Argentinien: Regierung kündigt Schuldenrestrukturierung an




13.09.19 14:50
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Aktuelle Entwicklungen: Nach dem eindeutigen Sieg des Oppositionskandidaten Alberto Fernandez bei den Vorwahlen am 13. August hat sich die Lage Argentiniens dramatisch verschlechtert, denn Fernandez will das IWF-Programm neu verhandeln und stellt viele der Reformen des amtierenden Präsidenten in Frage, so die Analysten der DekaBank.

Investoren würden eine Rückkehr zur populistischen Politik der ehemaligen Präsidentin Cristina Fernandez befürchten - die als Vizepräsidentin mit Fernandez kandidiere. Während ihrer Regierungszeit sei das Land von Populismus geprägt gewesen, durch den ausländische Investoren verscheucht worden seien und der Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten verloren gegangen sei. Die gestiegene Unsicherheit über die politische Zukunft des Landes habe zunächst zu einer starken Abwertung der Währung, zu Kapitalflucht und dem Verlust des Zugangs zum Kapitalmarkt geführt. Die Regierung von Präsident Macri habe nun eine Restrukturierung der kurzfristigen lokalen Anleihen angekündigt. Die Laufzeiten sollten bei unveränderten Kuponzahlungen verlängert werden. Zudem habe die Regierung eine freiwillige Umstrukturierung der länger laufenden lokalen sowie der internationalen Anleihen angekündigt. Aktuell würden diesbezüglich Gespräche mit den Investoren laufen, aber eine baldige Einigung sei unwahrscheinlich. Da die Verschuldung überwiegend in US-Dollar denominiert sei, führe eine Abwertung des argentinischen Pesos (ARS) unmittelbar zu einem Anstieg der Verschuldung. Sie sei seit Ende vergangenen Jahres von rund 80% auf aktuell über 100% des BIP angestiegen. Das aktuelle Niveau sei nicht tragfähig, sodass neben einer Laufzeitverlängerung ebenfalls ein Schuldenschnitt notwendig wäre. Kurz nach der Ankündigung der freiwilligen Restrukturierung habe die Regierung ebenfalls eine erste Stufe von Kapitalverkehrsbeschränkungen eingeführt, um die Kapitalflucht einzudämmen und den Druck auf die Währung zu mindern. So dürften Argentinier nun maximal 10.000 US-Dollar pro Monat kaufen. Exporteure seien verpflichtet, die Deviseneinnahmen in Peso umzutauschen. Sollte der Druck auf die Währung anhalten, seien Verschärfungen dieser Maßnahmen wahrscheinlich. Zunächst hätten diese Maßnahmen zu einer Stabilisierung der Währung geführt. Trotzdem dürfte das aktuelle Chaos die bereits geringen Chancen für eine Wiederwahl Macris und eine Fortsetzung der Reformen weiter schmälern.

Perspektiven: Die Stabilisierungsmaßnahmen nach Jahren der Misswirtschaft seien tiefgreifend gewesen. Die Abschaffung von Subventionen und die Freigabe der Währung hätten im vergangenen Jahr zunächst zu einer Rezession geführt. Dann habe sich die Regierung zu tieferen Einschnitten bei den Staatsausgaben gezwungen gesehen, die die Wirtschaft stark belastet hätten. Diese Anstrengungen seien für die Bevölkerung zu viel gewesen. Es zeichne sich eine Rückkehr des Populismus ab. Der Ausblick für weitere Reformen sei aufgrund des sich abzeichnenden Regierungswechsels negativ. Problematisch bleibe zudem die Inflationsdynamik aufgrund der deutlichen Abschwächung der Währung und der Inflationsindexierung von Löhnen und Renten.

Länderrisiko: Die Ratingagenturen hätten auf die Ankündigung der Schuldenrestrukturierung durch Präsident Macri mit Herabstufungen reagiert. Mit Caa2 (Moody’s), CCC- (S&P) und CC (Fitch) werde einem Kreditereignis eine hohe Wahrscheinlichkeit beigemessen. Die Bonitätsentwicklung Argentiniens sei unter Macri nach der Einigung mit den Holdouts und der Durchführung von wichtigen Reformen in vergangenen Jahren zunächst positiv gewesen. Doch die Aussicht auf weitere Reformen verschlechtere sich mit dem sich abzeichnenden Regierungswechsel zu einer neuen populistischen Regierung. Die Zusammenarbeit mit dem IWF verringere aktuell das Risiko von kurzfristigen Liquiditätsengpässen, allerdings sei eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit nach den Wahlen unwahrscheinlicher geworden. (13.09.2019/ac/a/m)





 
 
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