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Indien: Umfassende Stützungsmaßnahmen




07.04.21 12:25
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die indische Wirtschaft ist im soeben zu Ende gegangenen Fiskaljahr 2020/2021 (April bis März) um voraussichtlich 7,3% geschrumpft, so die Analysten der Helaba.

Für den wachstumsverwöhnten Subkontinent bedeute dies das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Datenerhebungen. Es hätte allerdings noch schlimmer kommen können. Im Zeitraum April bis Juni sei das reale BIP um rund 24% gegenüber Vorjahr eingebrochen. In den folgenden Quartalen sei es jedoch zu einer etwas stärker als erwarteten Gegenbewegung gekommen. Bis auf die kurze, aber intensive Lockdownphase im Frühjahr 2020 habe es keine landesweiten Einschränkungen mehr gegeben, lediglich regionale Maßnahmen. Nach einem heftigen Anstieg im September 2020 seien die indischen Corona-Infektionszahlen zunächst rapide gekommen. Diverse realwirtschaftliche Indikatoren wie die Industrieproduktion oder die Zahl der Pkw-Neuzulassungen hätten sich Ende des Jahresbereits wieder erholen können.

Hoffnung auf weitere Entspannung habe die von der Regierung zum Jahresbeginn lancierte Impfkampagne geschürt, die nach einem schleppenden Auftakt inzwischen Fahrt aufnehme. 69 Millionen Inder hätten mindestens eine Dosis Sars-CoV-2-Vakzin erhalten. Bis zum Sommer sollten es 300 Millionen sein, was etwa einem Fünftel der indischen Bevölkerung entspräche. Überschattet würden die Impffortschritte und die wirtschaftlichen Erholungssignale allerdings von einem besorgniserregenden Wiederanstieg der Infektionszahlen: Anfang April habe die Zahl der täglich registrierten Coronafälle mit über 100.000 ein neues Rekordhoch erreicht. Indien befinde sich inmitten einer zweiten Welle, mutmaßlich ausgelöst durch Virusmutationen und die zunehmende Sorglosigkeit in der Bevölkerung angesichts der zwischenzeitlich gesunkenen Zahlen. Wachstumsprognosen würden angesichts dieser Entwicklung mit erheblicher Unsicherheit behaftet bleiben. Zwar habe sich Indien mit dem robusten Abschluss des letzten Fiskaljahres ein gutes Polster erarbeitet: Selbst wenn die Wirtschaftsleistung in allen vier kommenden Quartalen auf dem Abschlussniveau von 2020/2021 verharren würde, ergäbe sich für das Fiskaljahr 2021/2022 eine Wachstumsrate von knapp 10%! Die Analysten der Helaba würden von einem Anstieg des realen BIP um 13% ausgehen - vorausgesetzt, das Infektionsgeschehen werde unter Kontrolle gebracht und es komme nicht zu weiteren Lockdowns von nationaler Tragweite.

Wie bereits im Vorjahr stütze Indiens Regierung die Wirtschaft mit fiskalpolitischen Maßnahmen. Der im Februar veröffentlichte Haushaltsbeschluss sehe für das Fiskaljahr 2021/2022 Gesamtausgaben in Höhe von 470 Mrd. US-Dollar vor - rund 14% mehr als ursprünglich geplant. Alleine die Investitionen sollten im Vergleich zum Vorjahr um 35% zulegen und unter anderem in Infrastrukturprojekte und den Gesundheitssektor fließen. So erwachse aus der Krise für Indien auch die Chance, wichtige Strukturreformen endlich anzugehen und in Kombination mit der 2020 gestarteten wirtschaftspolitischen Kampagne "self-reliant India" (mit Subventionen und gezielter Förderung der inländischen Produktion) den Grundstein für nachhaltiges Wachstum zu legen. Das Haushaltsdefizit bleibe vor dem Hintergrund der Konjunkturprogramme deutlich erhöht, könnte sich aber bei erfolgreicher Umsetzung von geplanten Privatisierungen unrentabler Staatsunternehmen im laufenden Fiskaljahr auf 6,7% des BIP reduzieren. (07.04.2021/ac/a/m)





 
 
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