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Saudi-Arabien: Regierung treibt Reformen voran




21.03.17 13:14
Credendo

Brüssel (www.aktiencheck.de) - Ab Anfang 2018 gilt die Mehrwertsteuer in Saudi-Arabien, so die Experten von Credendo.

Grund dafür seien die niedrigen Ölpreise - die Regierung sehe sich dazu gezwungen, alternative Quellen für die Staatseinnahmen zu finden. Saudi-Arabien setze daher noch weitere Maßnahmen ein, um seine Wirtschaft zu diversifizieren. So öffne sich das Land künftig internationalen Investoren, indem es sein größtes Unternehmen, den Ölkonzern Aramco, an die Börse bringe. Geplant sei dieser Schritt in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres, vorerst sollten rund fünf Prozent der Anteile angeboten werden.

Ein weiterer Schritt der Regierung sei die Konkretisierung der geplanten Arbeitsmarktreform. Ziel dieser sei es, die Zahl arbeitender Saudis in der Privatwirtschaft anzukurbeln - denn aktuell stelle die Regierung den größten Arbeitgeber für Saudis dar, während die private Wirtschaft größtenteils von ausländischen Fachkräften betrieben werde. Zudem seien viele Saudis ohne Job, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit sei mit 28,5 Prozent (2014) hoch.

Ändern wolle Saudi-Arabien dies einerseits durch ein Belohnungssystem für private Unternehmen, welches greife, wenn Firmen einheimische Mitarbeiter einstellen würden sowie andererseits durch zusätzliche Kosten, die beim Anheuern ausländischer Mitarbeiter fällig würden. Die neue Regelung solle noch in diesem Jahr in Kraft treten. "Der Erfolg der Arbeitsmarktreform wird aber auch davon abhängen, inwiefern die Diversifikationsstrategie Früchte trägt", erkläre Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credendo.

Die saudische Regierung habe zudem jüngst bekannt gegeben, dass sie bis 2023 rund 9,5 Gigawatt Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugen wolle. "Als Reaktion auf die niedrigen Ölpreise hat Saudi-Arabien einen fundamentalen Paradigmenwechsel vollzogen. Die Abhängigkeit vom Erdöl zu beenden, hat oberste Priorität", sage Witte. Aktuell würden fast 70 Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen aus dem Ölgeschäft stammen. Und obwohl Saudi-Arabien 2012 einen zweistelligen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet habe, sei die Leistungsbilanz im vergangenen Jahr ins Minus gerutscht. Zudem sei das BIP-Wachstum deutlich gesunken - von 5,4 Prozent in 2012 auf 1,2 Prozent in 2016. Für 2017 sehe der IWF das Wirtschaftswachstum sogar nur noch bei 0,4 Prozent.

Im Oktober vergangenen Jahres habe sich Saudi-Arabien darüber hinaus erstmals Geld am internationalen Kapitalmarkt geliehen und plane aktuell noch eine weitere Bond-Platzierung. Die Regierung hoffe, somit ihr Haushaltsdefizit ausgleichen zu können. Eine Schlüsselrolle bei der Diversifikationsstrategie der saudischen Regierung werde zudem der neu geschaffene Staatsfonds PIF einnehmen. Dieser solle im In- und Ausland investieren, um die Wirtschaft des Königreiches zu diversifizieren. Die von der saudischen Regierung gehaltenen Aramco-Aktien sollten dabei in den Staatsfonds transferiert und die Eignerschaft des Ölkonzerns solle dem Fonds übertragen werden. Damit wäre er einer der größten Staatsfonds weltweit. "Saudi-Arabien ist mit seiner großen Reformbereitschaft auf einem guten Weg. Nichtsdestotrotz wird die Diversifizierung der Wirtschaft noch ein langer und herausfordernder Prozess", so Witte. (21.03.2017/ac/a/m)






 
 
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