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IWF sieht Euroraum als Underperformer - CEE auf Spuren der USA




07.04.21 10:05
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Für den globalen Wirtschaftsausblick ist der Internationale Währungsfonds (IWF) gemäß neuen Projektionen äußerst zuversichtlich, für den Euroraum weniger, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Hier sowie für sehr viele Länderprognosen in CEE stimmen unsere Prognosen mit denen des IWF größtenteils überein, weniger für Russland, Weißrussland und ausgewählte Länder in Südosteuropa, so die Analysten der RBI.

Der IWF habe gestern seine neuen Wirtschaftsprognosen für 2021 und 2022 im Rahmen des World Economic Outlook (WEO) veröffentlicht. Angesichts der derzeit dynamischen wirtschaftlichen Entwicklungen in Asien (vor allem China), den USA sowie der Aussicht auf einen weiterhin sehr pro-zyklischen Politikmix gerade in den großen Entwickelten Volkswirtschaften sei es nicht verwunderlich, dass der IWF seine Prognose für die Weltwirtschaft, die Entwickelten Volkswirtschaften und gerade die USA deutlich angehoben habe. Die wirtschaftliche Erholung im Jahr 2021 und dann auch in 2022 könnte damit gerade in den Entwickelten Volkswirtschaften deutlich dynamischer verlaufen als im Nachgang der Globalen Finanzkrise.

Die Eurozone entwickle sich leider - trotz erwarteter deutlicher Erholung in 2021 - zum globalen Underperformer. Im Oktober 2020 habe der IWF dem Euroraum, auch wegen des scharfen BIP-Einbruchs im Jahr 2020, im Jahr 2021 noch einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 5,2% zugetraut; jetzt seien es nur noch 4,4%. Im Vergleich dazu seien die 2021er Wachstumsschätzungen für die USA von 3,1% (Oktober 2020) auf beachtliche 6,4% angehoben worden, die von China immerhin von 8,2% auf 8,4% (was hier dem höchsten Wachstum seit 2011 entspreche). Angesichts von Wirtschaftswachstum um die 6% in 2021 (bei einem BIP-Einbruch von 3,5% in 2020) sollte in den USA das Vorkrisen-BIP-Niveau schon in diesem Jahr klar übertroffen werden können, was in der Eurozone nach einem Einbruch von -6,6% in 2020 kaum realistisch erscheine. Für die Weltwirtschaft insgesamt erwarte der IWF in diesem Jahr ein Wachstum von 6,0% und damit etwas mehr als die letztgültige Prognose (5,5%).

In Bezug auf die Eurozone habe der IWF seine Prognose nun im April im Vergleich zum Jahresstart (Januar) nahezu unverändert gelassen. Mit jeweils BIP-Schätzungen von 4,4% (2021) und 3,8% (2022) liege der IWF sehr nahe an den schon länger gültigen BIP-Schätzungen der Analysten der RBI. Die kaum veränderte BIP-Schätzung für die handelsoffene und industrielastige Eurozone ist unseres Erachtens vor allem Ausdruck des schwachen Jahresstarts in Bezug auf die binnenwirtschaftliche Entwicklung und damit zusammenhängend den schwachen Impfstart (ohne UK), so die Analysten der RBI. Angesichts der verhaltenen BIP-Dynamik in der Eurozone im Q1 und partiell im Q2 erscheine damit selbst bei Unterstellung deutlicher Erholungseffekte in H2 2021 kaum ein Zuwachs der Wirtschaftsleistung deutlich über 5% möglich. Für Österreich würden die Analysten der RBI im Jahr 2022 immerhin ein BIP-Zuwachs von 5% nach eher schwachen 3,5% in 2021 erwarten, aber sähen den IWF auch hier nahe bei ihrem Prognosepfad (3,5% bzw. 4% in 2021 und 2022) und für 2021 ebenso optimistischer als einige lokale Prognostiker.

Wie zuvor schon für den Euroraum und Österreich skizziert, werde viel der Wirtschaftsdynamik im Jahr 2021 in Europa vom weiteren Umgang mit den Restriktionen für das öffentliche plus wirtschaftliche Leben und damit auch von den Impffortschritten abhängen. Je nach hier unterstelltem Erholungsprofil seien dann die Jahreswachstumsraten für die Jahre 2021 und 2022 bestimmt. Zudem sei derzeit noch nicht eindeutig absehbar, inwiefern gemeinsame europäische Politikmaßnahmen in Westeuropa und vor allem in Zentral- und Südosteuropa (Stichwort NGEU) schon im Jahr 2021 oder stärker im Jahr 2022 ihre Wirkung entfalten würden. Je nach getroffenen (Modell-)Annahmen bezüglich der skizzierten Einflussfaktoren seien gewisse Schwankungsbreiten in aktuellen BIP-Projektionen zu erwarten. Insofern seien auch gewisse Abweichungen zwischen den aktuellen Prognosen des IWF im Vergleich zu den Raiffeisen Research Prognosen erkennbar.

Interessanterweise sind unsere Abweichungen zu den IWF-Projektionen in der Regel gemeinsam über die Jahre 2021 und 2022 gesehen eher kosmetischer Natur, so die Analysten der RBI. In zehn von fünfzehn hier betrachteten Ländern ist der kumulierte Unterschied zwischen unseren Schätzungen und denen des IWF geringer als 1,5 Prozentpunkte, was bei BIP-Zuwachsraten von im Schnitt 4 Prozentpunkten nicht so drastisch zu interpretieren ist und nahe an einer Standardabweichung in diesem Prognosesatz liegt, so die Analysten der RBI.

In vier CEE-Ländern sei der IWF-Wirtschaftsausblick über die Jahre 2021 und 2022 gesehen teils deutlicher optimistischer, genauer in Bulgarien, Kroatien, Serbien und Russland (Bulgarien +1,5 Prozentpunkte, Kroatien +1,6 Pp, Serbien 2,0 Pp und Russland +3,9 Pp). Im Falle von Belarus sind unsere Wirtschaftsprognosen leicht optimistischer (plus 3 Prozentpunkte in 2021 und 2022 gegenüber IWF), so die Analysten der RBI. Für Belarus erwarte der IWF 2021 sogar eine leichte Rezession, ein Szenario was angesichts weiterer - wenn auch zögerlich fließender - Finanzhilfe Russlands und einer Export-Reorientierung nach Russland vermieden werden könnte. Unsere vorsichtige Wachstumsschätzung für Russland nach 2021 ist angesichts akkumulierter struktureller Schwächen zu rechtfertigen, doch sind deutlichere Erholungseffekte angesichts derzeit sehr unterstützender globaler Rohstoffpreistrends auch nicht kleinzureden, so die Analysten der RBI. Für die EU-Länder in SEE werde viel der wirtschaftlichen Dynamik in 2021 und vor allem in 2022 davon abhängen, wie effizient EU-Gelder eingesetzt werden könnten. Insofern scheinen die etwas optimistischeren IWF-Prognosen für Bulgarien und Kroatien durchaus plausibel, wenn auch Strukturschwächen hier nicht unterschätzt werden sollten, so die Analysten der RBI.

In Summe seien die IWF-Projektionen für CE/SEE im Schnitt jeweils um 0,4 Prozentpunkte höher als die aktuellen Schätzungen der Analysten der RBI für die Jahre 2021 und 2022 (4,1% vs 4,5%). In der Region Osteuropa würden die Analysten der RBI wie thematisiert deutliche Prognoseunterschiede in Russland und Belarus identifizieren, während sie bei den Ukraine-Projektionen gleichauf lägen. In Summe seien die Analysten der RBI aber in sehr vielen Annahmen in Bezug auf die generelle Wirtschaftsdynamik in Europa sehr nahe beieinander und würden angesichts des schwachen Jahresstarts BIP-Zuwachsraten im Bereich von 6% oder gar 9% für Länder wie Tschechien, Ungarn oder Rumänien im Jahr 2021 (die optimistischsten Prognosen derzeit im Prognosekonsensus) als eher nicht erreichbar erachten. Auszuschließen könne man solche Erholungsszenarien aber auch nicht komplett, angesichts aktuell beeindruckender wirtschaftlicher Erholungsdynamiken in den Impf-Frontrunnern USA oder Israel.

In Summe sollte der BIP-Zuwachs in CE/SEE aber in 2021 und vor allem im Jahr 2022 über jenem der Eurozone liegen. Dieser erfreuliche Ausblick im Zusammenspiel mit einem deutlich geringeren BIP-Rückgang in Osteuropa als in der Eurozone im Jahr 2020 sollte dazu führen, dass in CE/SEE die BIP-Vorkrisenniveaus schneller erreicht werden könnten, meist wohl schon in 2021. Insofern sollten in Bezug auf diesen Messansatz viele osteuropäische Länder gleichauf mit den USA sein und die Eurozone deutlich übertreffen. (07.04.2021/ac/a/m)







 
 
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