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Russlands Regierung vor großen Herausforderungen




14.11.18 14:20
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.aktiencheck.de) - Russlands Volkswirtschaft dürfte im September stabil um rund 1,1% p.a. gewachsen sein, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport".

Das Wachstum habe sich im dritten Quartal allerdings etwas verlangsamt. Die Inflation habe leicht zugelegt, bleibe aber nahe post-sowjetischer Tiefststände. Die Arbeitslosenrate sei auf ein neues Rekordtief von 4,5% gefallen. Die Notenbank habe die Leitzinsen zuletzt unverändert gelassen.

Unterdessen versuche Russlands Regierung einen schwierigen finanziellen Spagat in mehrere Richtungen gleichzeitig. Angesichts immer neuer Sanktionen und Drohungen aus den USA versuche man den staatlichen Reservefonds möglichst rasch wieder aufzufüllen, um für eine mögliche neuerliche Krise gewappnet zu sein. Das gehe allerdings zulasten des aktuellen Wachstums. Zugleich sehe sich Moskau einem "unerklärten Krieg gegenüber", wie der Vorsitzende des Budgetausschusses des russischen Parlaments erklärt habe. Das würde Russland förmlich dazu zwingen, stärker als noch bis vor kurzem geplant, in Verteidigung und Sicherheit zu investieren.

Großangelegte NATO-Manöver direkt vor Russlands Haustür, die mögliche Expansion der westlichen Allianz direkt an die russische Südgrenze (Georgien, Ukraine) und die von den USA jüngst angedrohte Aufkündigung des Abkommens über das Verbot atomarer Mittelstreckenraketen würden von Russland als existentielle Bedrohungen seiner Sicherheit angesehen. Moskau setze hier zwar bereits seit langem notgedrungen auf stark asymmetrische, möglichst kostengünstige Antworten, weil man mit dem gewaltigen Militärbudget der USA ohnehin nicht ansatzweise mithalten könnte. Dennoch sei jeder Rubel für Grenzsicherung und Waffen natürlich tendenziell ein Rubel, der für die Volkswirtschaft und für Investitionen in Bildung oder Infrastruktur fehle. Dass durch Waffenexporte ein Teil der Investitionen wieder hereinkomme, ändere wenig am grundsätzlich unproduktiven Charakter von Verteidigungsbudgets.

Apropos, hereinkommen. Die immer umfangreicheren westlichen Sanktionen könnten neben zusätzlichem Stress zum Teil auch positive Nebenwirkungen für Russlands Wirtschaft haben. Vor allem in den USA, Großbritannien und Frankreich würden russische Oligarchen immer häufiger ins Visier der dortigen Behörden geraten. Einige von ihnen würden offenbar damit beginnen, ihr Kapital zumindest teilweise wieder nach Russland zurückzubringen, solange dies noch möglich sei. Schätzungen würden davon ausgehen, dass reiche Russen im Ausland ungefähr genauso viel Vermögen halten würden, wie die gesamte russische Bevölkerung im Inland besitze. Präsident Putin versuche seit langem und bisher weitgehend erfolglos, dieses Kapital wieder ins Inland zurückzuholen. Wie viel Kapital tatsächlich zurückfließen werde, bleibe trotz Amnestieangeboten und Steueranreizen aber abzuwarten.

Der Aktienmarkt in Moskau habe im Einklang mit dem globalen Trend im Oktober um rund 5% nachgegeben. Bemerkenswert sei, dass sich trotz rückläufigem Ölpreis russische Aktien im weltweiten Vergleich vergleichsweise gut behauptet hätten und der Rubel recht stabil geblieben sei. (Ausgabe November 2018) (14.11.2018/ac/a/m)







 
 
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