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Volkswirtschaft: Optimistische Unternehmen, staatliche Investitionen




08.04.21 11:30
Postbank Research

Bonn (www.aktiencheck.de) - Die dritte Welle der Corona-Pandemie mit der ansteckenderen und aggressiveren britischen Mutante B 1.1.7 hat nun auch Kontinentaleuropa fest im Griff, so die Analysten von Postbank Research.

Die Inzidenzen würden steigen, Alltagseinschränkungen und Lockdowns würden erneut um sich greifen. Umso überraschender sei es, dass der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe im Euroraum im März ein Rekordhoch markiert habe. Das wichtige Stimmungsbarometer sei von 57,9 auf 62,4 Punkte geklettert - Volkswirte hätten im Vorfeld der Veröffentlichung einen leichten Rückgang prognostiziert. Damit signalisiere der europäische Index erstmals seit Anfang 2020 wieder ein stärkeres Wachstum des Sektors als in den USA. Werte über 50 würden auf eine Expansion der wirtschaftlichen Tätigkeit hindeuten.

Die USA würden in die Erholung stimulieren, China arbeite an den Kapazitätsgrenzen und Europas Wirtschaft sollte im Sommer aufholen. Denn die vom Lockdown geplagten Volkswirtschaften Europas hätten erhebliches Nachholpotenzial, insbesondere im Service-Sektor. 75 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung (BIP) würden auf Dienstleistungen zurückgehen, Reisen & Tourismus stünden für 9,1 Prozent des BIP und knapp zehn Prozent der Jobs.

In den USA arbeite die Regierung unter Präsident Joe Biden mit Hochdruck an einem Infrastrukturinvestitionsprogramm. Im Wahlkampf habe Joe Biden hierfür ein Volumen von 2 Billionen US-Dollar ins Spiel gebracht. Ein erheblicher Teil der Mittel solle in die Verkehrsinfrastruktur fließen, weitere geplante Ausgabenblöcke seien der Ausbau der grünen Energie sowie Investitionen in das Breitbandnetz und die öffentlichen Schulen.

Den ersten Aufschlag im Repräsentantenhaus dürfte der US-Präsident im April machen. Nach Bidens Plänen solle mit Unterstützung der meisten demokratischen Abgeordneten eine Teilfinanzierung des Gesetzespakets über Steuererhöhungen erreicht werden. Der Entwurf umfasse unter anderem eine Mindestbesteuerung der Gewinne ausländischer US-Tochtergesellschaften (GILTI) mit 21% sowie eine Erhöhung der Unternehmensteuer von 21% auf 28%.

Trotz Kongressmehrheit werde der Regierung aber kein Durchmarsch gelingen. Steuererhöhungen würden nicht nur bei Republikanern, sondern auch bei demokratischen Abgeordneten und Senatoren auf Widerstand stoßen. Am Ende könnte ein Kompromiss stehen, der nur etwa die Hälfte der ursprünglich angestrebten Steuermehreinnahmen in Höhe von 1 Billion US-Dollar vorsehe. Wegen der zu erwartenden schwierigen politischen Verhandlungen dürfte das Infrastrukturpaket frühestens im Herbst in Kraft treten.

Die Vorbereitung und Umsetzung von Infrastrukturinvestitionen nehme in der Regel viel Zeit in Anspruch. Die geplanten Ausgaben seien über einen Zeitraum von acht Jahren verteilt. Anders als beim jüngsten Corona-Hilfspaket, das ein vergleichbares Volumen aufweise, seien deshalb kurzfristig kaum Konjunktureffekte zu erwarten, die zudem noch von möglichen Steuererhöhungen konterkariert würden. Deshalb erwarte die Postbank für die US-Wirtschaft einen negativen fiskalischen Impuls, wenn die Corona-Hilfen auslaufen würden. Der könnte nach einem Plus von 8% im vergangenen Jahr 2022 bei -6% liegen. Da die Wirtschaft der USA nach Einschätzung der Notenbank Federal Reserve aber so stark wachsen könnte wie zuletzt in den 1970er Jahren, sollte das kein Problem darstellen. Im Gegenteil: Das Risiko einer Konjunkturüberhitzung sinke.

Unabhängig davon dürften vom geplanten Infrastrukturpaket auf lange Sicht erhebliche positive Wirkungen für die US-Wirtschaft ausgehen. Die staatlichen Investitionen könnten in den kommenden Jahren im Vergleich zu 2020 um rund ein Drittel steigen. Ein Gesamtvolumen von 2 Billionen US-Dollar entspreche etwa einem Drittel des geschätzten Wertes der staatlichen Infrastruktur in den USA. Die gesamtwirtschaftliche Produktivität dürfte durch eine Erneuerung der teilweise maroden Infrastruktur merklich steigen. Dementsprechend könnte auch das Wachstum in den USA auf lange Sicht profitieren. (Perspektiven April 2021) (08.04.2021/ac/a/m)






 
 
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