf Jahre gesichert. Nachvollziehbar, dass Cryan ihnen daher eine gewisse Nähe zu dem selbstbewussten Chefkontrolleur unterstelle.

Das Problem der Deutschen Bank sei, dass sie offenbar keinen Ersatz für Cryan parat halte, so die FAZ. Ein Nachfolger von außen müsste sich längere Zeit einarbeiten, und Cryans Stellvertreter Christian Sewing und Marcus Schenck würden nach Meinung von Branchenkennern noch einige Zeit brauchen.

Die nötige Geduld für einen möglichen Führungswechsel wolle HNA allemal aufbringen: Der chinesische Aktionär habe kürzlich durchblicken lassen, er betrachte seinen Anteil langfristig als attraktive Anlage.

Börsenplätze Deutsche Bank-Aktie:

XETRA-Aktienkurs Deutsche Bank-Aktie:
14,385 EUR +0,07% (10.10.2017, 13:14)

Tradegate-Aktienkurs Deutsche Bank-Aktie:
14,347 EUR -0,15% (10.10.2017, 13:29)

NYSE-Aktienkurs Deutsche Bank-Aktie:
16,87 USD -1,98% (09.10.2017, 22:02)

ISIN Deutsche Bank-Aktie:
DE0005140008

WKN Deutsche Bank-Aktie:
514000

Ticker-Symbol Deutsche Bank-Aktie:
DBK

NYSE Ticker-Symbol Deutsche Bank-Aktie:
DB

Kurzprofil Deutsche Bank AG:

Die Deutsche Bank AG (ISIN: DE0005140008, WKN: 514000, Ticker-Symbol: DBK, NYSE-Symbol: DB) bietet vielfältige Produkte und Leistungen im Firmenkundengeschäft und Investmentbanking, Privatkundengeschäft, Transaction Banking und in der Vermögensverwaltung an. Zu ihren Kunden gehören Unternehmen, die Öffentliche Hand, institutionelle Anleger, kleine und mittelständische Unternehmen sowie Privatkunden. Die Deutsche Bank ist Deutschlands führende Bank. Sie hat in Europa eine starke Marktposition und ist in Amerika und der Region Asien-Pazifik maßgeblich vertreten. (10.10.2017/ac/a/d)







 
 
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