Erweiterte Funktionen


Tschechien: Zwischen Hoffen und Bangen




07.04.21 11:44
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Rezession fiel 2020 dann doch weniger heftig aus als befürchtet: Ein Minus von 5,6% gegenüber dem Vorjahr musste beim BIP am Ende verbucht werden, so die Analysten der Helaba.

Allerdings sei die Wirtschaft mit angezogener Handbremse ins neue Jahr gestartet, so dass das Wachstum 2021 mit rund 3% noch verhalten bleiben dürfte. Nachdem im vergangenen Sommer schon der Abschied von Corona öffentlich gefeiert worden sei, gelte wegen der rapide gestiegenen Fallzahlen seit Anfang Oktober der Notstand. Er sei inklusive nächtlicher Ausgangssperre und Reiseeinschränkungen bis 11. April verlängert worden, so dass die meisten Läden sowie Schulen und Restaurants geschlossen bleiben würden. Die Hoffnungen würden auf einer erfolgreichen, raschen Impfkampagne - auch wenn laut Umfragen die Impfbereitschaft nur bei 57% liege - und dem dann voraussichtlich wieder lebhaften privaten Verbrauch ruhen. Denn die Arbeitslosenquote sei mit zuletzt 4,3% noch niedrig. Dazu dürften die Erfahrungen der Unternehmen mit dem ausgeprägten Fachkräftemangel beitragen.

Höhere Nahrungsmittelpreise, pandemiebedingte Mehrkosten und der schwächere Euro-Kronen-Kurs hätten die Inflation 2020 zeitweise deutlich über die angestrebten 2% +/-1 Prozentpunkt gehoben. Im weiteren Verlauf hätten jedoch der schwache private Verbrauch und sinkende Energiekosten gebremst, so dass der Preisauftrieb im Jahresdurchschnitt 3,2% erreicht habe. Mit voraussichtlich 2,3% liege die Inflation 2021 wieder nahe beim Inflationsziel, so dass der Druck auf die Notenbank zur Straffung der Geldpolitik nachlasse. Sie habe als Reaktion auf den Wirtschaftseinbruch den Leitzins 2020 in drei Schritten von 2,25% auf 0,25% gesenkt und die Liquidität erhöht. Mit zunehmender Konjunkturdynamik sei eine Zinswende in der zweiten Jahreshälfte 2021 wahrscheinlich. Dann sollte der Euro-Kronen-Kurs wieder deutlich unter 26 Kronen je Euro sinken.

Hilfsmaßnahmen der Regierung zur Pandemiebekämpfung und Einnahmeausfälle hätten den Budgetsaldo von einem leichten Plus auf -6,4% des BIP gestürzt, für 2021 seien -5,7% zu erwarten. Die Verschuldung habe um fast die Hälfte zugelegt und zuletzt rund 43% des BIP erreicht. Der Trend zu höheren Zinsen und die Probleme bei der Pandemiebekämpfung würden die Verschuldungskosten zusätzlich steigen lassen: Mit zuletzt knapp 2% habe die Rendite tschechischer Benchmark-Anleihen seit Mai 2020 um über einen Prozentpunkt zugelegt.

Tschechien gehöre zu den am stärksten von Corona betroffenen Ländern und habe Anfang März trotz des anhaltenden Lockdowns die weltweit höchste Inzidenz aus. Das Krisenmanagement der Regierung werde daher heftig kritisiert. Aktuell würden die Fallzahlen zurückgehen. Ob Premier Babis nach der Parlamentswahl im Oktober 2021 weiterregieren werde, sei fraglich. Umfragen würden eine Unterstützung der regierenden ANO von nur noch 25% belegen. Da sich die Opposition in strategischen Koalitionen organisiert habe, könnte der Wahlausgang knapp werden. Allerdings habe Präsident Zeman bereits proklamiert, keine Regierung ohne die stärkste Partei zu akzeptieren. In jedem Fall werde das nächste Parlament vor der kniffligen Aufgabe stehen, den beginnenden Aufschwung zu unterstützen und gleichzeitig die kräftig gestiegene Staatsverschuldung einzudämmen. (07.04.2021/ac/a/m)






 
 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...