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Makroökonomie: Endlich Beschleunigung bei den Löhnen?




11.09.18 10:45
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.aktiencheck.de) - Bevor das Schreckgespenst des Protektionismus die Märkte in Atem hielt, war der US-Arbeitsmarkt, genauer gesagt die Lohninflation, der erste Stressfaktor des Jahres, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer bei La Financière de L'Echiquier.

Da die Lohninflation im Februar deutlich höher als erwartet ausgefallen sei, habe sie eine Beschleunigung und mögliche Entgleisung der Inflation in den USA sowie eine daraus folgende aggressive geldpolitische Straffung durch die US-Notenbank (FED) befürchten lassen. Auch wenn die Reaktion der Anleger zweifelsohne überzogen gewesen sei, habe diese Episode zumindest den Vorteil gehabt, dass das Thema Inflation in den Köpfen der Anleger angekommen sei.

Trotz immer besserer Arbeitsmarktzahlen, eines steten Rückgangs der Arbeitslosenquote und durchschnittlich rund 200.000 neu geschaffener Stellen pro Monat sei die Lohninflation seitdem jedoch moderat geblieben. Hierfür gebe es mehrere Erklärungen. Einerseits den Anstieg der privaten Einkommen vom Jahresanfang im Zuge der Steuerreform, die den Wunsch nach Lohnerhöhungen eingedämmt habe. Andererseits die Rückkehr von Arbeitnehmern auf den Arbeitsmarkt, die lange Zeit außer Arbeit gewesen seien und daher weniger hohe Lohnforderungen stellen würden.

Seitens der Unternehmen seien jedoch andere Töne zu vernehmen gewesen. Eine Erhebung des Institute for Supply Management (ISM) habe die Arbeitskosten als einen der Faktoren für den Anstieg der gezahlten Preise genannt. Ebenso hätten kleinere Unternehmen in der Befragung durch den US-Verband der freien Berufe (NFIB) auf einen ausgeprägten Lohndruck hingewiesen, und einige hätten von Schwierigkeiten bei Neueinstellungen berichtet. Insgesamt hätten diese verschiedenen Erhebungen auf eine höhere Lohninflation hingedeutet, als sie den Zahlen des Bureau of Labor Statistics (BLS) bislang zu entnehmen gewesen sei.

Der am vergangenen Freitag veröffentlichte Bericht des BLS habe diese Beobachtungen bestätigt. Denn der durchschnittliche Stundenlohn habe im August um 0,4 Prozent zugelegt, während lediglich 0,2 Prozent erwartet worden seien. Über ein Jahr betrachtet sei er um 2,9 Prozent gestiegen, während die Prognose gelautet habe, dass er mit 2,7 Prozent stabil bleiben würde. Der Rückgang der Erwerbsquote erzeuge einen Aufwärtsdruck auf die Löhne. Dagegen hätten die Stagnation bei den durchschnittlich geleisteten Stunden und der Rückgang der Unterbeschäftigungsquote eher einen dämpfenden Effekt. Anders gesagt: Es handle sich um eine "echte" Lohninflation und nicht bloß um einen Masseneffekt.

Sobald der Anstieg der privaten Einkommen durch die Steuerreform aufgesogen sei, werde sich der Anstieg der US-Löhne in den kommenden Monaten fortsetzen. Entscheidend sei nun die Frage, ob es den Unternehmen gelinge, diese Kostensteigerungen auf höhere Verkaufspreise umzulegen. Falls ja, würden die Verbraucherpreise weiter ansteigen, was die Fortsetzung der von der FED begonnenen geldpolitischen Straffung rechtfertigen würde. Im gegenteiligen Fall würden die Margen der Unternehmen unter Druck geraten. Dies könnte letztlich negative Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne haben, sobald der günstige Basiseffekt der Steuerreform verpuffe. (11.09.2018/ac/a/m)






 
 
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