Erweiterte Funktionen


Russische Wirtschaft: Der erste Schock über neue US-Sanktionen scheint sich gelegt zu haben




16.05.18 15:32
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der erste Schock über die neuen US-Sanktionen im April scheint sich gelegt zu haben, so die Analysten der DekaBank im Kommentar zur russischen Wirtschaft.

Überraschenderweise hätten sich die Sanktionen bislang weder in der Inflationsrate (April: 2,4% yoy, unverändert ggü. Vormonat) noch in den Stimmungsindikatoren bemerkbar gemacht. Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungsbereich seien die Einkaufsmanagerindices im April wieder angestiegen.

Die Russische Zentralbank (CBR) habe den Leitzins Ende April als Reaktion auf die Finanzmarktturbulenzen wie erwartet unverändert bei 7,25% gelassen. Für den weiteren Jahresverlauf habe die CBR die Wiederaufnahme der Leitzinssenkungen bis zu einem "neutralen Leitzinsniveau" signalisiert, das sich allerdings wegen des Anstiegs der Länderrisikoprämie innerhalb des Intervalls von 6 bis 7% nach oben bewegt habe. Die Analysten der DekaBank erwarten deshalb nur noch zwei statt drei Zinsschritte auf dann 6,75%. Die BIP-Prognose für 2018 hätten sie leicht nach unten angepasst (1,5% statt zuvor 1,7%), um den Sanktionsauswirkungen und den leicht angestiegenen Finanzierungskosten Rechnung zu tragen. Der positive Konjunkturimpuls der gestiegenen Ölpreise sei aufgrund der fiskalischen Regel gekappt: Budgeteinnahmen, die sich aus dem Ölpreis oberhalb von 40 US-Dollar/Fass ergeben würden, würden ausschließlich zur Aufstockung des Reservefonds verwendet.

Das Wachstumspotenzial sei in Russland wegen der demographischen Situation und der niedrigen Produktivitätssteigerungen, die auf geringe Investitionen zurückzuführen seien, mit ca. 1,5% verhalten. Der zur Erhöhung des Potenzialwachstums dringend notwendige institutionelle Reformprozess werde durch den mangelnden Willen der Machthaber behindert. Die Zusammensetzung der neuen Regierung, die die vierte Amtszeit von Präsident Putin begleiten solle, deute auf keinen neuen Kurs hin: Viele Minister wie auch Ministerpräsident Medwedjew würden in ihrem Amt bleiben. Lediglich die Kandidatur des Wirtschaftsreformers Alexej Kudrin, der in der Vorgängerregierung keinen offiziellen Posten bekleidet habe, als Leiter des Bundesrechnungshofs könne bislang als Reformwillen interpretiert werden.

Das internationale Sanktionsregime verstärke Russlands wirtschaftliche Isolation. Der Gesetzesentwurf über neue Gegensanktionen als Antwort auf die US-Maßnahmen vom April sei zwar zuletzt deutlich verwässert worden, doch ein weiteres Gesetz sehe Strafen für in Russland agierende Unternehmen vor, die sich an die US-Sanktionen halten würden. Sollte dieser Entwurf in seiner jetzigen Form verabschiedet werden, würde dies das Investitionsklima für internationale Unternehmen weiter verschlechtern.

Die von den USA Anfang April verabschiedeten Sanktionen hätten an sich keine Auswirkungen auf die Bonitätseinschätzung des russischen Staates, selbst wenn er den betroffenen Unternehmen unter die Arme greifen müsse. Die Staatsfinanzen seien nach wie vor solide und die externe Verschuldung niedrig im Vergleich zu vielen anderen Emerging Markets. Dies habe dazu geführt, dass Standard & Poor's das Fremdwährungsrating Russlands Ende Februar von BB+ auf BBB angehoben habe. Damit würden zwei der drei Ratingagenturen Russland nun wieder im Investment Grade einstufen. Doch nachdem man zum Auftakt des Jahres 2018 eine Verschärfung der Sanktionen bereits als unwahrscheinlich abgetan habe, erhöhe die Entscheidung der USA die Unsicherheit in Bezug auf mögliche weitere Strafmaßnahmen wieder erheblich.

Die US-Regierung habe zuletzt in Bezug auf die Härte der Sanktionen zwar etwas zurückgerudert, z.B. indem sie die Übergangsfristen verlängert habe, doch die Wahrscheinlichkeit für die Verschärfung des Sanktionsregimes sei hoch. Die Analysten der DekaBank gehen nach wie vor davon aus, dass die Erweiterung der Beschränkungen auf die Staatsanleihen des russischen Staates oder der Ausschluss der russischen Finanzinstitute aus dem SWIFT-Zahlungssystem zu extremen Maßnahmen zählen und trotz der jüngsten Eskalation unwahrscheinlich sind. (16.05.2018/ac/a/m)






 
 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...