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Chinas Aktienmarkt mit besonders attraktiver Ausgangslage




11.10.17 14:14
GAM

Berlin (www.aktiencheck.de) - Jahrelang verfolgte China seine so genannte "Go out"-Politik, die chinesische Firmen animierte, in ausländische Firmen zu investieren und diese ganz oder teilweise zu übernehmen, so die Experten von GAM.

Die chinesische Regierung habe sich nun gezwungen gesehen, diese Politik zu stoppen, um eine mögliche Krise zu verhindern. "Die Regierung musste erkennen, dass der schuldenfinanzierte Übernahmewahn der chinesischen Unternehmen das Banken- und Finanzsystem zu gefährden droht", sae Michael Lai, Investment Director bei GAM. "Eine mögliche Finanzkrise könnte die wirtschaftlichen Errungenschaften des Landes zunichtemachen." So seien Kreditgeber und Regulierungsbehörden gebeten worden, vier renommierte Unternehmen zu überprüfen, die massiv ausländische Firmenanteile aufgekauft hätten. "Es ist davon auszugehen, dass sich solche Maßnahmen wohl negativ auf globale M&A-Aktivitäten auswirken werden, da China in den letzten Jahren das einzige Land mit einem Kapitalüberschuss war, während der Rest der Welt noch mit den Nachwirkungen der globalen Finanzkrise zu kämpfen hatte."

Lai sehe die chinesische Krisengefahr eingedämmt: "Die Verschuldung der privaten Unternehmen stellt keine ernsthafte Bedrohung für die chinesische Wirtschaft dar, da die Regierung rasch gehandelt hat, um das Problem anzugehen." Darüber hinaus habe sie so genannte Debt-Equity-Swaps initiiert, bei denen offene Forderungen durch eine Beteiligung am schuldenden Unternehmen beglichen würden. Dies ziele darauf ab, die Unternehmensverschuldung sowie den Anteil an faulen Krediten im Bankensystem zu senken. "Obwohl diese Anstrengungen noch am Anfang stehen, sind bereits einige Fortschritte erzielt worden. Im Juli hat Moody's seinen Ausblick für den Bankensektor des Landes von negativ auf positiv angehoben." Und das sei nicht der einzige positive Indikator: "Die Gesamtverschuldung von Banken und anderen Kreditinstituten sank von 72,4 Prozent des Bruttoinlandproduktes Ende 2016 auf 71,2 Prozent Ende März dieses Jahres."

Darüber hinaus seien in China aufgrund der verschärften Aufsicht und der Beschränkung großer Kapitalabflüsse die Devisenreserven wieder angestiegen, was das Vertrauen in den Aktienmarkt stärke.

"Für die chinesische Regierung ist es wichtig, die teilweise rücksichtslosen Unternehmensausgaben einzudämmen", sage Lai. "Zusätzliche Maßnahmen sind jedoch unerlässlich, um das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrechtzuerhalten." China habe den Weg Deutschlands und Japans eingeschlagen und halte das Zinsumfeld künstlich niedrig, um eine rasche Industrialisierung der Wirtschaft zu ermöglichen. "Wir sind jedoch der Ansicht, dass China sein Wirtschaftsmodell nun ändern muss, um langfristiges Wachstum zu sichern, durch eine Umstrukturierung in eine stärker dienstleistungsorientierte Wirtschaft sowie die Verbesserung von Produktkapazitäten im verarbeitenden Gewerbe. Außerdem sollte die Regierung gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Unternehmen schaffen, damit auch der Privatsektor sein Potenzial ausschöpfen kann." Zudem müsse der Privatsektor so ausgerichtet werden, dass die Unternehmen sich auf die schnell ändernde Nachfrage der Konsumenten einstellen könnten. "Erfolgreiche Unternehmen wie Tencent und Alibaba zeigen, wie gut dies funktionieren kann", sage Lai.

Die chinesische Regierung habe die Notwendigkeit erkannt, die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen, mit einem stärkeren Fokus auf dem Dienstleistungssektor. Mit diesem Vorhaben komme sie gut voran. "Der Dienstleistungssektor hat 2016 bereits zum zweiten Mal in Folge mehr als 50 Prozent zum Bundesinlandprodukt beigetragen. Ziel ist es, 70 bis 80 Prozent zu erreichen. Das ist der Durchschnitt in den Industrieländern", sage Lai. Die Regierung unternehme noch weitere Schritte, wie die sogenannte Supply-Side-Reform, die strukturelle Ineffizienzen beheben solle. "Zudem wurde die Geldpolitik gestrafft und so die Kapitalkosten erhöht. Durch diese Maßnahme sollen weniger Mittel in Sektoren fließen, die ohnehin mit Überkapazitätsproblemen zu kämpfen haben, wie beispielsweise die Stahlindustrie."

"Unserer Einschätzung nach befindet sich China nach fünf Jahren Deflation wirtschaftlich in einer guten Ausgangslage, da das derzeitige reflationäre Umfeld weiteres Potenzial für Anleger bietet." Die Wirtschaft entwickle sich trotz der restriktiveren Geldpolitik weiterhin stark - wie die Erhöhung der IWF-Prognosen für das chinesische Wirtschaftswachstum (6,7 Prozent für 2017 und 6,4 Prozent für 2018) zeige. "Im zweiten Quartal dieses Jahres betrugt das BIP 6,9 Prozent. Damit konnte China das Wachstumstempo des ersten Quartals beibehalten und den Erwartungen einer gewissen Verlangsamung im Markt trotzen." Darüber hinaus sei zu erwarten, dass das BIP-Wachstum 2017 aufgrund der starken Ergebnisse des ersten Halbjahres und einer nachhaltigeren konjunkturellen Dynamik höher ausfallen könnte als erwartet. Dennoch seien Herausforderungen bestehen geblieben. Kurzfristig kämen diese aus externen Quellen, wie möglichen Zinserhöhungen in den USA oder politischer Instabilität durch Nordkorea.

"Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die verschiedenen von uns bereits erwähnten Faktoren positiv auf die Marktstimmung auswirken könnten. Anleger in chinesischen Aktien, die sich auf Sektoren konzentrieren, die von der robusten Wirtschaft profitierten, können mit einem diversifizierten Portfolio einige interessante Möglichkeiten nutzen, die sich in diesem Umfeld weiter entwickeln dürften." (11.10.2017/ac/a/m)







 
 
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