Der Bitcoin als Inflationsschutz in Krisenländern




02.11.17 13:33
aktiencheck.de

Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) - Nach dem Bitcoin-Market-Potential-Index weisen vor allem Entwicklungsländer mit einem maroden Finanzsystem ein großes Potenzial für Kryptowährungen auf. Der von Wirtschaftswissenschaftlern der London School of Economics (LSE) erstellte Index berücksichtigt dabei folgende Faktoren: Inflation, finanzielle Repression, technologische Entwicklung, bisherige Finanzkrisen, Höhe der Rimessen (Rücküberweisungen), Vorhandensein und Größe des Schwarzmarkts und die bereits registrierte Verbreitung des Bitcoin.

Der im Jahr 2016 erstellte Index sah dabei Argentinien als Land mit einem sehr hohen Bitcoin-Potenzial. Gefolgt von den Ländern Venezuela, Simbabwe, Indien und Nigeria. In diesen Krisenländern sind Kryptowährungen ein möglicher Schutz vor Inflation und Willkür der Behörden. Da man für die Nutzung des Bitcoin nicht auf ein herkömmliches Bankkonto angewiesen ist, kann man sich staatlichen Währungsregulierungen entziehen. Aktuell kann man diese Entwicklungen gerade im krisengeschüttelten Venezuela hervorragend beobachten.

Bitcoin-Boom in Venezuela


In dem südamerikanischen Land steht das Finanzsystem trotz starker Regulierung kurz vor dem Zusammenbruch. Venezuela verfügt zwar über die größten Ölreserven der Welt, aber eine einseitige Wirtschaftspolitik und der Fall des Ölpreises haben zu einem riesigen Staatsdefizit geführt. Die Geldentwertung lag im Jahr 2016 bei 250%. In diesem Jahr geht der Internationale Währungsfonds IMF von 700 % Inflation aus und prognostiziert für 2018 einen Anstieg auf 2000 %. Die venezolanische Währung Bolivar ist für die Bevölkerung nicht mehr von großem Wert. Auf der Suche nach Alternativen war üblicherweise der Dollar die erste Wahl. Doch der Zugang zur US-amerikanischen Währung wird von der Regierung stark reguliert. Nur nach einem aufwendigen Zuteilungsverfahren werden Transaktionen in US-Dollar genehmigt.

Kryptowährungen wie der Bitcoin bieten sich in Venezuela als Ersatzwährung zum wertlosen Bolivar geradezu an. Die Volatilität des Bitcoin-Kurses ist zwar gegenüber traditionellen Währungen sehr hoch, aber im Vergleich zum Bolivar verschwindend gering. Die Nachrichten Agentur Bloomberg berichtet von einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Bitcoins in diesem Jahr. Lag der Wert der wöchentlich gehandelten Bitcoins bis Mitte des Jahres 2017 nur bei etwa 100.000 US-Dollar, explodierte das Handelsvolumen auf mittlerweile gut 1,3 Millionen US-Dollar.

Venezuelas Bürger haben in der Kryptowährung ein relativ leicht zugängliches Währungsmittel gefunden, das ihnen Schutz gegen die Inflation bietet. Bei der rasanten Geldentwertung des Bolivars ist es für viele Menschen kaum mehr möglich lebensnotwendige Güter und Lebensmittel zu kaufen. Der Bitcoin ist hier im wahrsten Wortsinn ein Retter in der Not.

Staatliche Maßnahmen gegen den Bitcoin


Der Aufstieg des Bitcoin zur Parallelwährung hat die venezolanische Regierung zu drastischen Gegenmaßnahmen herausgefordert. Das sich Kryptowährungen der staatlichen Kontrolle entziehen und dezentral gesteuert werden, kämpft der Staat mit Willkür gegen die monetäre Notwehr der Bürger an. Festnahmen von Minern und Mining-Equipment Händlern, sowie die Beschlagnahmungen von Computern häufen sich. Da Bitcoin-Mining und der Verkauf von Equipment nicht per Gesetz verboten sind, werden von den Behörden Anschuldigungen wegen Cyberkriminalität, Finanzierung von Terrorismus oder Stromdiebstahl vorgebracht.

Auch SurBitcoin, die erste Bitcoin-Börse Venezuelas, wurde im Februar dieses Jahres unter Druck gesetzt. Das Bankkonto von SurBitcoin wurde gesperrt und alle Anleger wurden aufgefordert ihr Einlagen aufzulösen. Mittlerweile hat die Bitcoin-Börse ihren Betrieb wiederaufgenommen.

Die Zentralbank erwägt eigene Kryptowährung


Nun hat die venezolanische Regierung angesichts der anhaltenden Währungskrise die Vorteile von Kryptowährungen erkannt. Wie ETHNews berichtet haben Anfang Oktober Beratungen über eine staatliche gestützte Digitalwährung stattgefunden, an denen Mitglieder der Zentralbank, des staatlichen Währungshandelssystems DICOM und private Kryptowährungsspezialisten teilnahmen. Einer der Teilnehmer der Konferenz war Ángel Salazar, CEO der venezolanischen Blockchainfirma OnixCoin. Er bestätigte, dass die Regierung über die Einführung einer Kryptowährung diskutiert.

Diese Entwicklung macht deutlich wie wichtig Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie gerade für Entwicklungs- und Schwellenländer sein können. In Venezuela wird es interessant werden zu beobachten, in welcher Weise die Digitalwährungen zur Bewältigung der Krise beitragen. Welchen Einfluss die veränderte Sichtweise der Behörden gegenüber Kryptowährungen auf den Bitcoin haben wird bleibt abzuwarten. (02.11.2017/ac/a/m)








 
 
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