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Marktkommentar: "Beerdigen wir nicht gleich den globalen Kapitalismus"




21.03.17 13:13
DNCA Investments

Paris (www.aktiencheck.de) - Die wirtschaftlichen Parameter in Europa verbessern sich weiter, und die monetären Bedingungen in den USA normalisieren sich, so Igor de Maack, Portfoliomanager und Sprecher des Portfoliomanagements bei DNCA Investments.

Obwohl die Demokratien durch populistische Strömungen einer Belastungsprobe ausgesetzt seien, sei es noch zu früh, das Testament der Eurozone zu schreiben und den globalen Kapitalismus zu beerdigen.

Wie schon 2016 hätten die Finanzmärkte die politischen Ereignisse genau im Blick, doch möglicherweise werde deren Bedeutung überschätzt. Nach Spanien, Italien und Österreich hätten soeben auch die Niederlande den Lockrufen des politischen und wirtschaftlichen Extremismus eine Absage erteilt. Die Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) von Mark Rutte habe die Wahl gewonnen und stehe jetzt vor der Aufgabe, eine Koalition zu bilden. Auch wenn die Märkte im Hinblick auf die niederländische Wahl kaum besorgt gewesen seien, zeige der Wahlausgang doch erneut, dass die antieuropäischen Thesen weit davon entfernt seien, mehrheitsfähig zu sein.

Niemand bestreitet, dass die Europäische Union manchmal ineffizient ist - die Briten haben uns mit ihrem Brexit-Votum daran erinnert -, oder dass es in einem Währungsraum (der Eurozone), in dem es bezüglich der Flexibilität der Volkswirtschaften Unterschiede gibt, zu Spannungen kommen kann, so die Experten von DNCA Investments. Dennoch würden sich die wirtschaftlichen Parameter der Eurozone (Konsum- und Geschäftsklima, Arbeitslosenzahlen, Kreditvergabe, Rückkehr der Inflation, leichter Gewinnanstieg der Unternehmen) verbessern. Seit drei Jahren liege das BIP des Währungsraumes über dem langfristigen Potenzialwachstum von 1%.

Seit 2011 daran gewöhnt, beunruhigende und systemrelevante Schocks zu überstehen, könnte die Eurozone bei den Anlegern heute wieder an Attraktivität zurückgewinnen, vorausgesetzt, dass auch die letzte politische Hürde einigermaßen störungsfrei überwunden werde: Denn alle Augen der Finanzmärkte seien nun auf die französische Präsidentschaftswahl gerichtet. Momentan würden die Umfragen bei allem Vorbehalt nicht darauf hindeuten, dass eine extreme Partei den Sieg bei der Präsidentschaftswahl erringen könnte, und noch viel geringer sei diese Wahrscheinlichkeit für die Parlamentswahlen im Juni.

In den USA habe die Federal Reserve den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik der vergangenen zehn Jahre eingeleitet, indem sie die Zinsen ein weiteres Mal um 0,25% auf jetzt 1% angehoben habe.

Die amerikanische Konjunktur scheine seit dem letzten Quartal 2016 zu neuer Stärke gefunden zu haben. Überraschenderweise und entgegen allen Erwartungen der Medien und der Beobachter habe die Wahl von Donald Trump das Verbrauchervertrauen sowie das Vertrauen der amerikanischen Anleger gestärkt. Allerdings müssten die geplanten ehrgeizigen Maßnahmen (Steuersenkungen, höhere Staatsausgaben besonders im Infrastrukturbereich) erst noch das Gesetzgebungsverfahren (den Kongress) passieren. Vieles werde hierbei wohl von der Toleranz der Republikaner gegenüber einer x-ten Anhebung der Obergrenze für die Staatsschulden abhängen. In Europa habe die EZB noch keine Erhöhung der Leitzinsen beschlossen, obwohl von deutscher Seite darauf gedrängt werde. Nichtsdestotrotz habe sie ihre Inflationserwartungen für 2017 auf 1,7% angehoben, gleichzeitig aber festgestellt, dass der Anstieg der Reallöhne noch nicht ausreichend sei.

Infolge dieser Indizien für eine etwas weniger expansive Geldpolitik seien die Zinsen gestiegen. Das Auseinanderdriften der beiden geldpolitischen Ansätze scheine nicht länger tragbar zu sein, zumal sich diese Divergenz in zu hohem Maße auf die Entwicklung der Währungen zueinander (Euro und Dollar) auszuwirken beginne. Im Hinblick auf eine stärkere wirtschaftliche Dynamik und angesichts des Willens der Zentralbanken, zu einer bestimmten finanziellen Orthodoxie zurückzukehren, scheine ein Anstieg der Zinsen über kurz oder lang somit unausweichlich zu sein.

Die Bewertungsniveaus der europäischen Aktienmärkte würden von einem Anhalten des Konjunkturaufschwungs ausgehen, wohingegen Anleihen weiterhin von steigenden Zinsen auf kurze oder lange Sicht bedroht seien.

Die zuletzt veröffentlichten Unternehmensdaten würden den mikroökonomischen Aufwärtstrend bestätigen. Die Bewertungsniveaus der Aktienmärkte in Europa würden etwa im historischen Durchschnitt liegen. Daher sei es wichtig, bei der Bewertung Fehler zu vermeiden und sorgfältig diejenigen Branchen auszuwählen, deren Gewinnentwicklung das Potenzial für positive Überraschungen berge. Die Themen Börsenwert und große Marktkapitalisierungen in Frankreich und Europa (besonders in Südeuropa) müssten im Hinblick auf Anlagen neu bewertet werden.

Was die Anleihen betreffe, so sei es weiterhin von grundlegender Bedeutung, auf Portfolios mit kurzen Laufzeiten zu setzen. Zwischen 1990 und 2016 sei die durchschnittliche gewichtete Rendite der weltweit umlaufenden Anleihen von 9% auf 1,6% gesunken, während die Zinssensitivität im Mittel von 4,7 auf 6,9 gestiegen sei. Auch wenn kurzfristige Anleihen somit kaum etwas einbringen würden, so sei es unter diesen Umständen doch ratsam, sie zu behalten, um im rechten Moment die Chancen zu ergreifen, die sich bei einer Verschiebung der Zinskurve auftun könnten. (21.03.2017/ac/a/m)






 
 
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