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Deutsche Mittelstandaktien: Abgestrafte Industriewerte und boomende Tech-Titel




11.09.18 13:05
Merck Finck Privatbankiers

München (www.aktiencheck.de) - Die Digitalisierung macht auch vor dem deutschen Mittelstand nicht halt, so Merck Finck Privatbankiers.

"Die Disruption vieler Geschäftsmodelle stellt Unternehmen vor Herausforderungen, bietet aber gleichzeitig große Chancen für die deutschen Nischenplayer", meine lngo Koczwara, Fondsmanager bei Merck Finck Privatbankiers und zuständig für den Richelieu Equities Small &Mid Cap Germany. Vor allem die kleinen bis mittelgroßen heimischen Unternehmen, die auf globaler Ebene mit ihren Spezialmaschinen oder Technologien die Basis für starke Wachstumstrends liefern würden, seien mehr als einen Blick wert - und weniger anfällig gegen Handelskonflikte.

Für deutsche Mittelstandaktien sei 2018 bislang mehr oder weniger ein Nullsummenspiel gewesen. Zum Ende der ersten Septemberwoche sei der MDAX (ISIN: DE0008467416, WKN: 846741) nahezu auf seinem Stand vom Jahresbeginn gewesen. Dennoch sei 2018 für Ingo Koczwara ein sehr interessantes Börsenjahr. "Die Performanceunterschiede bei deutschen Small und Mid Caps waren enorm. Schwer hatten es in diesem Jahr vor allem die klassischen Industriewerte, die einen wichtigen Anteil am deutschen Mittelstand haben", sage der Fondsmanager.

Auf der Gewinnerseite hätten vor allem Technologiewerte gestanden. "Es ist eine Fehlannahme, dass es in Deutschland keine Tech-Aktien gibt. Wir haben zwar nicht die ganz Großen, aber dafür viele Nischenplayer in der zweiten und dritten Reihe", sage Koczwara. Dazu zähle zum Beispiel die Berliner Hypoport (ISIN: DE0005493365, WKN: 549336, Ticker-Symbol: HYQ), die eine Plattform für die Digitalisierung von Hypothekenkrediten anbiete. Oder Nemetschek (ISIN: DE0006452907, WKN: 645290, Ticker-Symbol: NEM), ein Entwickler für Architekten- und Planungssoftware, der seinen Kurs in diesem Jahr fast habe verdoppeln können. Als Hauptgrund für die starke Kursentwicklung im Technologiebereich sehe Koczwara die fortschreitende Digitalisierung: "Mittlerweile hat jeder Unternehmenslenker und Investor verstanden, dass die Digitalisierung einen nachhaltigen Umbruch in der Wirtschaftsstruktur darstellt und auch nicht wieder verschwinden wird. Die Investoren springen jetzt noch einmal stärker auf das Thema als vorher."

Herausforderung Nummer 1: Digitalisierung

Digitalisierung sei aber nicht nur ein spezielles Anlagethema, sondern betreffe alle Branchen. Hier wünsche sich Koczwara bei so manchem Unternehmen etwas mehr Tatendrang. "Das nötige Kapital ist in der Regel vorhanden, deutsche Mittelständler sind im Durchschnitt relativ gering verschuldet, manche gar nicht. Es fehlt aber oft der Mut, für die Digitalisierung etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Die Unternehmer schauen lieber erst einmal, wie sich die Lage entwickelt", erläutere Koczwara. Die deutsche "Abwarte-Mentalität" berge allerdings durchaus Gefahren, wenn die Digitalisierung exponentiell an Fahrt gewinne. Auch die anstehende Implementierung des neuen Mobilfunkstandards 5G werde die Unternehmen vor Herausforderungen stellen und etwas Mut erfordern.

Kaum Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand hingegen hätten nach Ansicht des Fondsmanagers die von den USA ausgelösten Handelskonflikte. Politische Themen würden Unternehmen und ihre Entwicklung letztlich kaum beeinflussen. Tatsächlich erhobene Strafzölle könnten Firmen grundsätzlich zwar schon belasten. Allerdings gebe es gerade in Deutschland viele Unternehmen, die Spezialanlagen oder spezielle Technologien produzieren würden, die in die Produktionslinien in der ganzen Welt, auch in den USA, integriert würden und helfen würden, die Produktivität zu steigern. "Strafzölle auf solche Produkte wären ein Schuss ins eigene Knie", sage Koczwara und sehe erhöhte Einfuhrgebühren als kein Thema, das den deutschen Mittelstand direkt betreffe. Eine Ausnahme wären Autozulieferer. "Die Automobilindustrie ist eine globale Branche. Die Einzelteile für die Fahrzeuge kommen aus der ganzen Welt. Die Amerikaner scheinen aber erkannt zu haben, dass Strafzölle in diesem Bereich auch verheerende Folgen für US-Unternehmen haben können", so der Merck-Finck-Experte.

Die deutschen "Spatenhersteller" im Visier

Unter den deutschen Mittelständlern möge der Fondsmanager besonders gerne Unternehmen, die anderen das Wachstum erst ermöglichen würden. Oder bildlich ausgedrückt: "Wir sind im Goldrausch, und alle kaufen die Goldminen, vernachlässigen aber die Spatenhersteller", so Koczwara. Zu solchen Unternehmen zähle er beispielsweise AIXTRON (ISIN: DE000A0WMPJ6, WKN: A0WMPJ, Ticker-Symbol: AIXA, Nasdaq OTC-Symbol: AIXXF). Das nordrhein-westfälische Unternehmen baue unter anderem Maschinen, die VCSEL-Sensoren produzieren.

Solche Lichtsensoren würden im Rahmen der Gesichtserkennung eingesetzt und seien bereits im iPhone X genutzt worden. Auch das Geschäftsmodell von Jungheinrich (ISIN: DE0006219934, WKN: 621993, Ticker-Symbol: JUN3) aus Hamburg überzeuge Koczwara. Die einst für ihre Gabelstapler bekannte Firma biete heute auch Lösungen für automatisierte Hochregallager an und liefere damit eine wichtige Grundlage für das Wachstum des Online-Handels. Für digitalen Fortschritt im Gesundheitswesen sorge Evotec (ISIN: DE0005664809, WKN: 566480, Ticker-Symbol: EVT, Nasdaq OTC-Symbol: EVOTF) und biete eine Automatisierung von vorklinischen Tests für die Pharmaindustrie.

Technologiewerte lasse Koczwara in seinem Portfolio ebenfalls nicht außen vor. "Diese sind zwar schon gut gelaufen. Es kann sich aber keiner leisten, bei Technologie nicht dabei zu sein. Ob die Werte heute tatsächlich schon zu teuer sind, werden die nächsten fünf Jahre zeigen." Als günstig bewertet und attraktiv erachte er hingegen viele klassische Industrietitel, deren Börsenkurse in diesem Jahr eher gelitten hätten, wie etwa Stabilus (ISIN: LU1066226637, WKN: A113Q5, Ticker-Symbol: STM) oder Wacker Neuson (ISIN: DE000WACK012, WKN: WACK01, Ticker-Symbol: WAC, NASDAQ OTC-Symbol: WKRCF).

Koczwara sei weiterhin sehr zuversichtlich für deutsche Small und Mid Caps. "Der Aufwärtstrend kann durchaus über den normalen wirtschaftlichen Zyklus hinaus anhalten. Denn viele strukturelle Wachstumstrends, an denen der deutsche Mittelstand aktiv mitwirkt, wie Digitalisierung, Online-Handel und Logistik, E-Mobilität oder Cloud Computing stehen gerade erst am Anfang." (11.09.2018/ac/a/m)






 
 
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