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Türkei: Wenig Unterstützung für die Lira




12.09.18 13:45
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Aktuelle Entwicklungen: Die türkische Lira (TRY) hat sich zwar nach dem Kursabsturz vom 10. August etwas gefangen, so die Analysten der DekaBank.

Doch zu einer nennenswerten Erholung sei es nicht gekommen, weil sich weder Zentralbank noch Regierung zu durchgreifenden Maßnahmen bereitgefunden hätten. So habe die Zentralbank lediglich eine Zinsanhebung "durch die Hintertür" durchgeführt, indem sie Liquidität nur noch zum Tagesgeldsatz in Höhe von 19,25%, statt zum Reposatz von 17,75% zur Verfügung gestellt habe. Der Verzicht auf die Anhebung des Reposatzes sei von den Investoren als deutliches Signal betrachtet worden, dass die Währungshüter weiterhin lediglich das ausführen könnten, was ihnen von Präsident Erdogan vorgegeben werde. Erdogan habe zudem im Fall des festgehaltenen amerikanischen Pastors Brunson weiterhin keine Dialogbereitschaft signalisiere.

Immerhin hätten die ihre USA Sanktionen trotz des ungelösten Falls bislang nicht weiter verschärft, doch die Gefahr einer weiteren Eskalation sei hoch. Gleichzeitig spitze sich die Situation im Syrienkrieg erneut zu, nachdem die Kämpfe um die an die Türkei grenzende Provinz Idlib verstärkt worden seien. In Idlib befinde sich die Mehrheit der in Syrien verbliebenen islamistischen Kämpfer, die innerhalb des Landes keine Rückzugsmöglichkeiten mehr hätten.

Besser als erwartet habe sich die türkische Wirtschaft im zweiten Quartal gehalten: Trotz der ausgeprägten Währungsschwäche, die die Finanzierungskosten in die Höhe getrieben habe, habe das BIP um 0,9% qoq zugelegt. Die Jahresrate sei dennoch deutlich von 7,4% auf 5,2% gefallen, weil die Entwicklung schwächer gewesen sei als im Vorjahr und zudem das Wachstum im ersten Quartal von 2,0% auf 1,5% qoq revidiert worden sei. Mit Spannung werde nun der Zinsentscheid am 13. September erwartet. Nach dem deutlichen Anstieg der Inflationsrate im August von 15,9% auf 17,9% habe die Zentralbank bereits eine geldpolitische Reaktion angekündigt. Die Analysten der DekaBank würden erwarten, dass die Notenbank Liquidität wieder zum Reposatz zur Verfügung stellen werde und diesen um 250 Bp anhebe. Der effektive durchschnittliche Finanzierungssatz stiege damit lediglich um 100 Bp, was gemessen an den Analystenschätzungen eine Enttäuschung wäre und der Lira kaum Auftrieb geben dürfte. Die schwache Lira dürfte dazu führen, dass die türkische Wirtschaft im zweiten Halbjahr schrumpfe und es 2019 nur zu einer schwachen Erholung kommt.

Die Analysten der DekaBank hätten daher ihre BIP-Prognose für 2018 von 4,2% auf 3,9% und für 2019 von 3,2% auf 1,3% gesenkt. In den monatlichen Indikatoren deute sich der Rückgang der Aktivität bereits an: So sei die Industrieproduktion im Mai und Juni deutlich gesunken, so dass sich ein starker statistischer Unterhang für das dritte Quartal ergebe. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sei im Juli kurz angestiegen, um im August dann wieder von 49,0 auf 46,4 Punkte zu fallen.

Perspektiven: Der Währungsverfall habe zu deutlich steigenden Finanzierungskosten geführt und werde einige Unternehmen, die sich stark in Fremdwährung verschuldet hätten, in die Insolvenz stürzen. Die Investitionstätigkeit werde in den kommenden Quartalen stark leiden und eine Rezession erscheine unausweichlich. Die Verbraucher würden von dem starken Inflationsanstieg belastet. Langfristig müsste die Türkei ihr Wachstumsmodell stärker auf Exporte ausrichten, um das Problem in der Leistungsbilanz in den Griff zu bekommen.

Länderrisiko: Politische Fehlentwicklungen, das chronisch hohe Leistungsbilanzdefizit, steigende Auslandsverschuldung und der Glaubwürdigkeitsverlust der Geldpolitik hätten dazu geführt, dass die drei großen Ratingagenturen die Türkei in den vergangenen Jahren herabgestuft hätten. Mit S&P vergebe die erste Agentur seit August wieder ein Rating im Single-B-Bereich (B+), was seit 2005 nicht mehr der Fall gewesen sei. Die Währungskrise mache weitere Herabstufungen wahrscheinlich. (12.09.2018/ac/a/m)







 
 
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