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Brasilien: Straffung der Geldpolitik belastet Konjunktur




07.04.21 11:50
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Brasilien hat im vergangenen Jahr mit -4,1% den größten Wirtschaftseinbruch seit 1990 erlebt, so die Analysten der Helaba.

Seit vergangenem Sommer schien sich zunächst die wirtschaftliche Lage trotz weiter steigender Corona-Infektionszahlen wieder aufzuhellen. Ein wichtiger Aspekt bei der Erholung sei die massive Ausweitung der staatlichen Unterstützung gewesen. Es habe Cash-Transfers, Programme zur Beschäftigungsförderung, steigende Gesundheitsausgaben, finanzielle Unterstützung für die Bundesstaaten und durch die Regierung besicherte Kredite an kleine und mittlere Unternehmen gegeben. Dieses Maßnahmenpaket habe sich die Regierung stolze 18% des BIP kosten lassen. Das Haushaltsdefizit habe dementsprechend fast 16% des BIP erreicht und die ohnehin hohe Staatsverschuldung sei um weitere 20 Prozentpunkte auf 95% des BIP gestiegen.

Mittlerweile habe sich das Blatt jedoch wieder gewendet. Brasilien befinde sich mitten in einer zweiten Corona-Welle, mutmaßlich zurückzuführen auf eine Mutante des Virus. Zahlreiche Bundesstaaten würden Alarm schlagen. In einigen Regionen seien die Krankenhäuser bereits zu 100% ausgelastet. In Brasilien seien die Bundesstaaten für Lockdown-Maßnahmen zuständig und einige hätten bereits reagiert - sehr zum Missfallen von Präsident Bolsonaro, der seit Beginn der Pandemie der Wirtschaft klaren Vorrang eingeräumt habe und jetzt teilweise gerichtlich gegen die beschlossenen Einschränkungen der Gouverneure vorgehe. Für die Industrie sei diese Linie durchaus positiv. Bereits seit September liege die Kapazitätsauslastung in der Industrie wieder bei rund 80%, im Januar sei sie mit 80,5% sogar höher gewesen als im Vor-Corona-Monat Februar 2020 mit 78,8%. Ganz anders sehe es im Einzelhandel und beim privaten Konsum aus. Die Einzelhandelsumsätze seien im letzten April (-17% gg. Vj.) und Mai (-7,4 %) eingebrochen, hätten sich aber bis Jahresende wieder erholen können. Die zweite Welle habe nun im Januar zu einem leichten Rückgang geführt, der sich im Februar und März vergrößert haben dürfte. Der Index zum Verbrauchervertrauen habe sich seit November ebenfalls wieder von 81,7 auf 78 Punkte im Februar eingetrübt.

Gegenwind für die Konjunktur komme jetzt auch noch von der Geldpolitik. Die Zentralbank habe auf ihrer Sitzung am 17. März unerwartet den Leitzins "Selic" um 200 Basispunkte auf 2,75 % angehoben. Die jährliche Inflationsrate habe im Februar mit 5,2% deutlich über dem Zielwert von 3,75% und nur knapp unter der tolerierten Abweichung von +/-1,5% gelegen. Höhere Rohstoffpreise, die immer noch schwache Währung und die expansive Fiskalpolitik würden Druck auf die Preise ausüben. In ihrem jüngsten Bericht sei die Zentralbank davon ausgegangen, dass die Inflation ohne geldpolitische Korrektur zum Jahresende 2021 bei 4,6% liegen würde.

Dennoch würden die Analysten der Helaba erwarten, dass der wirtschaftliche Aufholprozess dieses Jahr eingeleitet werde. Der Senat habe vor wenigen Wochen ein Hilfspaket im Umfang von 7,5 Mrd. US-Dollar für arme Haushalte verabschiedet. Allerdings müsse das Paket noch durch das Unterhaus. Dort seien zahlreiche Politiker dafür, das Paket aufzustocken. In diesem Fall könnte sich die Umsetzung verzögern, sie sollte aber im ersten Halbjahr gelingen. Parallel zur voranschreitenden Impfkampagne und einer Erholung der Weltwirtschaft würden die Analysten der Helaba für Brasilien dieses Jahr ein Wachstum von 4% erwarten. (07.04.2021/ac/a/m)







 
 
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