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China: Nächste Eskalationsstufe im Handelsstreit steht bevor




12.09.18 11:39
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Nachdem die Anhörungsfrist im US-Kongress zu neuen Strafzöllen gegen China am 5. September abgelaufen ist, dürfte US-Präsident Trump deren Einführung bald bekannt geben, so die Analysten der DekaBank.

Die chinesische Regierung habe bereits angekündigt im Gegenzug Strafzölle auf weitere US-Importe im Warenwert von 60 Mrd. US-Dollar zu verhängen. China könne nicht wie bislang den gleichen Warenwert mit Zöllen belegen wie die USA, denn die von US-Seite geplanten 200 Mrd. US-Dollar lägen über dem Gesamtwert der chinesischen Importe aus den USA. Möglicherweise wähle China höhere Zollsätze oder nichttarifäre Maßnahmen, um eine Bestrafung der US-Wirtschaft in ähnlichem Umfang zu erreichen. Die 200 Mrd. US-Dollar würden etwa 1,5% des chinesischen BIP entsprechen.

Die direkte Belastung für die chinesische Wirtschaft werde aber deutlich geringer ausfallen, weil ein Teil der Last von den Zulieferern aus anderen Ländern zu tragen sei und der größte Teil der Exporte wohl nur teurer würden, aber nicht wegfallen werde. Dennoch sorge die Verschärfung des Handelskonflikts für eine Verschlechterung des Ausblicks für chinesische Exporteure. Die Regierung reagiere mit einer geld- und fiskalpolitischen Lockerung, um die Inlandsnachfrage zu stärken. Sowohl die niedrige Inflation als auch die schwache Dynamik der Infrastrukturinvestitionen würden anzeigen, dass der Spielraum für eine stärkere Inlandsdynamik grundsätzlich gegeben sei. Doch der starke Importanstieg und das Defizit in der Leistungsbilanz im ersten Halbjahr würden dafür sprechen, dass dieser Spielraum geringer sei als in früheren konjunkturellen Schwächephasen.

Die Analysten würden unterstellen, dass die Regierung den Aufbau eines dauerhaften Leistungsbilanzdefizits verhindern möchte. Die Eskalation des Handelskonflikts werde innenpolitisch zum Teil Präsident Xi Jinping angelastet, da dieser den globalen Machtanspruch Chinas zu sehr betont habe. Xi‘s Position sei zwar unangefochten, doch dürfte er in dieser Phase besonderen Wert darauf legen, zu demonstrieren, dass die Regierung wirtschaftspolitisch alles im Griff habe. Dies spreche zumindest auf Sicht der kommenden Monate für solides Wirtschaftswachstum und einen stabilen Wechselkurs.

Die Regierung habe als mittelfristiges Wachstumsziel für die Jahre bis 2020 eine Rate von 6,5% festgelegt. Sie dürfte alles daran setzen, dass dieser Wert nicht deutlich unterschritten werde, was für Wachstumsraten oberhalb von 6% spreche. Die hohe Verschuldung des Unternehmenssektors schüre Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems. Solange aber die Verschuldung überwiegend in Inlandswährung erfolge, könne die Notenbank das Finanzsystem stabilisieren. Der Handelsstreit mit den USA habe sich weiter verschärft. Da eine harte Haltung gegenüber China in den USA breite politische Zustimmung genieße, würden die Analysten hier keine nachhaltige Entspannung erwarten. Dies mache es für China schwerer, die Leistungsbilanz dauerhaft ausgeglichen zu gestalten.

Der Abwertungsdruck auf den Renminbi dürfte vor diesem Hintergrund bestehen bleiben. Zwar würden die Analysten erwarten, dass die Zentralbank in den kommenden Monaten viel daran setzen werde, den Wechselkurs zu stabilisieren, um einen Anstieg der Kapitalabflüsse zu vermeiden. Doch dauerhaft erscheine es notwendig, den Renminbi abwerten zu lassen, um den Aufbau eines unerwünschten Leistungsbilanzdefizits zu vermeiden.

Der massive Anstieg der Unternehmensverschuldung führe zu anhaltenden Sorgen bei Investoren und Ratingagenturen. Die negative Tendenz in der Leistungsbilanz und der sich verschärfende Handelskonflikt mit den USA erhöhe das Risiko einer deutlichen Wachstumsverlangsamung. Den Ratingtrend würden die Analysten eher negativ einschätzen. Insgesamt würden die Ratings der Agenturen (S&P: A+; Moody‘s: A1; Fitch: A+) aber weiterhin zeigen, dass das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit Chinas sehr hoch sei. (12.09.2018/ac/a/m)






 
 
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