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Russland: Rubel-Schwäche setzt Zentralbank unter Druck




12.09.18 12:05
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Angesichts der schlechten Stimmung gegenüber den EM-Finanzmärkten im allgemeinen und vor der Drohkulisse einer möglichen dramatischen Verschärfung der US-Sanktionen hat der russische Rubel seit Monatsbeginn 3,5% gegenüber dem Euro eingebüßt, so die Analysten der DekaBank.

Die im August vorgeschlagenen Gesetzentwürfe würden derzeit im Kongress debattiert. Dass die diskutierten extremen Sanktionen, wie das Abschneiden der russischen Banken von der Finanzierung in US-Dollar, tatsächlich verabschiedet würden, sei derzeit nicht das Hauptszenario der Analysten. Denn die USA dürften daran interessiert sein, für den Fall einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen noch Pfeile im Köcher zu haben.

Die gestiegenen politischen Risiken in Kombination mit der bevorstehenden Mehrwertsteueranhebung in 2019 und der schlechten Ernte würden die Zentralbank in die Enge treiben. Denn es zeichne sich ab, dass die Verbraucherpreise im nächsten Jahr deutlicher über dem Zentralbankziel von 4% liegen würden, als es zuvor prognostiziert gewesen sei. Bei ihrem Zinsentscheid am 14. September dürfte sie sich somit durchaus von den Märkten treiben lassen und den Leitzins um 25 BP auf 7,50% angeben, um ihre hohe Bereitschaft zur Inflationsbekämpfung zu signalisieren.

In Sachen der unpopulären Rentenreform, die im Sommer nach der ersten Lesung im Parlament erst einmal auf Pause gesetzt worden sei, habe Wladimir Putin sein Machtwort gesprochen. In einem Fernsehauftritt habe er die Anhebung des Renteneintrittsalters für unumgänglich erklärt, allerdings für Frauen eine deutliche Aufweichung der Reform angekündigt: Das Renteneintrittsalter solle nun noch nur auf 60 und nicht wie zuvor geplant auf 63 angehoben werden. Zusätzliche Abschläge seien für kinderreiche Mütter vorgesehen. Ein Referendum zu diesem Thema, das von der Kommunistischen Partei angestoßen worden sei, sei damit nahezu ausgeschlossen. Die Proteste gegen die Reform würden andauern, zuletzt sei es bei russlandweiten (häufig nicht genehmigten) Demonstrationen am 9. September zu zahlreichen Festnahmen gekommen.

Die Rentenreform habe der Regierungspartei "Einiges Russland"(ER) auch die Ergebnisse der Lokalwahlen am vergangenen Wochenende deutlich verhagelt: Die Oppositionsparteien, die gegen die Rentenreform seien (LDPR, Kommunisten) haetten ihre Stellung in den Lokalparlamenten deutlich ausbauen können. In vier Regionen müssten die ER-Kandidaten in die Stichwahl für das Gouverneursamt. Die Misserfolge der Regierungspartei würden aber nicht auf Putin abfärben, dessen durch die Rentenreform ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Popularitätswerte sich zuletzt wieder etwas verbessert hätten.

Das Wachstumspotenzial sei in Russland wegen der demographischen Entwicklung und der niedrigen Produktivitätssteigerungen, die auf geringe Investitionen zurückzuführen seien, mit ca. 1,5% verhalten. Der zur Erhöhung des Potenzialwachstums dringend notwendige institutionelle Reformprozess werde durch den mangelnden Reformwillen der Machthaber behindert. Das internationale Sanktionsregime verstärke Russlands wirtschaftliche Isolation.

Das politische Risiko, das mit einer potenziellen drastischen Verschärfung der US-Sanktionen eingehe, dominiere bei der Bonitätseinschätzung. Russland weise nach wie vor solide Staatsfinanzen auf und die externe Verschuldung sei niedrig im Vergleich zu vielen anderen Emerging Markets. Doch sollten die derzeit in den USA diskutierten extremen Maßnahmen (z.B. das Verbot für Dollargeschäfte der Staatsbanken, Sanktionierung der russ. Staatsanleihen), entgegen der derzeitigen Einschätzung der Analysten greifen, würde dies zu Turbulenzen und Ratingherabstufungen führen. Die hohe Unsicherheit dürfte bis zu den Zwischenwahlen in den USA im November anhalten, weil die Analysten davon ausgehen würden, dass der Umfang der Maßnahmen stark mit dem Grad der Einmischung Russlands in die Wahlen zusammenhänge. (12.09.2018/ac/a/m)






 
 
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